07. Mai 2007
Beat Schläppi und René Bless werden im Schreinerberuf an der WM im japanischen Shizuoka um Medaillen kämpfen. Sie hatten in einem am Ende dramatischen Wettkampf die besten Nerven.
Die Meisterschaften, die vor grosser Publikumskulisse an der LUGA 2007 in Luzern ausgetragen wurden, waren der glanzvolle Schlusspunkt einer Serie von Wettkämpfen. Ende 2005 stiegen 582 Kandidatinnen und Kandidaten in die Qualifikation ein. Nach den Sektions- und Regionalmeisterschaften wurde im November 2006 aus den besten acht Teilnehmern die Nationalmannschaft gebildet. Diese trug danach fünf Qualifikationswettkämpfe, bevor es zum grossen Finale in Luzern kam. Im Zwischenklassement konnte sich ein Trio deutlich absetzen: Pirmin Egli und Beat Schläppi hatten je 36 Punkte, René Bless folgte mit 32 Punkte als Dritter, während Pascal Huber und Nicolas Gloor mit 22 bzw. 19 Punkte relativ weit zurücklagen.
Die Nerven flatterten
Allgemein wurde erwartet, dass sich Pirmin Egli eine der beiden WM-Fahrkarten holt. Doch im Finish versagten dem St. Galler die Nerven: „Ich war plötzlich irgendwie blockiert und machte in beiden Wettkämpfen schon am Anfang grobe Fehler“, meinte der Wolfertswiler. Aufs Podest hat es immerhin gereicht – wie übrigens schon vor zwei Jahren, als Egli Bronze gewann. Der passionierte Armbrustschütze nahm die Niederlage sportlich: „Meine Kollegen waren besser und fahren deshalb nach Japan, ich habe meine Chance selber vergeigt.“ Mit den Nerven hatte allerdings auch Bauschreiner-Gewinner René Bless zu kämpfen: „Ich hatte die ganze Zeit ein gewaltiges Bauchkribbeln und entsprechen einige Böcke drin. Am Schluss hatte ich wohl mehr Glück als Pirmin. Mir der sprichwörtlichen Berner Oberländer Ruhe absolviert Beat Schläppi den Wettkampf: „Ich wusste, dass ich im Möbelschreinern gute Chance hatte und konnte deshalb ruhig konzentriert arbeiten.“ Einig waren alle drei, dass der Wettbewerb war ganz schön hart war, 32 Stunden Arbeit innerhalb von nur sechs Tagen sei eben keine Kleinigkeit.
Hohes Niveau
Die Verantwortlichen waren mit dem Niveau der Schweizer Meisterschaft sehr zufrieden. „Die vielen Selektionswettkämpfe machten sich eindeutig bemerkbar. Die Besten waren eindeutig weiter als dies an der letzten Meisterschaft der Fall war“, meinte Roger Huwyler, der internationale Experte im Bauschreinerberuf. Die grössten Fortschritte seien im mentalen Bereich gemacht worden, befand sein Möbelschreiner-Kollege Patrick Bregenzer. Man könne jetzt die Profile der beiden WM-Teilnehmer sehr genau, ihre Potenziale sowie Stärken und Schwächen. „Wir können die Vorbereitung für Shizuoka ganz gezielt angehen“, betonte Bregenzer. Bezüglich Erfolgschancen wollten sich die Experten nicht festlegen. „Die beiden Kandidaten sind zweifellos zu ausserordentlichen Leistungen fähig. Wenn sie diese abrufen können, haben sie Medaillenchancen. Aber es kommt natürlich auf die Konkurrenz an.“
Hoffen auf Medaillen
Die Siegerehrung auf der grossen Luga-Bühne war ein würdiger Abschluss der Meisterschaften 2007. Nationalrat Ruedi Lustenberger, Zentralpräsident des Verbandes schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM), würdigte in seiner Ansprache die grosse Leistung der acht Berufsleute. Er zeigte sich zuversichtlich, dass René Bless und Beat Schläppi an die Leistungen ihrer Vorgänger anknüpfen können, die 2005 in Helsinki Gold (Möbelschreiner Jonas Buff) und Bronze (Bauschreiner Reto Welz) geholt hatten. Lustenberger zeigte sich auch stolz über die hochprofessionelle Organisation der breit abgestützten Meisterschaften. „Es gibt wohl keinen verband, der nationale Wettkämpfe durchführt, an denen fast 800 Junge teilnehmen.“
„Die Perle pflegen“
Ein weiterer prominenter Gast war Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Sie bezeichnete die Berufsbildung als „die wertvollste Perle der schweizerischen Volkswirtschaft“. Es gelte aber auch, diese Perle zu pflegen und ungeniert im Schaufenster zu zeigen. Die Schreinermeisterschaft an der LUGA sei ein Idealfall: „Was gibt es Schöneres, als Spitzen am Werk zu sehen?“, meinte Renold. Sie erachtet die Spitzenleistungen in Berufswettbewerben als „enorm wichtig“ weil sie für andere Jugendliche einen Ansporn darstellen. Einen Wunsch hat die BBT-Chefin: „Es wäre schön, wenn das Schweizer Fernsehen endlich die Berufswettbewerbe thematisieren könnte und von der WM in Japan ausführlich berichten würde.“
Ranglisten
Schweizer Meisterschaft der Möbelschreiner
1. Beat Schläppi, Guttannen BE (Lehrbetrieb: Rufibach + Schläppi AG, Guttannen) 49 Punkte
2. René Bless, Flums SG (Eberle & Senti AG, Flumsberg-Saxli) 44
3. Pirmin Egli, Wolfertswil SG (Inauen Markus AG, Degersheim) 41
4. Nicolas Gloor, Blonay VD (Loutan SA, Vevey) 33
5. Pascal Huber, Herisau (Erich Keller AG, Sulgen) und Urs Schurtenberger, Tavannes BE(Gerber et Bögli SA, Tavannes) je 25,5
7. Alain Dupasquier, La Tour-de-Trême FR (Clerc Michel et Fils SA, Broc) 17.5
8. Thomas Gemperle, Will SG (Fust Schreinerei, Wil) 13.5.
Schweizer Meisterschaft der Massivholzschreiner
1. René Bless, 48 Punkte
2. Pirmin Egli, 45
3. Beat Schläppi, 41
4. Pascal Huber, 33,5
5. Urs Schurtenberger, 25,5
6. Nicolas Gloor, 25
7. Alain Dupasquier, 17,5
8. Thomas Gemperle, 13,5

BBT-CHefin Ursula Renold liess es sich nicht nehmen, die Sieger persönlich zu ehren (v.l.): Pirmin Egli, René Bless und Beat Schläppi.

René Bless

Beat Schläppi

Pirmin Egli

Nicolas Gloor

Pascal Huber

Urs Schurtenberger

Alain Dupasquier

Thomas Gemperle

Ein zu Recht stolzer Verbandspräsident: Nationalrat Ruedi Lustenberger mit Beat Schläppi (rechts) und René Bless.

Er hofft auf Medaillen in Japan: VSSM-Präsident und Nationalrat Ruedi Lustenberger.

Für Ursula Renold ist die Berufbildung eine "Perle".

FRM-Direktor Daniel Vaucher überbrachte die Glückwünsche der welschen Schwesterorganisation.

VSSM-Direktorin Evi Staubli (hier mit den Experten Roger Huwyler und Patrick Bregenzer) freute sich über den reibungslosen Ablauf der Meisterschaften.

Sie werden die Möbelschreiner in Japan repräsentieren: Patrick Bregenzer und Beat Schläppi.

Auf ihen ruhen die Hoffnungen der Bauschreiner: René Bless und Roger Huwyler.

Gemeinsame Freude: Beat Schläppi mit seiner Mutter.