Schlafwandlerisch Drehen und Fräsen

 

Im Rahmen der Fachmesse Swisstech in Basel fanden die Schweizermeisterschaften für die drei Berufsgattungen der Polymechaniker statt. Erstmals beendete eine Frau diesen Berufswettbewerb auf dem zweiten Platz.

 

In ihrer Grundausbildung lernen die Polymechaniker viel über Metallbearbeitung. Das beginnt bei den Basiskenntnissen über die Tätigkeiten wie Drehen oder Fräsen, Feilen, Bohren, Messtechnik, Säge- und Umformtechnik. Dazu gesellen sich verschiedene Verbindungsmethoden wie Schweissen, Löten oder Kleben. Um die Werkstücke genau nach Kundenwunsch ausführen zu können, stehen den jungen Menschen heute computergesteuerte Werkzeugmaschinen – sogenannte CNC-Maschinen – zur Verfügung. Genau um diese ging es bei zwei der drei Wettbewerbsaufgaben, dem CNC Fräsen und dem CNC Drehen. Eine dritte Gruppe von Spezialisten musste sich als Polymechaniker/in in der Disziplin Automation (maschinelle Fertigungstechnik Drehen/Fräsen) messen. Für alle drei Sparten, die zusammen das Berufsbild Polymechaniker/in ausmachen, wurden Aufgabenstellungen ausgearbeitet, die das hohe Niveau der Berufsweltmeisterschaften aufwiesen, so dass die noch nicht 22 Jahre alten Kandidaten in hohem Mass gefordert wurden. Vorgängig zum Finale wurden in internen Wettkämpfen die besten vier Berufsleute jeder Ausrichtung erkoren.

Swissmechanic, der Schweizerische  Verband mechanisch-technischer Betriebe, hat sich auf die Fahne geschrieben, der Berufs- und Weiterbildung grosses Gewicht beizumessen. Direktor Robert Welna und der Leiter der Berufsbildung, Gerhard Vogelbacher, bereiteten, zusammen mit Experten die Schweizermeisterschaft mit grossem Aufwand vor. Im Rahmen der Swisstech – dem internationalen Schaufenster der Branche – arbeiteten die Kandidaten vor einem fachkundigen Publikum und hatten so in dieser Hinsicht ebenfalls echte Wettbewerbsbedingungen wie an internationalen Meisterschaften.

 

Schwierige Aufgaben

Beim  Automatiker-Quartett galt es, Werkstücke konventionell mit der Fräse und an der Drehbank zu bearbeiten sowie Fähigkeiten in Montagetechnik zu zeigen. Die CNC-Fräser und CNC-Dreher mussten hingegen für die Bearbeitung mehrerer Werkstücke die Rechner von „mastercam“ programmieren. Dann wurden die Werkstücke in die Maschine eingesetzt, und diese begann auf Knopfdruck geheimnisvoll zu arbeiten. Hier wurden Löcher gebohrt, dort Vertiefungen gefräst, Gewinde eingedreht. Der Vorgang wiederholte sich mit jedem Einzelteil, bis diese schliesslich miteinander verbunden werden konnten. Dabei verfolgten die eingesetzten Jurymitglieder jeden Arbeitsschritt, machten sich Notizen und überprüften insbesondere, ob die hohen Anforderungen bezüglich Arbeitssicherheit genau eingehalten wurden.

 

Erstmals Frauenpower

Nach getaner Arbeit schritt Gerhard Vogelbacher zum letzten Schritt, stellte sein Team mit den Chefexperten vor und liess den Wettbewerb noch einmal Revue passieren: „Sämtliche Kandidaten haben sehr gut gearbeitet, auch wenn der eine oder andere sich gelegentlich die Haare raufte, weil ihm – trotz richtigem Vorgehen – die Maschine einen Streich spielte.“ Der Berufsbildungsexperte freute sich insbesondere darüber, dass erstmals eine junge Frau ganz an der Spitze dieses technischen Berufes mithalten konnte, auch wenn sie den Sieg wegen Probleme beim Fräsen nur ganz knapp verpasste. „Die drei Tage voller Konzentration und Anstrengung haben aus jedem Teilnehmenden einen Gewinner gemacht, denn am Schluss gaben nur Nuancen den Ausschlag für die Rangierung“ betonte Vogelbacher. Swissmechanic-Direktor Robert Welna, der sich über die erfolgreiche Durchführung der Schweizermeisterschaft freute und die ausgezeichneten Arbeiten lobte. „Das Niveau war sicherlich höher als bei den letzten Wettkämpfen vor zwei Jahren“, zog Welna eine positive Bilanz.

Automation-Chefexperte François Fiechter hatte allen Grund seiner Gruppe besonders herzlich zu gratulieren. Immerhin erreichte mit der Urnerin Fabienne Tresch erstmals eine Frau den Endkampf. Hoch zufrieden zeigte sich auch Dreher-Chefexperte Walter Fricker, der Fabian Vogelbacher, dem Sohn des Leiters der Swissmechanic-Berufsbildung, zum Sieg gratulieren konnte. Bei den Fräsern zeichnete Chefexperte Hansrudolf Zürcher mit Andreas Uhlmann den „Best of all“ aus; der Bündner schloss den Wettbewerb mit der besten Gesamtnote aller drei Disziplinen ab. Diese Superleistung brachte ihm für ein Jahr den Gratis-Gebrauch eines Fraisa VW Polo ein. Übrigens: In der Qualifikation schaffte Andreas Uhlman den Einzug ins Finale nur ganz knapp, sein Vorsprung auf den Fünftplatzierten betrug winzige drei Punkte.

 

Auf nach Calgary

Auf die drei Bestklassierten wartet ein anspruchsvolles Jahr. Denn bereits im Frühjahr beginnen die Vorarbeiten und die Traningskurse für „World Skills Competition“; diese Berufsmeisterschaften finden im November im kanadischen Calgary  stattfindet. Vor Jahresfrist in Japan erreichten die Schweizer Polymechaniker einen dritten und einen vierten Rang – und das verpflichtet.

 

 

Ranglisten

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker Automation

1. Jerome Blum, Basel (Hatebur Umformmachinen AG, Reinach)

2. Fabienne Tresch, Göschenen UR (Dätwyler Cables, Altdorf)

3. Daniel Rohrer, Sachseln OW (RUAG Aerospace Center, Alpnach)

4. Christian Rossi, Claro TI (RUAG Aero-space, Lodrino)

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker CNC Drehen

1. Fabian Vogelbacher, Hörhausen TG(Mowag GmbH, Kreuzlingen)

2. Martin Furer, Bülach ZH (Stutz Mechanik, Bülach)

3. Daniel Steinert, Wetzikon ZH (Ferag AG, Hinwil)

4. Florian Blickensdorfer, Schweizersholz TG (Tubenfabrik, Bischofszell)

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker CNC Fräsen
1. Andreas Uhlmann
, Sarn GR (Hamilton Bonaduz AG, Bonaduz)
2. Urs Höhener, Trogen AR (Thyssen Krupp Presta, Oberegg)
3. Reto Wächter, Kleindöttingen AG (Heinz Baumgartner AG, Tegerfelden)
4. Tobias Haas
, Obfelden ZH (Advaltech AWM, Muri AG)

 

 

Siegerbild mit Dame bei den Automatikern (v.l.): Fabienne Tresch, Jerome Blum und Daniel Rohrer. 

 

Das Siegestrio bei den CNC-Drehern (v.l.): Martin Furer, Fabian Vogelbacher und Daniel Steinert. 

 

Sie waren die besten CNC-Fräser (v.l.): Urs Höhener, Andreas Uhlmann und Reto Wächter.