03. Juli 2008
Und wieder dominierten die Ostschweizer

Sie haben den Wettkampf dominiert (von links): Philipp Hager undStefan Sahli, Remo aus der Au und Tobias Schenk sowie Andreas Solenthaler und Roman Grob.
Im Rahmen der "öga 08", der Fachmesse der Grünen Branche, massen die besten jungen Landschaftsgärtner der Schweiz ihr Können. Der Schweizermeister-Titel ging dabei mit Remo aus der Au und Tobias Schenk erneut an ein Team aus dem Kanton Thurgau.
Dreizehn Zweierteams – eines mehr als beim Wettkampf 2006 – traten an der Fachmesse für Garten-, Obst- und Gemüsebau "öga" am Gartenbautechnikum im bernischen Koppigen zur Schweizermeisterschaft der Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner an. Die während der zwei Wettbewerbstage zu bewältigende Aufgabe, dass heisse Sommerwetter und nicht zuletzt das kritische, fachkundige Publikum brachten die 25 Kandidaten und die eine Kandidatin ziemlich ins Schwitzen.
Unerwartete Tücken
Auf einer Fläche von neun Quadratmetern mussten die besten Junggärtner aus allen Landesteilen der Schweiz ein landschaftsgärtnerisches Gesamtwerk aufbauen. Die Wettbewerbsaufgabe umfasste eine Sitzmauer aus Sandstein, Beläge aus Beton- und Naturstein, Stufen- und Gestaltungselemente, einen Gartenteich, eine Dauerbepflanzung und eine Wechselflorbepflanzung sowie eine Rasenanlage. Bewertet wurden dabei nicht nur die Ausführgenauigkeit, die fachliche Bearbeitung der Materialien oder die mengenmässige Leistung, sondern auch Kriterien wie der Umgang mit Werkzeugen und die Arbeitssicherheit. "Einmal fräsen ohne Gehörschutz – und schon ist ein Abzug da", umriss Shopmaster Peter Susewind die strengen Bestimmungen.
Dass die Tücken der Aufgabe im Detail, aber auch in elementaren Unterschieden zwischen den Regionen lauern können, mussten die vier Tessiner Teilnehmer zu ihrem Leidwesen erfahren: in der italienischen Schweiz arbeiten die Landschaftsgärtner überwiegend mit Granit und nicht mit Sandstein. "Wir brauchten allein fast einen halben Tag, um zu lernen, wie man diesen Stein schneidet", hielt Prisca Ferrari – übrigens die einzige Frau im Kandidatenfeld – lakonisch fest. Frustriert waren die Ticinesi aber trotzdem nicht; sie fanden den Anlass an sich toll und die Erfahrung auf jeden Fall als lehrreich.
Eine Schildkröte und viel Lob
So waren denn die Mini-Landschaftsgärten der Wettbewerbsteilnehmer nach 15 Stunden Arbeit und fulminantem Endspurt auch in unterschiedlichen Stadien der Fertigstellung. Während dem zweitplatzierten Team Stefan Sahli und Philipp Hager noch genügend Zeit verblieb, um eine freundliche (Plastik-) Schildkröte in ihrem Teichlein auszusetzen, wurden anderswo hektisch die letzten Pflanzen in die Erde gedrückt. So oder so attestierte der abtretende internationale Experte Hans Kuster jedoch allen Teilnehmenden ein "grundsätzlich gutes Niveau". Lob gab es auch von Shopmaster Peter Susewind. Er sprach den Kandidaten seine Anerkennung aus für die vorherrschende "Superordnung und Disziplin". Ueli Leuthold, der leitende Experte vor Ort, rühmte vor allem den grossen Einsatz und das Engagement der jungen Berufsleute. Vom Verlauf der Meisterschaft ebenfalls angetan, zeigte sich Otto Rütter, Verantwortlicher für die Durchführung des Wettbewerbs von JardinSuisse, dem Unternehmerverband Gärtner Schweiz. Er freute sich vor allem über die erstmalige Teilnahme eines zweiten Teams aus dem Tessin und dass auch die Romandie mit einer zweiten Mannschaft nachziehen möchte. Ein Problem hat Rütter allerdings: "Bei der Platzkapazität sind wir an die Grenzen gestossen. Für die nächste Berufsmeisterschaft werden wir uns also etwas einfallen lassen müssen."
Es wartet die WM
Für die Bestplatzierten der zum 6. Mal durchgeführten Berufsmeisterschaft der Landschaftsgärtner ist mit der Siegerehrung in Oeschberg-Koppigen nicht Schluss. Das auf dem zweiten Rang gelandete Team Hager/Sahli (und möglicherweise auch das Team Grob/Solenthaler als Dritte) kann noch diesen Herbst an einem internationalen Landschaftsgärtner-Wettbewerb in Wien teilnehmen. Richtig ernst wird es für die beiden Sieger Tobias Schenk und Remo Aus der Au im September 2009, wenn sie die Schweiz an den WorldSkills, der Weltmeisterschaft der jungen Berufsleute, im kanadischen Calgary vertreten. Denn seit die helvetischen Landschaftsgärtner bei den Berufsweltmeisterschaften mitmachen, holten sie drei Mal Gold, ein Mal Silber und ein Mal den vierten Rang. Diese "lederne Medaille" vom Herbst 2007 an den WorldSkills in Japan schmerzt den zurücktretenden WM-Experten Hans Kuster immer noch ein bisschen: "Man wollte die Schweizer einfach mal etwas zurückbinden, und hat es dabei eindeutig übertrieben." Trotzdem möchte Kuster die spannenden und manchmal auch aufregenden WM-Jahre nicht missen: "Ich konnte schöne Erinnerungen mitnehmen und habe sehr viele tolle Leute kennengelernt."
Kusters Stelle als Experte und Coach des designierten WM-Teams übernommen hat Simon Hugi, selber einer der ehemaligen Medaillengewinner (1999 Silber in Montreal). "Wenn man einmal an einer solchen Meisterschaft teilgenommen und Feuer gefangen hat, ist das fast nicht mehr zu löschen", erklärt Hugi sein künftiges Engagement. Er freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Siegerteam und hofft vor allem auch, "in die recht grossen Fussstapfen meines Vorgängers treten zu können".
Marianne Grossenbacher
Grossereignis auf dem Öschberg: 25 Kandidaten und eine Kandidaten traten zum Wettkampf an.
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Die Weltmeisterschaft 2009 in Calgary als nächste Herausforderung für Remo aus der Au (links), Tobias Schenk und Coach Simon Hugi.

Ein hartes Stück Arbeit: Remo aus der Au (links) und Tobias Schenk bewältigten die schwierige Aufgabe am besten.