Das hohe Niveau wurde nochmals getopt

 

 

Ihre Leistungen brachten auch erfahrene Experten ins Schwärmen (v.l.): Claudia Mächler, Jolanda Stgier und Belinda Grütter.

 

Dass die Grundbildung im Konditor-Confiseur-Beruf von hoher Qualität ist, ist nichts Neues. Am Wettkampf um den Schweizermeistertitel übertrafen die 13 Teilnehmenden aber alles bisher Dargebotene. Der verdiente Sieg ging an die hoch motivierte Bündnerin Jolanda Stgier.

 

„Wahnsinn – bei der letzten Meisterschaft habe ich geglaubt, dass wir eine Art Zenit erreicht hätten, doch dieses Resultat ist nochmals übertroffen worden.“ So fasste der sichtlich erfreute Verantwortliche für die Schweizermeisterschaft der Konditoren-Confiseure, Christian Dössegger, die Leistung der dreizehn Wettkämpferinnen und Wettkämpfer zusammen. Beeindruckt von den Arbeiten der jungen Berufsleute zeigten sich auch Stefan Romang, Präsident des Schweizerischen Konditor-Confiseurmeister-Verbandes, das fünfköpfige Juroren-Team und nicht zuletzt das sehr zahlreich in der Fachschule Richemont in Luzern aufmarschierte Publikum.

 

Rekord bei Lehreintritten

Wie üblich hatte man junge Berufslöeute mit den besten Lehrabschlussprüfungs-Noten aus allen Landesteilen zum Wettbewerb eingeladen; dreizehn von vierzehn folgten diesem Ruf, darunter neun Frauen und vier Männer. „Dieses Verhältnis entspricht in etwa dem Berufsalltag“, erklärte Dössegger die heutige Situation in der Branche. Dass diese Situation verglichen mit anderen Berufen sehr komfortabel ist, beweisen die Zahlen. „Mit 398 neuen Lehreintritten haben wir dieses Jahr einen neuen Rekord“, konnte SKCV-Präsident Romang stolz verkünden. Nach den geburtenstarken Jahrgängen habe man eher mit einem Rückgang gerechnet, doch offensichtlich sei das Ansehen der Branche sehr gut. Gleiches gilt übrigens auch für den Verkaufsberuf, der ebenfalls steigende Lehrlingszahlen verzeichnet.

 

International noch besser werden

Nur bedingt zufrieden sind die Verantwortlichen jedoch mit dem Abschneiden ihrer jungen Berufscracks bei internationalen Wettbewerben. An der Team-Weltmeisterschaft, die im August in Nashville USA stattfand, erkämpften sich die Schweizer den 3. Rang. „Ein Riesenerfolg“, so Stefan Romang. „Eigentlich sollten wir auch international Spitze sein, und das waren wir bislang nicht immer.“ So war es denn für alle eine Enttäuschung, als es an den World Skills 07 in Japan nicht für die vorderen Ränge reicht. Dem will man nun gezielt Abhilfe schaffen. Im Vorfeld der Meisterschaft konnten die Kandidaten auf Einladung der Max Felchlin AG im Condirama in Schwyz einen Weiterbildungstag verbringen und dabei unter anderem auch ihr Schaustück für den Wettbewerb vorbereiten. Dabei entstanden teilweise wahre, fast meterhohe Kunstwerke, die es dann mit der gebotenen Vorsicht nach Luzern zu transportieren galt. „Der Übungstag ist extrem gut rübergekommen“, kommentierte Christian Dössegger. Für den Wettkampf seien zwar Sachen entstanden, die man im Alltag eher nicht sehe, „aber es ist doch toll, einmal zu zeigen, was man machen könnte“.

 

Amor mit Praline

Konkret „zu machen“ hatten die Jungconfiseure zum Wettbewerbsthema Valentinstag so einiges: Dessertbecher, Tortendekor, Modellieren von Marzipanfiguren, Pralinen, gefüllter Konfekt und Blätterteigkonfekt. Bewertet wurden nebst diesen Arbeiten auch die Produktepräsentation sowie die Hygiene und die Arbeitsabläufe. Den sechsstündigen Wettbewerbsmarathon meisterte schliesslich Jolanda Stgier aus dem bündnerischen Parsonz am besten. Ihr Valentins-Schaustück zeigte einen perfekten Amor mit dargebotener Praline. Die junge, hoch motivierte Frau hatte sich eigens für das Üben auf die Meisterschaft hin drei Wochen Ferien genommen und mit einem Sieg zwar nicht unbedingt gerechnet, „aber trotzdem darauf gehofft“. Nach ein paar Freudentränen trat sie denn auch ans Mikrofon und bedankte sich vor allem für die vorbehaltlose Unterstützung ihres Meisterpaares Andri und Sandra Marguth und des Chefkonditors Ivan Zuccolo (alle Café und Confiserie Gyger, Thusis).

Der Sonderpreis für Gestaltung ging an David Conti aus Erlinsbach, der für seine Valentinstag-Arbeiten ein Schmetterling/Blumen-Motiv wählte.

 

Längeres Training

Über das Ticket für die Teilnahme an den World Skills vom September kommenden Jahres im kanadischen Calgary freute sich die Siegerin extrem, obwohl sie noch nicht darüber nachgedacht habe, was genau auf sie zukomme. Allein wird sie dabei auf jeden Fall nicht gelassen. "Nach Japan haben wir das Siegertraining extra neu aufgegleist und hoffen, so doch etwas mehr zu erreichen", erläuterte Christian Dössegger. Während frühere Weltmeisterschaftsteilnehmer rund eine Woche übten, wird Jolanda Stgier nun bei der Felchlin AG einen zweiwöchigen Intensivkurs absolvieren und danach unter dem Coaching von Präsident Stefan Romang gezielt das Wettbewerbsprogramm trainieren.

 

 

Rangliste

 

1. Jolanda Stgier, Parsonz GR (Lehrbetrieb: Café und Confiserie Gyger, Thusis)

2. Claudia Mächler, Gibswil ZH (Confiserie Honegger, Wald)

3. Belinda Grütter, Zollikofen BE (Confiserie Steinmann AG, Thun)

4. (in alphabetischer Reihenfolge) Aline Chopard, Castione TI (Confiserie Al Porto SA, Tenero); David Conti, Erlinsbach AG (La Confiserie R. Schwarz GmbH, Rupperswil); Samuel Dober, Flawil (Confiserie Speck, Zug); Léonard Fleury, Villars-sur-Ollon VD (Confiserie Moutarlier, Chexbres); Madlen Meier, Ermenswil SG (Bäckerei-Konditorei-Confiserie Wick AG, Rapperswil); Melanie Näf, Herisau (Confiserie Roggwiller, St.Gallen); Larissa Schweizer, Kirchberg BE (Beck Glaz Confiseur AG, Bern); Andrea Sonder, Bözen (Confiserie Graf GmbH, Rheinfelden); Carlo Tommasini, Niederglatt ZH (Confiserie Honold AG, Zürich); Laura Weber, Malleray (Confiserie Progin GmbH, Biel).