Zum ersten Mal in der Geschichte der Barista-Meisterschaften gewann eine Frau den begehrten Schweizermeistertitel. Die Thunerin Anna Käppeli setzte sich beim Wettkampf in Bern gegen drei Konkurrentinnen und neun Konkurrenten durch. Die Bereichsleiterin Gastronomie bei der Beck Glatz Confiseur AG in Bern wird die Schweiz in Tokio an den Weltmeisterschaften vertreten.

 

Das anspruchsvolle Programm der Titelkämpfe umfasste die perfekte Zubereitung von je vier identischen Espressi, Capuccini und Eigenkreationen auf Espresso-Bais innerhalb von 15 Minuten. Bewertungskriterien waren Geschmack, Aussehen und optische Präsentation der Getränke, technische Handhabung der Maschinen und das Auftreten der Baristas. Nachfolgend ein Interview mit der engagierten Berufsfrau.

Was hat Sie zur Teilnahme an der Schweizermeisterschaft motiviert?
Anna Käppeli: Nachdem ich letztes Jahr Vierte geworden bin, wollte ich es erneut versuchen. Ich war voll konzentriert und konnte die trainierte Leistung abrufen. Im Vordergrund stand die Freude am Produkt Kaffee. Allein die Vorbereitung beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung, bei der man immer mehr über diese faszinierende Welt lernt, die von der Plantage im Ursprungsland bis zum Service im Cafe reicht.

Sie dürfen die Schweiz Ende Juli an den Weltmeisterschaften in Tokio vertreten. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Mein Ziel ist, auch; in einem fremden Land die bestmögliche Leistung erbringen zu können. Der Rang ist eher Nebensache. Bei mir zu Hause wurde im Keller die WM-Kaffeemaschine „La Marzocco“ installiert, auf der ich gezielt trainieren kann. Mit Unterstützung durch einen breiten Betreuerstab und Sponsoren bereite ich mich optimal vor.

Kommt Ihr Können als Barista auch' im Alltag zum Tragen?
Mir liegt viel daran, mein erworbenes Wissen möglichst breit anzuwenden, obwohl es in der schnelllebigen Praxis mit vorab eiligen Kunden vor allem möglichst rasch gehen muss. Ein Bäckerei-Konditorei-Confiserie-Café ist für die Zelebrierung der Barista-Kunst gut geeignet. Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Weitervermittlung meines Könnens durch Schulung der Mitarbeitenden.

Welches ist Ihre bevorzugte Kaffeespezialität?
Das variiert je nach Tageszeit und Stimmung – vom Milchkaffee über den Espresso, Capuccino und Mocca liebe ich jeden Kaffee, der gerade passt.

Was sind die wichtigsten Kriterien für die perfekte Zubereitung?
Es beginnt bei der guten Qualität der Bohnen über die frische und richtige Röstung bis zur Wahl der richtigen Espressotasse. Der Barista muss seine Arbeit an der Mühle und der Maschine verstehen und den Gästen seine Kunst und seinen Charme rüberbringen können.

Wie setzt sich ein optimales Kaffeesortiment zusammen?
Es sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein, also verschiedene Bohnensorten und Mischungen. Auch Mixgetränke mit Caramel, Schokolade, Honig usw. sowie saisonale Kaffeespezialitäten sind empfehlenswert.

Was sind die wichtigsten Qualitätsvoraussetzungen?
Von der richtigen Einstellung der Maschine bis zur Zubereitung mit Herz und Kopf müssen alle Komponenten stimmen. Leider interessieren sich viele Betriebe viel zu wenig für die Qualität ihres Kaffees. Es lohnt sich, die Mischungen immer wieder selber zu probieren und an verschiedenen Maschinen zu testen.

Das Getränkeangebot wird oft kaum beachtet. Wie bringt man Gäste dazu, nicht bloss einen Café crème zu bestellen?

Die angebotenen Sorten und deren Zutaten sollten auf der Karte ausführlich beschrieben werden. Mit phantasievollen neuen Kreationen kann der Barista den Gast immer wieder überraschen und begeistern. Jede Backstube ist voller edler Zutaten, die man mit Kaffee ver­binden kann. Auch saisonale Kreationen bieten Abwechslung. Durch eine schöne Präsentation lassen sich Gäste ansprechen.

Anna Käppeli siegte vor Giovanni Meola (rechts) und Thomas Liebe.