Sogar die Makronen liessen sich sehen…

 

Die 24 Teilnehmenden haben für einen Wettkampf auf höchstem Niveau gesorgt. Vorne das Medaillentrio (v.l.): Marianne Grossmann, Fabienne Amgarten und Fabienne Schaub.

 

 

Eine derart hohes Niveau habe man bei den Schweizermeisterschaften der Bäcker-Konditor-Branche noch nie gesehen, waren sich die Experten nach Abschluss der diesjährigen Titelkämpfe in Luzern einig. Dank der Obwaldnerin Fabienne Amgarten blieb das Gold in der Zentralschweiz.

 

„Mein Bäckerherz schlägt höher, wenn ich die grossartigen Leistung der jungen Leute sehe“, betonte Kaspar Sutter, Präsident des Schweizersicher Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes (SBKV) anlässlich der Siegerehrung. Sutter zeigte seinen beruflichen Stolz nicht zuletzt dadurch, dass er in der gleichen weissen Bäckerbluse erschien, die auch alle Kandidaten trugen. Der Verband legt auf die Nachwuchsförderung grossen Wert und lässt sie ich rund zwei Millionen Franken im Jahr kosten. Die alljährlich in den Räumen der Luzerner „Bäckeruniversität“, der Fachschule Richemont, stattfindenden Wettkämpfe sind ebenfall sehr aufwändig: Für die Betreuung der 24 Teilnehmenden stehen 26 Mitarbeitende im Einsatz. Dass sie dabei für ideale Wettbewerbsbedingungen sorgen, versteht sich von selbst.

 

Schwierige Aufgaben

Die aus allen Teilen der Schweiz stammen Wettkämpfer gehören zur Elite, haben sie doch ihre Lehrabschlussprüfung mit Höchstnoten abgeschlossen. Die meisten von ihnen habe extra für die Meisterschaft trainiert – und dennoch empfanden sie den fünfstündigen Wettkampf als eine grosse Herausforderung. „Ich hätte nie gedacht, dass der Zeitdruck so gross sein wird. Es war nicht leicht, die Nerven zu behalten“, befand beispielsweise die Bronzegewinnerin Marianne Grossmann. Tatsächlich waren die Aufgaben recht happig:

  • zwei verschieden geflochtene Zöpfe
  • zwei Hefeteig-Gebäcke
  • ein Schaubrot
  • ein Kleinbrot (Teig selbst angefertigt)
  • Makronen
  • Butterblätteig-Stückchen
  • drei Marzipanfiguren.
  • Tortendekoration nach eigener Zeichnung

 

Thema „Valentinstag“

Die Fachjury entschied sich dieses Jahr für das generelle Thema „Valentinstag“, so dass es auf den Präsentationstischen schliesslich von Herzen in aller Form, lachenden Bären und Hunden sowie küssenden Elefanten und Mäusen wimmelte. „Ich staune immer wieder, wie kreativ die Teilnehmenden sind“, betonte SBKV-Ausbildungschef Peter Galli, „und es wird von Jahr zu Jahr besser.“ Doch nicht nur das Aussehen der Produkte gefiel, auch die handwerkliche Qualität war meist überdurchschnittlich. Zu den Glanzlichtern zählten laut den Cheforganisatoren Markus Zimmerli und Fredi Eggerschwiler das Hefegebäck, die Kleinbrote und die Blätterteigstückli. Etwas Mühe bekundeten die Kandidaten mit dem Zopfflechten, einige mussten gar mehrere Anläufe nehmen. Bei den Marzipanfigürchen war häufig die Balance das Hauptproblem, mehrfach war gar Kippen angesagt. Ein Riesenaufschnaufen gab es bei den Makronen, die in den letzten Jahren zum echten Problemkind wurden. „Noch verbesserungsfähig, aber sicher nicht die Katastrophe wie 2007“, lautete das Urteil von SBKV-Präsident Kaspar Sutter. Einen Schatten gab es dennoch: mehrere Kandidaten schafften das grosse Pensum nicht ganz und wurden nicht mit allen Produkten fertig, was ihnen natürlich alle Chancen auf eine gute Platzierung raubte.

 

Überraschte Siegerin

Gewonnen wurde der Wettkampf schliesslich klar von Fabienne Amgarten. Die zierliche Obwaldnerin zeigte sich über ihren Erfolg überrascht: „Von einer Medaille habe ich nicht einmal geträumt. Ich wollte einfach nur das Beste geben. Aber es lief mir sehr gut, ich hatte kaum grössere Probleme und kam nie in Zeitnot.“ Für Hans Vogler, Armgartens Lehrmeister in der Lungerner Bäcker-Konditorei Sunnis, war das Gold kein Zufall. „Fabienne beherrscht das Handwerk, kann sich die Arbeit gut einteilen und ist enorm kreativ.“ Die 19-Jährige wird Gelegenheit erhalten, ihre Wettkampfstärke nochmals unter Beweis zu stellen: zusammen mit der zweitplatzierten Fabienne Schaub wird sie nächstes Jahr an internationalen Meisterschaften teilnehmen.

 

 

Rangliste

 

1. Fabienne Amgarten, Lungern OW (Lehrbetrieb: Bäckerei-Konditorei Sunnis, Lungern)

2. Fabienne Schaub, Zumikon ZH (Bäckerei-Konditorei Hausammann, Zürich)

3. Marianne Grossmann, Schangnau BE (Bäckerei-Konditorei Eichenberger, Langnau i. E.)

4. (in alphabetischer Reihenfolge): Ivan Beeler, Steinen SZ (Bäckerei-Konditorei Schnüriger GmbH, Rothenthurm); Barbara Blum, Triengen LU (Bäckerei-Konditorei Squindo, Moosleerau); Christine Engeli, Siegershausen TG (Bäckerei-Konditorei Mohn AG, Berg); Andrea Fuchs, Brülisau AI (Bäckerei-Konditorei Schäfli, Appenzell-Steinegg); Claudia Gadola, Zizers GR (Bäckerei-Konditorei-Café Signer, Zizers); Manuela Gut, Kaltbach LU (Bäckerei-Konditorei Blum, Schenkon); Sébastien Hug, Les Avants VD (Boulangerie-Pâtisserie Compondu Yves, Blonay); Irene Jung, Bazenheid SG (Bäckerei-Konditorei Werner Kuhn, Brunnadern); Andreas Lehner, Kriessern SG (Bäckerei-Konditorei Rhybeck,  Kriessern); Silvano Leucci, Herisau (Bäckerei-Konditorei Näf, Herisau); Erich Lüthi, Hausen AG (Bäckerei-Konditorei Eberhard, Mägenwil); Carmen Maeder, Courgevaux FR (Bäckerei-Konditorei Aebersold GmbH, Murten); Ursina Meier, Bäretswil ZH (Ehriker-Beck, Wildberg); Margrit Odermatt, Büren NW (Bäckerei-Konditorei Christen, Stans);  Augustin Salamin, Grimentz VS (Boulangerie-Pâtisserie Zenhäusern SA, Sion); Andrea Schweizer, Däniken SO (Pino der andere Beck, Olten); Jasmin Stadelmann, Emmenbrücke (Heini Conditorei AG, Luzern); Sabrina Surer, Arisdorf BL, (Bäckerei-Konditorei Berger AG, Augst); Nadja Tenger, Davos (Müller Beck, Schaffhausen); Ruth Wüthrich, Bärau BE Heimstätte Bärau); Anja Zentner, Ennenda GL (Cornetto AG, Ennenda).

 

Die Siegerin hat von ihrem Lehrmeister viel gelernt: Fabienne Amgarten und Hans Vogler. 

 

Wer sagt schon, dass Makronen besonders schwierig sind?