Schweizermeisterschaft der Steinmetze 2008

Reale Kunst am Stein

 


Steinmetz-Siegertrio (von links): Manuel Caduff , Tobias Kupferschmidt und Christian Bärlocher.

Anspruchsvolles Kräftemessen: Vier Steinmetze machten sich an drei Tagen an die Arbeit, um einem Sandsteinbrocken die geforderte Form zu geben. Der Sieg ging an den Appenzeller Tobias Kupferschmidt.

Die Schweizer Naturstein Produzenten (SNP) nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Berufsmeisterschaft an der Ostschweizer Bildungs-Ausstellung (OBA) in St. Gallen durchzuführen und sich damit vor einem grösseren Publikum zu präsentieren. Mit 117 gezeigten Berufen und über 1 200 präsentierten Angeboten, sowie 22 600 Besuchern, davon knapp 14 000 Jugendlichen, stellte die OBA hierfür die ideale Plattform.

 
Pressluft-Meisseln im Fokus
Steinmetze verarbeiten sowohl Natur- wie auch Kunststein. Dabei müssen sie wesentlich genauer arbeiten als zum Beispiel Bildhauer, zudem aber ein fast ebenso gutes Vorstellungsvermögen besitzen. Die vier Kandidaten hatten zwei Aufgaben zu bewältigen. Als erstes war nach vorgegebenem Plan innert zwei Stunden eine Schablone aus Zinkblech anzufertigen. Dabei mussten die Wettkämpfer äusserst genau arbeiten, da auch die kleinsten Abweichungen gegenüber der Zeichnung nicht in die Wertung kamen.
Die zweite, wesentlich grössere Aufgabe bestand darin, dem Sandsteinstück, welches in der vorgegebenen Skizze eine Art Ornament darstellte und ebenfalls nach Plan zu bearbeiten war, innert 17 Stunden die geforderte Form zu geben. Auch hierbei war von den Teilnehmern exaktes Arbeiten gefordert, da nach den vorgegebenen, internationalen Bestimmungen bewertet wurde.
Unter der Wachsamkeit der Experten Jean-Luc Braun und Fred Burri und dem hohen Wettbewerbsdruck sowie der vermehrten Besucher durch die OBA arbeitete das Quartett nicht nur ruhig und gekonnt, sondern bot den Zuschauern mit dem pneumatischen Meisseln auch ein besonderes Spektakel.

 
Intime Siegerehrung
Trotz OBA fanden sich leider nur wenige Interessenten zur Siegerehrung ein. Chefexperte Hans-Jakob Bärlocher dankte dabei den Teilnehmenden und den Experten für ihr Engagement und skizzierte die Aufgaben nochmals kurz auf. Dabei erwähnte er, dass für die Bewertung nicht weniger als 126 Messpunkte zu berücksichtigen waren – was auch für die Experten Schwerstarbeit erforderte. Da nur vier Kandidaten an den Meisterschaften teilnahmen, bekamen fast alle eine Medaille. Die goldene gab es jedoch nur einen, nämlich Tobias Kupferschmidt aus Schwellbrunn, der dank vorab dank seiner Massgenauigkeit verdienter Schweizermeister wurde.

 
Rangliste
1. Tobias Kupferschmidt, Schwellbrunn AR (Arbeitgeber: Gebr. Müller AG, Neuhaus
2. Manuel Caduff, Uznach SG (Gebr. Müller AG, Neuhaus)
3. Christian Bärlocher, Staad SG (J. & A. Kuster Steinbrüche AG, Freienbach)
4. Moritz Wehrli, Schneisingen AG (Emil Fischer AG, 5605 Dottikon)


Schwerarbeit für die beiden Experten Jean-Luc Braun (links) und Fred Burri. Sie hatten für die Bewertung nicht weniger als 126 Messpunkte zu berücksichtigen.

Erfolgreiche Eidgenossen an den EuroSkills 2008 in Rotterdam

Drei Medaillen für drei Teilnehmende
 


In der freien Technik unschlagbar: Silber für Malerin Karin Hänni.

Einmal Silber und zweimal Bronze, dies ist die ausgezeichnete Bilanz der Schweizer Teilnahme an den ersten europäischen Berufsmeisterschaften EuroSkills 2008 in Rotterdam. Damit haben alle Eidgenossen einen Podestplatz erringen können.


Während drei Tagen sind in Rotterdam mehr als 400 Jugendliche aus 30 europäischen Ländern“ gegeneinander angetreten. Vor Fachexperten und grossem Publikum stellten die jungen Berufsleute ihre Fähigkeiten in einem der 49 verschiedenen handwerklichen, industriellen und Dienstleistungs-Berufe unter Beweis.


„Tolle Erfahrung“
Nach Abschluss der Wettbewerbe herrscht im Bernbiet und im Jura Freude: Silber gab es für die Malerin Karin Hänni aus Rümligen, Bronze ging an das Hufschmiedeteam Michael Bühlmann aus Niederhünigen, und Thierry Froidevaux aus Les Emibois. Hänni, Gewinnerin der letztjährigen Euro Painting Skills und Schweizermeisterin 2006, freute sich über ihren zweiten Rang: „Ich bin erleichtert, dass es endlich geschafft ist. Die drei Tage waren ganz schön anstrengend, haben sich aber wirklich gelohnt. Es war eine tolle Erfahrung!“ Die 24-jährige Bernerin musste sich in der Gesamtwertung nur ihrem deutschen Berufskollegen geschlagen geben. In der Kategorie „freie Technik“ konnte es aber niemand mit Karin Hänni aufnehmen. In den 18 vorgegebenen Stunden erstellte sie ein wahres Kunstwerk, das von Fachleuten in den höchsten Tönen gelobt wurde.
Die Hufschmiede erkämpften sich im Teamwettkampf den dritten Rang. „Die Bronzemedaille bedeutet mir sehr viel! Sie wird in meiner Sammlung ganz sicher einen Ehrenplatz finden", strahlte Michael Bühlmann, diesjähriger Schweizermeister Hufschmiede 2008. Der 22-Jährige ist übrigens ein wahrer Routinier, hat er doch bereits an 18 internationalen Hufschmiedewettkämpfen teilgenommen. Auch sein gleichaltriger Teamkollege Thierry Froidevaux, Zweitplatzierter an den Schweizermeisterschaften der Hufschmiede 2008 war überglücklich: „Meine Freundin ist sehr stolz auf meine Leistung, das stellt mich mega auf.“


Künftig mehr Eidgenossen?
Dass die Schweiz nur in zwei Wettbewerben vertreten war, hängt in erster Linie damit zusammen, dass sich unsere Berufsverbände primär auf die alle zwei Jahre stattfinden Berufsweltmeisterschaften (WorldSkills) sowie auf die von internationalen Branchenverbänden organisierten Europameisterschaften konzentrieren. „Damit sind schon viele unserer Verbände an der Limite, denn die Teilnahme an internationalen Wettbewerben kostet viel Zeit und Geld“, begründet Christine Davatz, offizielle Delegierte der nationalen Organisation SwissSkills das spärliche Schweizer Mitmachen. Zudem sei das Niveau der prestigereichen  WorldSkills wesentlich höher. „Die Weltmeisterschaft sind eben eine echte Herausforderung.“ Davatz rechnet jedoch damit, dass EuroSkills für einige Berufe attraktiver werden könnte, die bisher keine internationalen Wettbewerbe kannten: „So könnten auch beispielsweise Schweizer Strassenbauer, Pflegefachleute, Lastwagenfahrer oder Schumacher um Medaillen kämpfen.“


Sie wurden den hohen Erwartungen gerecht: Hufschmiede Michael Bühlmann (links) und Thierry Froidevaux.