Das Schweizer Team im Bundeshaus: Mit von der Partie waren auch NR-Präsidentin Christine Egerszegy sowie die Nationalräte Pierre Triponez (vorne) und Jürg Michel (rechts aussen).

 

Am kommenden 14. November beginnen in Japan die 39. Berufsweltmeisterschaften. Die Schweiz wird mit einem 40-köpfigen Team vertreten sein, das sich letzte Woche im und vor dem Bundeshaus den Parlamentariern und der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Die Stiftung Swisscompetence ist zuständig für nationale und internationale Berufswettkämpfe, also auch für WM, die in knapp sechs Wochen  im japanischen Shizuoka über die Bühne geht. Im Vorfeld dieser alle zwei Jahre stattfindenden „WorldSkills Competition“ wird das Schweizer Team in Bern von Swisscompetence traditionellerweise den eidgenössischen Parlamentariern und der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung hiess bezeichnenderweise „Röschti meets Sushi“.

Besuch im Parlament
Im Vormittag konnten die acht Kandidatinnen und 32 Kandidaten das Bundeshaus besuchen. Nach einer Führung wohnten sie auf der Nationalrats-Tribüne der laufenden Session bei. Die Meinungen waren geteilt. Goldschmied David Rust  war recht irritiert: „Ich frage mich, wie bei einem solchen Chaos überhaupt noch Politik gemacht werden kann“. Ganz anders sah es Schweisser Reto Gätzi: „Da war kaum etwas los. Aber wir waren ja nur knapp 30 Minuten da, wobei die meiste Zeit ein langer Vortrag gehalten wurde. Ich denke, dass es auch hektischer sein kann.“

Modeschau und Sumo
Anschliessend wurde das in schmucken Uniformen eingekleidete Team in einem grossen Zelt auf dem Bundesplatz von WM-Delegationsleiterin Christine Davatz willkommen geheissen, worauf der leckere Stehlunch mit Röschti und Sushi eröffnet wurde. Für die offizielle Begrüssung war Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling, Präsident von swisscompetence, besorgt. Darauf folgte eine Modeschau mit den neuen Schweizer Arbeitskleidung. Diese sind, sowohl modern als auch bequem und praktisch. So haben zum Beispiel die Schweisser, die Landschaftsgärtner und die Maurer speziell stabile Schuhe, die trotzdem flexibel sind. Dekorationsmalerin Melanie Egger tanzt aus der Reihe, indem sie anders als ihre Kolleginnen und Kollegen weisse Kleidung trägt; sonst sind die Standard-Shirts, für Männer grau und für Frauen rot. Die Tenüs wurden übrigens von Sponsoren bezahlt, die dafür ihre Logos darauf aufdrucken konnten – allerdings sehr dezent und gar nicht wie etwa die Fussballer oder die Formel1-Fahrer. Nach der Modeschau folgte ein Showkampf im japanischen Ringen, dem Sumo. Da keine Personen aufzufinden waren, welche die nötige titanhafte Sumoringer-Figur hätten, schlüpften – zur Freude aller – zwei Lernende aus dem Inselspital in eine Plastik-Sumoringer-Hülle.

Das Schlusswort übernahm dann Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (siehe weiter unten). Für das Team war damit der grosse Tag aber noch nicht ganz fertig, sie durften noch die Swiss Olympic Association (SOA) in Ittigen besuchen. SOA ist die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände, die olympische und nichtolympische Sportarten vertreten.


Ein Vorgeschmack auf Japan: Sumo-Demonstration sorgte für Heiterkeit im Zelt.


„Zeigen Sie in Japan erneut Ihre Spitzenleistung“

BBT-Direktorin Ursula Renold ist als grosser Fan der Berufswettbewerbe bekannt. So wird sie es sich nicht nehmen lassen, das Schweizer Team in Shizuoka persönlich anzufeuern. Nachfolgend die Rede, die sie am „Japan-Tag“ gehalten hat, im Wortlaut.

In wenigen Wochen beginnt der grosse Wettkampf in Shizuoka. Ich freue mich ausserordentlich, dass Sie – liebe Wettkämpferinnen und Wettkämpfer – sich diesen Berufsweltmeisterschaften stellen. Sie haben bereits im Rahmen der Schweizer Meisterschaften gezeigt, dass Sie die Beste oder der Beste in Ihrem Beruf sind. Es ist damit den verantwortlichen Organisatoren auch diesmal wieder gelungen, ein super qualifiziertes Team zusammenzustellen, das sich diesen November mit Elan den Worldskills in Japan stellen wird.

Sie haben mit diesen Voraussetzungen nicht nur Aussichten, ein paar Medaillen zu gewinnen und die Leistungen der Schweizer Berufsbildung auf internationaler Ebene zu zeigen – nein, ich bin auch überzeugt, dass wir mit Ihnen auch sehr gute Chancen haben, den Nationen-Weltmeistertitel, den die Schweiz an den letzten beiden Weltmeisterschaften erlangte, zu verteidigen. Wir werden Sie begleiten und Sie dabei mit allen möglichen Kräften unterstützen, denn wir wissen Ihren Mut und Ihre Tatkraft sehr zu schätzen.

Die Berufsbildung stellt für die Volkswirtschaft eines der zentralsten Elemente im Bildungssystem dar. Rund 200 000 Jugendliche durchlaufen dieses System. Sie bilden ein wichtiges Rückgrat für die Schweizer Nachwuchskräfte in unserer Wirtschaft. Gegenwärtig verfügen über 90 Prozent der Bevölkerung über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II. Das ist für unsere Gesellschaft von grösster Bedeutung, hängt doch die Arbeitsproduktivität und damit das Wirtschaftswachstum vom Bildungsstand der Bevölkerung ab. Die Berufsbildung führt zu national und international anerkannten Spitzenleistungen, wie dies Ihre Vorgängerinnen und Vorgänger bereits mehrfach bewiesen haben, und das wiederum ist wichtig für die allgemeine gesellschaftliche Anerkennung der Berufsbildung.

Im Namen des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie ermutige ich Sie: Zeigen Sie in Japan erneut Ihre Spitzenleistung; Sie geben anschaulich Einblick in die Faszination Ihres Berufes, Ihres Könnens und damit die Zuversicht, dass sich die Schweiz einmal mehr auf eine Generation von ausgezeichnet ausgebildeten Berufsfachleuten stützen kann. Qualitativ gut ausgebildete Berufsleute sind gerade in der aktuellen konjunkturellen Situation national wie international sehr gesucht. Als Spitzenmann und -frau in Ihrem Beruf sind Sie in der Wirtschaft sehr gefragt. Gewähren Sie Einblick in Ihr Handwerk, Ihren Beruf, um auch die Schülerinnen und Schüler, die vor ihrer Berufswahl stehen, zu motivieren.

Sie, liebe Wettkämpferinnen und Wettkämpfer, sind für viele Jugendliche Vorbilder. Sie – und vor allem Sie – wissen, was der Beruf bietet und mit welcher Begeisterung Sie darin aktiv sind. Sie kennen die neusten Innovationen und Technologien, wie Kreativität im Beruf gelebt wird, und wissen, welches Können Sie gegenüber anderen auszeichnet. Nützen Sie die Gelegenheit, Ihre Erfahrungen an Ihre "Fans" weiter zu geben! Motivieren Sie Schülerinnen und Schüler für den Eintritt in Ihren Beruf, und sichern Sie damit selber Ihre Berufstradition! Sie, liebe Wettkämpferinnen und Wettkämpfer, stehen rund um die Weltmeisterschaften im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Wer aber eine Spitzenleistung erbracht hat, weiss, wem er was zu verdanken hat, nämlich einem umfangreichen Team. Bei den Schweizer- wie bei den Berufsweltmeisterschaften sind es nicht nur die Expertinnen und Experten, Lehrmeisterinnen und Lehrmeister, Lehrpersonen, Unternehmerinnen und Unternehmer, Verbandsverantwortlichen, sondern ebenso die Organisatorinnen und Organisatoren von Swisscompetence, Teamleaders, Mentorinnen und Mentoren, Sponsoren, die Sie als Berufsprofis auf dem Weg zu Ihrer Spitzenleistung begleiten und Sie unterstützen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen, die sich für die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer einsetzen, ganz herzlich danken. Ohne Ihr grosszügiges – oft ideelles – Engagement wäre eine solche Beteiligung nicht möglich. Wir wissen dies sehr zu schätzen, und ich möchte Ihnen im Namen des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie meine persönliche Wertschätzung ausdrücken. Nur wer schon hinter die Kulissen solcher Meisterschaften geblickt hat, der kann erkennen, was wir Ihnen zu verdanken haben. Auch die Teamleistung ist ein typisches Merkmal der Berufsbildung Schweiz, denn ohne verbundpartnerschaftliche Zusammenarbeit würde unser System nicht funktionieren.

Sie sehen also: Die Schweiz ist auf die Berufs-WM in Japan vorbereitet. Ich freue mich, liebe Wettkämpferinnen und Wettkämpfer, Ihnen vor Ort in Shizuoka persönlich die Daumen drücken zu können und Sie anzufeuern. Inzwischen wünsche ich Ihnen und Ihren Teams eine ausgezeichnete und pannenfreie Schlussvorbereitung und alles Gute auf dem Weg nach Japan.


Prominenz in bester Laune (v.l.): Delegationsleiterin Christine Davatz, Swisscompetence Hans Ulrich Stöckling und BBT-Chefin Ursula Renold.


 

„Ich möchte einfach mein Bestes geben“

Eine am „Japan-Tag“ in Bern durchgeführte kleine Umfrage bei drei Schweizer Teammitgliedern zeigt die Unterschiede in Vorbereitung und Zielsetzung.

● Nadine Berger, Bern, Schönheitspflege


Schweizerische  Gewerbezeitung:
Wie sehen Ihre bisherigen Vorbereitungen und die noch folgenden für die Berufsweltmeisterschaften aus?
Ich konnte leider noch nicht so viel Spezifisches trainieren, da wir lange Zeit keine Informationen hatten, welche Aufgaben es geben wird. Deshalb hatte ich nur wenige Trainingseinheiten absolviert. Nun ist der Trainingsplan aber fertig und ich kann mich voll auf das Training konzentrieren. Ich übe zurzeit einen Tag pro Woche, an den restlichen Tagen arbeite ich wie gewohnt im Betrieb.

Können Sie sich bereits auf die World Skills freuen oder sind Sie dafür noch zu sehr in die Vorbereitungen vertieft?
Es ist für mich etwas stressig, da ich einerseits packen und gleichzeitig arbeiten muss. Nun ist noch das Training dazu gekommen, welches meine volle Konzentration einnimmt. Aber trotz aller Anstrengungen bleibt immer noch genügend Zeit für die Vorfreude.

 

Reto Gätzi, Urnäsch, Schweisser


Wie sieht Ihre Vorbereitung für Japan aus?
Ich absolviere das Training blockweise. Ich habe bereits viermal je eine Woche lang durchtrainiert und danach arbeitete ich wieder normal im Betrieb. So wird dies bis zur Abreise nach Japan auch weitergehen. Dazu kamen noch die verschiedenen Team-Weekends, an denen alle Schweizer WM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Teambildungstraining absolviert haben. Dies schweisste uns zusammen und wir werden in Japan als eine Einheit auftreten.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich gesteckt?
Von mir wird nicht so viel erwartet wie von meinen Teamkollegen, da es bisher noch kein Schweizer Schweisser auf den ersten Platz geschafft hat. Darüber bin ich sehr froh, denn dann ist der Druck nicht so gross und ich kann lockerer an die Aufgaben treten. Mein persönliches Ziel ist es, ein Diplom nach Hause zu holen. Das Diplom richtet sich nicht nach Rang, sondern nach Punkten – es würde zeigen, dass ich gut bin. Wenn im Wettbewerb alles gut läuft, könnte sich mein Ziel noch ändern, aber dies sehe ich dann vor Ort, denn ein Podestplatz wäre natürlich toll.

Können Sie sich bereits jetzt auf die World Skills freuen?
Natürlich freue ich mich schon jetzt. Ich denke es wird sicher interessant sein in Japan, schon nur die komplett andere Kultur. Auch auf den Wettbewerb freue ich mich sehr, da ich einfach mein Bestes geben kann und keinen Erwartungsdruck im Rücken habe.

 


● Manuela Aebischer, Riedstätt, Konditorin


Wie haben Sie sich vorbereitet?
Unsere Hauptaufgaben sind schon lange bekannt, deshalb konnte ich früh beginnen. Bereits im Januar begann ich mit Zuckerziehen. Das ist eine Tätigkeit, die ich bei uns in der Bäckerei selten ausübe. Deshalb besuchte ich einen speziellen Kurs. Zwischendurch traf ich mich immer wieder mit meinen Coach und Experten Werner Rüegsegger. Seit kurzem ist das Training noch intensiver und gezielter, weil ich ausschliesslich in seinem Geschäft arbeite.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte einfach mein Bestes geben und am Schluss mit meiner Leistung zufrieden sein können. Welcher Rang dabei, herausschaut, wird sich zeigen. Selbstverständlich hoffe ich auf ein möglichst gutes Abschneiden.

 


Modeschau auf dem Bundesplatz: Malerin Melanie Egger und Maurer Stefan Brunner zeigten ihre Berufskleidung auf dem Laufsteg.