04. März 2007
Gold und WM-Fahrkarte: Allison Wegmann und Luc Monachon
Allison Wegmann und Luc Monachon sind die neuen Schweizermeister in den Carrosserieberufen. Sie qualifizierten sich dank ihren Siegen in den hochklassigen Wettkämpfen aber auch für die Berufs-WM 2007 in Japan.
Die Titelkämpfe der Carrosseriespengler und Autolackierer fanden bereits zum zweiten Mal im dafür ideal geeigneten CIFOM-Centre der Technischen Schule in Le Locle statt. Bis aber die sechs Kandidatinnen und 14 Kandidaten den Final erreichten, mussten sie im letzten Herbst ihr Können an regionalen Ausscheidungen beweisen. Doch in Le Locle wehte ein anderer Wind: Die Aufgaben waren wesentlich schwieriger und der Wettkampf fand vor Publikum statt. Insgesamt wurde an zwei Tagen 16 Stunden gearbeitet, der Zeitdruck war mit jenem an der Berufs-WM vergleichbar. Die Bewertung durch die beiden Fachjurys erfolgte ebenfalls nach WM-Kriterien.
Erstmals eine Jurorin
Im Spenglerberuf gab es zwei bemerkenswerte Erscheinungen: Erstmals seit 13 Jahren nahm eine Frau an diesem Wettbewerb teil und überhaupt zum ersten Mal war eine Frau als Jurymitglied von der Partie. Die beiden Berufsfrauen hatten Erfolg: Die Baselbieterin Sandra Sabatino hätte mit etwas mehr Glück eine Medaille geholt, und die Zürcherin Ramona Laube beeindruckte ihre Expertenkollegen mit ihrem grossen Fachwissen. Die 24-jährige Autolackiererin mit eidg. Fachausweis war von den Meisterschaften begeistert: "Ich habe sehr viel profitiert und viele wertvolle Kontakte knüpfen können."
Schwierige Spengler-Aufgabe
Die Aufgaben bei den Spenglern hatten es in sich. In der Diagnostik musste die Grösse der Beschädigung und die Verformung eines Unfallfahrzeugs auf der Richtbank ausgemessen und anschliessend protokolliert werden. Im praktischen Teil galt es untere anderem einen Kotflügel fachgerecht zu reparieren und einen Innenteil korrekt – das heisst nach Richtlinien des Konstrukteurs – einzubauen. Das schwere Pensum am besten bewältigt hat der Waadtländer Luc Monachon. Der 21-Jährige war von seinem Sieg ein wenig überrascht: "Ich wusste nach dem ersten Tag, dass ich intakte Titelchancen habe. Am zweiten Tag musste ich aber enorm pressieren, um überhaupt fertig zu werden. Und da sind mir sicher auch einige Fehler unterlaufen." Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Genfer Rino Caraci betrug aber schliesslich doch beruhigende 4,49 Punkte, der Berner Daniel Kiener wurde gar mit 5,12 Punkte distanziert.
Lob vom Experten
Chefexperte Jean-Paul L'Eplattenier attestierte allen Teilnehmern hohes technisches Können und vor allem enorme Motivation und perfekte Disziplin. Den Ausschlag für den Sieg habe wohl die intensive Vorbereitung, die Luc Monachon im Vorfeld der Meisterschaften auf sich genommen hatte. "Nicht alle Teilnehmenden hatten gezielt trainieren können, und das machte sich rasch bemerkbar", meinte L'Eplattenier.
Frauen sind im Vormarsch
Im Lackier-Wettbewerb zeigte sich der Wandel, den dieser Beruf seit Jahren durchmacht: Immer mehr Mädchen entscheiden sich für diese Grundbildung, die viel Gewicht auf Kreativität und Detailarbeit legt (da gibt es übrigens grosse Parallelen zum Malerberuf). In Le Locle waren von den elf Teilnehmenden fünf Frauen - und sie haben sich diesmal auch resultatmässig durchsetzen können. Die Aufgabe war komplex: Lackierarbeiten am Vorbau eines Personenwagens, die Positionierung eines Signets auf dem Kotflügel sowie die Reparatur eines Kunststoffteils mussten erledigt werden. Die Goldmedaille holte sich recht souverän die St. Gallerin Allison Wegmann vor dem Romanischbündner Marco Petschen und der Luzernerin Nadine Egger. Die 22-Jährige gab zu, dass sie einen Spitzenplatz angestrebt hatte. "Ich hatte mich auf Le Locle entsprechend intensiv vorbereitet und kam hier nie in Schwierigkeiten." Für den internationale Experten Willi Frei ist Allison Wegmann die "logische Siegerin". Sie habe konstant, ruhig und überlegt gearbeitet. "Sie ist sehr intelligent und kann konzeptionell denken", hielt Frei fest. Ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten hätten sich zum Teil arg im Detail verloren und kamen dadurch in Zeitnot, was sich vor allem beim Dekor rächte.
Sorgfältige WM-Vorbereitung
Für die frischgebackenen Schweizermeister beginnt bald die Vorbereitung auf die WM, die im November in Japan stattfindet. Willi Frei, der Allison Wegmann coachen wird, ist überzeugt, dass sein Schützling bei guter Vorbereitung "durchaus erfolgreich in der obersten Liga" mitmachen kann. Sie könne sogar an den Erfolg von José-Joao Gonçalves anknüpfen, der 2005 in Helsinki den Lackierer-Wettbewerb dominiert und die höchste Punktezahl aller Schweizer WM-Teilnehmenden erzielt hat. Allison Wegmann freut sich auf die "Mission Japan". Etwas Angst macht ihr zwar der lange Flug, der Wettbewerb ist für sie aber ein willkommene Herausforderung. Einen Wunsch hat die seit einem Jahr verheiratete Steinacherin: "Ich hoffe, dass mein Mann mitkommen kann."
Medaille als Ziel
Luc Monachon wird auf die WM von Jean-Paul L'Eplattenier vorbereitet. Der 20-Jährige gibt zu, dass er an die Aufgabe mit "einem grossen Respekt, nicht aber mit Angst" herangehe. "Ich weiss, was ich kann. Und mit seriösem Training kann ich meine Schwächen sicher weitgehend eliminieren. Mein Ziel ist klar eine Medaille." L'Eplattenier erachtet diese Zielsetzung als realistisch: "Luc hat ein Riesenpotenzial und kann sich noch gewaltig steigern." Zur Erinnerung: An der WM 2005 holte sich Claude Grossenbacher das Diplom für hervorragende Leistung.
Das Bespiel VSCI soll Schule machen
Grosse Freude am Ausgang der Meisterschaften In Le Locle hatte die WM-Delegationschefin Christine Davatz. "Es ist super, dass eine Frau und ein Romand gewannen. Das wird unserem Team nur gut tun und die Verankerung der Berufswettbewerbe weiter steigern." Davatz machte schliesslich dem Schweizerischen Carrosserieverband VSCI, der den Wettbewerb mit viel Aufwand organisiert hatte, ein grosses Kompliment: "Ich hoffe, dass sich die anderen Berufsverbände ein Beispiel am VSCI nehmen, für den die Förderung von Frauen und Teilnehmenden aus der West- und Südschweiz kein blosses Lippenbekenntnis, sondern gelebte Wirklichkeit ist."
RANGLISTEN
Autolackierer
1. Allison Wegmann, Steinach SG (Lehrbetrieb: Peter Böhler Color Concept, Arbon), 83,4 Punkte
2. Marco Petschen, Trun GR (Pictura d'autos Riccardo Camenisch, Tavanasa), 81,7 Punkte
3. Nadine Egger, Kriens (Autospritzwerk André Kiser GhbH, Kägiswil), 79,0 Punkte
4. (in alphabetischer Reihenfolge): Aiche Aweys, Conthey VS (Carrosserie des Berges, Sion); Michaela Bader, St. Niklaus SO (Emil Frey AG, Basel-Dreispitz); Jenny Bertschinger, Winterthur (Rösch AG, Seuzach); Roman Bieli, Aedermannsdorf SO (Autospritzwerk Müller Ag, Niederbipp BE); Michael Sascha Buoli, Viggiu/Italien (Garage Pasta Taracisio, Balerna TI); Régis Rod, Préverenges VD (Emil Frey SA, Crissier); Hetem Sallauka, Gränichen AG (Calag Carrosserie Langenthal AG, Langenthal); Anita Schütz, Grafenried BE (BGO Bern, Bern).
Carrossiespengler
1. Luc Monachon, La Sarraz VD (Lehrbetrieb: Garage d'Etoile S.A., Renens), 78,19 Punkte
2. Rino Caraci, Grand-Saconnex GE (Carrosserie de Plan-les-Quates, Plan-les-Quates GE),74,70 Punkte
3. Daniel Kiener, Mattstetten BE (Carrosserie Kiener AG), 73,07 Punkte
4. (in alphabetischer Reihenfolge): Alan Bagnovini, Broglio TI (Carrozzeria Mattei Luciano, Peccia TI); David Guimares, Niederbipp BE (Carrosserie Gabi AG, Niederbipp); Fabian Renggli, Emmen LU (Hammer Auto Center, Emmenbrücke); Michael Roos, Zielebach BE (Carrosserie Bernhard AG, Aefligen BE); Daniel Ruffieux, Malters LU (Fuchs GmbH, Schachen); Sandra Sabatino, Zwingen BL).
Gruppenbild mit Dame: Erstmals seit langem war mit Sandra Sabatino (vierte von links) im Wettbewerb der Spengler eine Frau mit von der Partie.
Frauen stark im Vormarsch: Fünf Lackiererinnen macht in Le Locle mit, zwei von ihnen kamen aufs Podest.
Die besten Spengler (von links): Rino Caraci, Luc Monachon und Daniel Kiener.
Die bestens Autolackiererinnen ud der "Quotenmann" (von links): Nadine Egger, Allison Wegmann und Marco Petschen.
Schwächen minimieren: WM-Duo Luc Monachon und Jean-Paul L'Eplattenier.
Klares Vorbereitungskonzept: WM-Duo Allison Wegmann und Willi Frei.
Zum ersten Mal ein weibliches Jurymitglied: Willi Frei mit Ramona Laube.
AUTOLACKIERERBERUF
Allison Wegmann
Marco Petschen
Nadine Egger
Aiche Aweys
Michaela Bader
Jenny Bertschinger
Roman Bieli
Michael Sasch Buoli
Régis Rod
Hetem Sallauka
Anita Schütz
CARROSSERIESPENGLERBERUF
Luc Monachon
Rino Caraci
Daniel Kiener
Alan Bagnovini
David Guimares
Fabian Renggli
Michael Roos
Daniel Ruffieux
Sandra Sabatino