Schuhhändlerverband ehrt seinen Nachwuchs


Die besten Lehrabgängerinnen 2007 im Schuhdetailhandel.



25 Schuhlöffel verliehen

Der Schweizerische Schuhhändlerverband (SSV) pflegt sich bereits seit 15 Jahren bei den besten Absolventinnen und Absolventen der Lahrabschlussprüfung mit einem speziellen Event zu bedanken.

Dieses Jahr begrüsste SSV-Präsident Dieter Spiess den hervorragenden Nachwuchs, deren Lehrpersonen sowie Partner und Eltern im Zoo Zürich. Dabei durfte die kurze Führung durch die Masoala-Halle genauso wenig fehlen wie das hervorragende Essen im Anschluss.

Frauen an der Spitze
Dieses Jahr haben 163 Lernende ihre Abschlussprüfung als Detailhandelsassistentin (DHA) bzw. als Detailhandelsangestellte (DH) in Angriff genommen. Davon sind 25 Absolventinnen (14 DH und 11 DHA) in die Ränge der speziell zu Ehrenden gekommen. Um in die Ränge zu kommen wird ein Gesamtdurchschnitt aller Prüfungen von 5,3 und besser verlangt. Kein einziger Mann erreichte in diesem Jahr ein solches Ergebnis.


Die neue Grundbildung
Dieses Jahr wurden erstmals Absolventinnen nach der neuen Grundbildung ausgebildet. Diese reformierte Grundbildung zur Detailhandelsassistentin legt nun den gleichen Wert sowohl auf schulische als auch auf betriebliche Leistungen. Im kommenden Jahr werden auch erstmals Detailhandelsangestellte nach der neuen Grundbildung abschliessen. Max Blattner, Präsident der Berufsbildungskommission, glaubt, dass die ersten Absolventinnen, welche nach der neuen Grundbildung abschliessen, etwas besser abschneiden werden als ihre Vorgängerinnen, welche ihre Ausbildung noch nach dem alten System absolviert haben. Der Grund sei, dass bei einer Änderung der Schwerpunkte der Abschlussprüfungen die Experten etwas vorsichtiger seien und die Prüfungen entsprechend etwas „einfacher“ gestalten würden. Das werde sich allerdings ändern, sobald sich diese Annahme bestätigt habe. Sowohl Max Blattner als auch Dieter Spiess sind überzeugt, dass die neue Grundbildung ein grosser Erfolg ist und sind mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. Es müssten nur noch einige kleinere Details korrigiert werden.

Gleich zwei Schweizermeisterinnen
Bei den Detailhandelsassistentinnen gab es gleich einen doppelten Grund zum Feiern, denn mit Sabrina Bühler und Zejnepe Alili erreichten gleich zwei Absolventinnen eine Gesamtnote von 5,6, welche dieses Jahr bei den Detailhandelsassistentinnen die höchste war. Interessant daran ist, dass beide ihre Ausbildung bei der „Bata Schuh AG“ absolviert haben. Entsprechend gross war die Freude bei Birgit Flückiger, Training Manager bei Bata und Ausbildungsverantwortliche der beiden Schweizermeisterinnen.
Bei den Detailhandelsangestellten konnte die Schweizermeisterin Tamara Gassner (5,8) leider nicht gekürt werden, da diese an der Verleihung nicht teilnehmen konnte.

Zukunft nicht verbauen
Max Blattner und Dieter Spiess sind der Meinung, dass bei den Absolventinnen jetzt keine Selbstzufriedenheit herrschen dürfte, denn wenn diese nun keine Weiterbildungen machen, werden sie sich “in eine Sackgasse reiten“. Dieser Ansicht sind auch die beiden besten Detailhandelsassistentinnen 2007. Sie setzen diese Worte gleich in die Tat um, denn die beiden sind bereits an der Ausbildung zur Detailhandelsangestellten. Diese dauert „nur“ noch zwei Jahre, da sowohl Zejnepe Alili als auch Sabrina Bühler bereits ein fundiertes Grundwissen dafür besitzen.

Der Unterschied der Berufe
Die beiden Berufe Detailhandelsangestellte und Detailhandelsassistentin können folgendermassen unterschieden werden:

Detailhandelsangestellte
Die Lernenden absolvieren eine 3-jährige Ausbildung (noch) nach der alten Grundbildung, welche bei einem erfolgreichen Abschluss mit dem eidg. Fähigkeitszeugnis bestätigt wird. Wenn die Absolventinnen einen Gesamtschnitt von mindestens 5,3 erreichen, werden diese mit dem „Goldenen Schuhlöffel“ geehrt. Ab nächstem Jahr schliessen auch die Detailhandelsangestellten nach der neuen Grundbildung ab.

Detailhandelsassistentin
Die Lernenden absolvieren eine 2-jährige Ausbildung nach der neuen Grundbildung und erhalten am Ende ein Attest. Wenn die Absolventinnen im Gesamtschnitt nach den Abschlussprüfungen einen Gesamtschnitt von mindestens 5,3 erreichen, werden sie mit einem „Silbernen Schuhlöffel“ geehrt.


Rangliste

Goldener Schuhlöffel
1. Note 5.8:     Gassner Tamara, Pasito-Fricker AG, Zürich

2. Note 5.6:     Schnyder Sabrina, Schuhe Stirnimann, Neuenkirch

3. Note 5.5:      Römer Patricia, Schuhaus Walder AG, Meilen
                        Portmann Priska, Stirnimann Schuh AG, Wolhusen
                        Mathys Stéphanie, Karl Vögele AG, St. Imier

6. Note 5.4:     Tenkova Meri, Chaussures MAURI & Cie. SA, Morges
                       Schriber Monika, Karl Vögele AG, Zug
                       Lustenberger Flavia, Dosenbach-Ochsner AG, Spreitenbach
                       Hermann Hélène, Karl Vögele AG, Lausanne

10. Note 5.3:  Steffen Sara, Schuhaus Kreuzplatz, Schüpfheim
                       Rothermann Maya, Dansko-Helvesko, Fribourg
                       Neziri Vlora, Schuhaus Emch, Deitingen
                       Dick Bettina, Schwab Schuhe, Kerzers
                       Bojanic Dijana, Karl Vögele AG, Kriens

Silberner Schuhlöffel
1. Note 5.6:     Bühler Sabrina, Bata Schuh AG, Luzern
                        Alili Zejnepe, Bata Schuh AG, Zürich

3. Note 5.5:     Zürcher Xenia, Karl Vögele AG, Burgdorf
                       Tramontana Cheryl, Pasito-Fricker, Zürich

5. Note 5.4:     Wiedmer Andrea, Karl Vögele AG, Worb
 
                      Moser Tina, Pasito-Fricker AG, Basel
                       Krasniqui Albane, Tschümperlin & Co. AG, Luzern

8. Note 5.3:     Bakija-Memedi Dashmire, Karl Vögele AG, Biel
                        Hodzic Dzeneta, Karl Vögele AG, Widnau
                        Gempeler Malarie, Karl Vögele AG, Heimberg
                        Brünisholz Sandra, Karl Vögele AG, Fribourg


 


Die beiden Schweizermeisterinnen: Sabrina Bühler (l.) und Zejnepe Alili (r.) wurden besonders geehrt.




Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis: Präsident Berufsbildungs-kommission Max Blattner (l.) und SSV-Präsident Dieter Spiess (r.).

Metallbauer Michael Schafflützel bereitet sich intensiv auf die Berufs-WM

 
WM-Kandidat Michael Schafflützel: „Ich freue mich schon sehr auf den Wettkampf und die Herausforderung.“

Im kommenden November werden in Japan die Berufsweltmeisterschaften 2007 stattfinden. Das Schweizer Team bereitet sich auf Hochtouren. So auch der Metallbauer Michael Schafflützel, wie eine Zwischenbilanz zeigt.

Wie doch die Zeit vergeht! Schon zehn Monate sind ins Land gezogen, seit der Toggenburger Michael Schafflützel an der GEHLA 2006 in Chur den Titel des Schweizer Meisters im Metallbau gewonnen hat. Nun steht in weniger als vier Monaten die Bewährung an: Der junge Berufsmann  wird den Schweizer Metallbau an den Internationalen Berufsweltmeisterschaften, den WorldSkills, in Japan vertreten. Schon vor einiger Zeit haben die Vorbereitungen auf den Wettkampf gewonnen, seit Juli 2007 wird intensiv trainiert.

Grosse Herausforderung
Michael Schafflützel erinnert sich gerne an den Wettkampf in Chur. Sein Leben habe sich,  stellt er im Gespräch fest, seither aber nicht gross verändert. Natürlich ist er jetzt in Metallbauerkreisen ein ziemlich bekannter Mann. Darüber freut er sich und er sieht darin eine Chance: „Selbstverständlich werde ich jetzt scharf beobachtet. Und wenn ich in Japan einen Spitzenplatz erobere, wird dies meiner beruflichen Karriere bestimmt förderlich sein“. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg. Die Herausforderung ist sehr gross. Es gilt, sich der gesamten Weltelite zu stellen und sich dort zu behaupten. Zudem ist der Erwartungsdruck hoch. Und schliesslich muss der Metallbauer im Beruf „Stahlbauschlosser starten. Da sind auch Fähigkeiten gefragt, welche der Schweizer Metallbauer in seinem beruflichen Alltag nur selten antrifft. Michael Schafflützel ist sich dessen sehr wohl bewusst, aber er lässt sich (noch) nicht aus der Ruhe bringen „Ja, vor den Mitbewerbern habe ich Respekt, aber nicht Angst“, so der Ostschweizer, „und ich freue mich schon sehr auf den Wettkampf und die Herausforderung“.
In insgesamt sechs Trainingswochen bereitet sich der 20-Jährige auf den Wettkampf vor. Angeleitet, unterstützt und gefördert wird er dabei von Roger Müller. Der Aargauer hat 2002 in Seoul selber an den WorldSkills teilgenommen und einen prächtigen dritten Platz errungen. Als Nachfolger von Peter Mathis wird er dieses Jahr als Experte nach Japan reisen. Michael Schafflützel wird von den Wettkampferfahrungen Müllers stark profitieren können. Das Trainingsprogramm ist umfangreich. In ihm werden die spezifischen Anforderungen geschult, welche an den WorldSkills gestellt werden. Der Schweizer muss sich mit Stahlbauschlossern messen. Diese haben teilweise andere Verarbeitungstechniken und arbeiten in der Regel mit dickeren Metallplatten als unsere Metallbauer. In einer ersten Trainingswoche wurde deshalb vor allem das Brennschneiden geübt und der Umgang mit dicken Metallplatten. In der zweiten Trainingswoche hiess das Schwerpunkthema „Abkanten in allen Variationen und Bedienen der CNC-Steuerung“. Anfangs August wurde schliesslich die Wettbewerbsarbeit von der Organisation WorldSkills in ihren Grundzügen bekannt gegeben. In den restlichenTrainingswochen wird nun ganz gezielt geübt.

Ohne Hilfe geht nichts
Ohne Freiwilligenarbeit und bedeutende finanzielle Mittel ist keine erfolgversprechende Teilnahme an den WorldSkills möglich. So unterstützt der Arbeitgeber von Michael Schafflützel, die Firma Büsser Metallbau in Mosnang ihren jungen Angestellten sehr und stellt ihm für die Vorbereitung viel Zeit zur Verfügung. Auch für Roger Müller wäre dieser Einsatz ohne weitgehende Zugeständnisse des Arbeitgebers, Gurtner Metallbau in Buchs/AG, nicht möglich. Die Firma stellt ihre Einrichtungen für die Trainings zur Verfügung und lässt zu, dass Roger Müller seine Arbeit stark nach den Bedürfnissen der Wettkampfvorbereitungen ausrichtet. Er selber opfert den allergrössten Teil seiner Freizeit für dieses Projekt. „Ich tue dies im Dienst unseres Nachwuchses. Wir brauchen neue Berufsleute mit Begeisterung für unseren Job. Sie sind Grundlage für unseren Erfolg“, ist Müller überzeugt. Nebst der Vorbereitung des Kandidaten besucht Roger Müller spezielle, von der Organisation Swisscompetence organisierte und durchgeführte mehrtägige Trainingseinheiten für Experten. Die Experten aus den verschiedenen Berufen lernen sich dort besser kennen, befassen sich intensiv mit dem an den WorldSkills angewendeten Bewertungssystemen, bereiten sich persönlich auf den Einsatz am Wettbewerb vor und üben den Auftritt vor den Medien ein. Und schliesslich trägt der Berufsverband und seine Mitglieder, die Schweizerische Metall-Union, das Vorhaben wesentlich mit. Die SMU trägt die Verantwortung und stellt in grossem Umfang personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung.

Mentale Vorbereitung
Der ganz grosse Erfolg an den Berufsweltmeisterschaften hängt nicht nur vom beruflichen Können des  jungen Berufsmannes ab, sondern weitgehend auch von seiner mentalen Fitness. Aus diesem Grund bestreiten die 40 Schweizer WM-Teilnehmenden zusammen mit den Experten insgesamt drei Teamwochenenden. Diese dienen vorab der psychologischen Vorbereitung auf die Wettkämpfe, doch sie sollen auch die Angst vor dem unbekannten Gastland Japan nehmen. Die Teilnehmer erlernen den Umgang mit Stress, trainieren die Konzentrationsfähigkeit unter erschwerten Bedingungen und üben sogar den dem Umgang mit den Medien. „Da lernt man etwas fürs Leben“, lobt Michael Schafflützel das Trainingsprogramm, „und man lernt seine eigenen Grenzen kennen und auch weiter stecken“.

Stets Spitzenränge
Seit 1999 nehmen Schweizer Metallbauer an den Berufsweltmeisterschaften  im Fach Stahlbauschlosser teil.. Viele Arbeitsmethoden und -mittel sind dabei für die Schweizer ungewohnt. Trotz dieser Erschwernis haben sich  die Schweizer Metallbauer  bisher immer sehr gut platziert: 1999 gab es in Montreal für Ivan Hänni Bronze; Roger Müller tat es ihm 2001 in Seoul gleich. Reto Schweizer blieb 2003 in St. Gallen den undankbaren vierten Rang, und Daniel Blum holte sich 2005 in Helsinki gar die Silbermedaille.


SMU arbeitet mit Futura TV zusammen
„Tue Gutes und sprich darüber“ – getreu diesem Motto bestreitet die SMU in der Medienarbeit einen neuen Weg und arbeitet eng mit dem Fernsehmagazin FuturaTV zusammen. Dabei handelt es sich um eine Sendung für Bildung und Beruf, die auf den Privatsendern Tele Züri, Tele Tell, Tele Top, TSO, TVO, Tele Basel, Tele Bärn und Tele M1 wöchentlich ausgestrahlt wird. Diese neuartige Kooperation ist umso wichtiger, als das SRG-Fernsehen die Berufs-WM bisher stets arg vernachlässigt hat. Metallbauer Michael Schafflützel und sein Coach/Experte Roger Müller stehen in allen Sendungen stellvertretend für das WM-Team im Zentrum der Berichterstattung. Vorgesehen sind die folgenden Beiträge:
Das erste Treffen: Der erste Zusammenzug der WM-Delegation. Im Fokus die SMU-Teilnehmer Michael Schafflützel und Roger Müller. Aufnahmen im Mai 2007.
Das Training: Die Story gliedert sich in drei Teile: Ein Blick auf die bisher wichtigsten Arbeiten von Michael Schafflützel in Form eines Sightseeings im „SMU Mini“, der Stolz seines Lehrmeisters Ernst Büsser und das Training mit Roger Müller. Aufnahmen im Juli 2007.
Count down: In Morges findet am 8. September das dritte Swisscompetence-Teammeeting statt, und am 26. September wird die Equipe während der Herbstsession im Bundeshaus empfangen. An beiden Anlässen wird der Reporter Michael Schafflützel begleiten.
Vor dem Wettbewerb: In diesem Beitrag wird die Periode zwischen der Abreise nach Japan am 12. November und dem Beginn des Wettbewerbs am 15. November festgehalten.
Das Finale: Hier wird über die Periode zwischen der Eröffnung des Wettbewerbs, das Finale bis zum Einstieg in das Flugzeug für die Rückreise am 22. November berichtet.
Long SMS from Japan: Zwischen dem 12. und dem 22. November wird der Futura-TV-Reporter täglich Berichte verfassen, die als „Long SMS from Japan“ auf der Webseite des SMU publiziert werden.

 
Er hat selbst 2001 eine WM-Medaille erkämpft: Experte und Coach Roger Müller.


Beste Öffentlichkeitsarbeit: Reporter Rico Just und Kameramann Tibor Boros von Futura TV befragen Experte Roger Müller (rechts) über die Vorbereitungsarbeiten.

Floristin Sabrina Kradolfer vor der Berufs-WM in Japan


Sabrina Kradolfer freut sich auf die WM: „Für mich ist die tägliche Arbeit im Geschäft die beste Vorbereitung.“

 In zweieinhalb Monaten beginnen in Japan die Berufsweltmeisterschaften 2007. Die Thurgauerin Sabrina Kradolfer will in Shizuoka versuchen, eine „schöne Medaille“ zu erobern

Seit zehn Jahren sind die Schweizer Floristinnen und Floristen an der Berufs-WM mit von der Partie und erreichen stets hervorragende Resultate. Beatrix Chopard erkämpfte sich 1997 in St. Gallen die Silbermedaille, Béatrice Spahni wurde 1999 in Montreal Vierte, 2001 holte Esther Bürgin in Seoul Silber, 2003 gab es den Höhepunkt mit Gold für Philipp von Arx, und 2005 reichte es Flavia Scussel nach viel Pech „nur“ zu einem Ehrendiplom.

Erfolg am Eurofleur
Damit ist klar, dass Sabrina Kradolfer gehörig unter hohem Erwartungsdruck steht. „Mir macht das nicht aus, ich setze mich ja selbst unter Druck“, sagt die fast zerbrechlich wirkende 21-Jährige, die sich die WM-Qualifikation dank ihrem Sieg am Jungflor-Cup 2006 gesichert hat. Allerdings hat sie erst im März dieses Jahres definitiv erfahren, dass sie nach Japan fahren darf. Lange sah es nicht danach aus, weil der Schweizerische Floristenverband, den sie vertritt, finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Dank einem Sondereffort und der Hilfe des Sponsors Schnittflor AG konnte die „Mission Japan“ jedoch gesichert werden. Zuvor hat die im thurgauischen Donzhausen wohnhafte Berufsfrau aber bewiesen, dass sie über viel Können, Talent und Nervenstärke verfügt: Sie belegte am Eurofleur 2006 in Holland den hervorragenden vierten Platz. Diese Leistung ist um so wertvoller, als die Altersgrenze an diesem renommierten Wettbewerb 25 Jahre beträgt; an den Berufs-WM ist sie bei 22 Jahren angesetzt.

Tipps von Arbeitskollegin
Gezielt trainieren kann sie für Shizuoka nicht, denn im Gegensatz zu den meisten anderen WM-Berufen werden die Wettbewerbsaufgaben erst kurz vor dem Wettkampf bekannt gegeben. So bleibt ihr nichts anderes als an der Technik zu feilen und sich Inspirationen durch die Lektüre internationaler Fachzeitschriften zu holen. „Für mich ist die tägliche Arbeit im Geschäft die beste Vorbereitung, auch wenn die Wettkampf-Floristik etwas ganz anderes ist“, betont Kradolfer. Und da in diesemGeschäft in Bazenheid SG auch Esther Bürgin, der Silbermedaillegewinnerin von 2001, arbeitet, mangelt es nicht an wertvollen Tipps. „Esther weiss genau, worauf es an der WM ankommt. Es braucht nicht nur berufliches Können, sondern auch Nervenstärke und Durchsetzungsvermögen.“ Deshalb hat es die Kandidatin im WM-Beruf Nr. 28 sehr geschätzt, dass sie während der Teamvorbereitung gelernt hat, ihre persönlichen Grenzen zu überwinden. Im Rahmen des Seminars „no limits“ musste sie sogar über Scherben und glühende Kohle laufen. Sie hat es – trotz einiger (geheimen) Ängste geschafft. „Alle Teammitglieder haben mitgemacht, da konnte ich nicht abseits stehen.“ Apropos Team: Das Zusammenwachsen der 33 Männer und sieben Frauen zu einer Mannschaft hat Sabrina Kradolfer als eine „Supererfahrung“ empfunden. Ihre Zimmergenossin ist übrigens die Gastronomiefachassistentin Julia Scussel, die Schwester von Flavia, die als Floristin 2005 in Helsinki dabei war.

Harte Konkurrenz
Einen leichten Stand wird Sabrina Kradolfer in Japan nicht haben. Das Teilnehmerfeld ist mit 17 Ländern so gross wie noch nie (zum Vergleich: 1997 machten bloss neun Kandidatinnen und Kandidaten mit). Die grösste Konkurrenz ortet die Thurgauerin in Skandinavien: „Schweden und Finnland sind immer sehr stark, aber auch die Asiaten sind immer gefährlich. Vor allem die Japaner wollen im eigenen Land reüssieren.“ Sie rechnet sich dennoch gute Chancen aus, und setzt sich selbstbewusst eine „schöne Medaille“ als Ziel. Sie zögert jedoch, wenn sie die Frage beantworten soll, ob sie sich seit dem Sieg am  Jungflor-Cup im Februar 2006 verändert hat. Dann bejaht sie: „Reifer bin nicht eigentlich geworden, aber irgendwie nüchterner, selbstbewusster, cooler. Ich kann jetzt viel besser zielgerichtet arbeiten als früher.“

Probleme mit der Wertung
Unterstützt wird Sabrina Kradolfer durch Adrien Hertig. Der 42-Jährige ist seit 1997 dabei, seit 2001 amtiert er als Chefexperte. Er soll in dieser Funktion sicherstellen, dass es bei der Aufgabestellung und insbesondere bei der Bewertung fair zugeht. „In unserem Fach erfolgt die Beurteilung im Gegensatz zu anderen Berufen völlig subjektiv, entsprechend können die Noten weit auseinanderklaffen. Ein Problem ist auch die Qualität der Experten, die oft Funktionäre und nicht ausgebildete Berufsleute sind.“ Der Freiburger möchte denn auch das Notensystem ändern, um die grossen Differenzen abzumildern. In Japan erwartet der Freiburger keine besonderen Probleme. Einzig bei der Infrastruktur sei ein aufmerksames Auge nötig. Man müsse zum Beispiel schauen, dass die Arbeitstische für die meist grösseren europäischen Teilnehmenden nicht zu niedrig sind. Bezüglich der Chancen für Sabrina Kradolfer hält sich Hertig bedeckt: „Die Erfolge unserer Leute an früheren Berufs-WM waren kein Zufall. Die Schweizer Floristinnen und Floristen sind hervorragend ausgebildet und gehören deshalb zur Weltspitze.“

Auf der Zielgeraden
Der WM-Countdown hat für die Schweizer Equipe nun ernsthaft begonnen. Am 8./9. September findet das dritte und letzte Teamwochenende in Morges statt. Schwerpunkte werden auch hier wieder Teambildung und Mentaltraining sein; ausserdem gibt es umfassende Information über das Gastgeberland Japan. Am 26. September wird das Team im Bundeshaus von den eidgenössischen Parlamentariern empfangen. Am 7. November wird Richtung Japan gestartet, der eigentliche Wettkampf beginnt eine Woche später. Am 21. November wird Sabrina Kradolfer erfahren, ob sie eine Medaille gewonnen hat und wie schön diese ist.


Sie reisen voll Zuversicht nach Japan: Sabrina Kradolfer und Experte Adrien Hertig.


Da brauchte es viel Mut: Sabrina Kradolfer beim Scherbenlauf.