Anna Käppeli ist Schweizermeisterin der Baristas

Zum ersten Mal in der Geschichte der Barista-Meisterschaften gewann eine Frau den begehrten Schweizermeistertitel. Die Thunerin Anna Käppeli setzte sich beim Wettkampf in Bern gegen drei Konkurrentinnen und neun Konkurrenten durch. Die Bereichsleiterin Gastronomie bei der Beck Glatz Confiseur AG in Bern wird die Schweiz in Tokio an den Weltmeisterschaften vertreten.

 

Das anspruchsvolle Programm der Titelkämpfe umfasste die perfekte Zubereitung von je vier identischen Espressi, Capuccini und Eigenkreationen auf Espresso-Bais innerhalb von 15 Minuten. Bewertungskriterien waren Geschmack, Aussehen und optische Präsentation der Getränke, technische Handhabung der Maschinen und das Auftreten der Baristas. Nachfolgend ein Interview mit der engagierten Berufsfrau.

Was hat Sie zur Teilnahme an der Schweizermeisterschaft motiviert?
Anna Käppeli: Nachdem ich letztes Jahr Vierte geworden bin, wollte ich es erneut versuchen. Ich war voll konzentriert und konnte die trainierte Leistung abrufen. Im Vordergrund stand die Freude am Produkt Kaffee. Allein die Vorbereitung beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung, bei der man immer mehr über diese faszinierende Welt lernt, die von der Plantage im Ursprungsland bis zum Service im Cafe reicht.

Sie dürfen die Schweiz Ende Juli an den Weltmeisterschaften in Tokio vertreten. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Mein Ziel ist, auch; in einem fremden Land die bestmögliche Leistung erbringen zu können. Der Rang ist eher Nebensache. Bei mir zu Hause wurde im Keller die WM-Kaffeemaschine „La Marzocco“ installiert, auf der ich gezielt trainieren kann. Mit Unterstützung durch einen breiten Betreuerstab und Sponsoren bereite ich mich optimal vor.

Kommt Ihr Können als Barista auch' im Alltag zum Tragen?
Mir liegt viel daran, mein erworbenes Wissen möglichst breit anzuwenden, obwohl es in der schnelllebigen Praxis mit vorab eiligen Kunden vor allem möglichst rasch gehen muss. Ein Bäckerei-Konditorei-Confiserie-Café ist für die Zelebrierung der Barista-Kunst gut geeignet. Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Weitervermittlung meines Könnens durch Schulung der Mitarbeitenden.

Welches ist Ihre bevorzugte Kaffeespezialität?
Das variiert je nach Tageszeit und Stimmung – vom Milchkaffee über den Espresso, Capuccino und Mocca liebe ich jeden Kaffee, der gerade passt.

Was sind die wichtigsten Kriterien für die perfekte Zubereitung?
Es beginnt bei der guten Qualität der Bohnen über die frische und richtige Röstung bis zur Wahl der richtigen Espressotasse. Der Barista muss seine Arbeit an der Mühle und der Maschine verstehen und den Gästen seine Kunst und seinen Charme rüberbringen können.

Wie setzt sich ein optimales Kaffeesortiment zusammen?
Es sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein, also verschiedene Bohnensorten und Mischungen. Auch Mixgetränke mit Caramel, Schokolade, Honig usw. sowie saisonale Kaffeespezialitäten sind empfehlenswert.

Was sind die wichtigsten Qualitätsvoraussetzungen?
Von der richtigen Einstellung der Maschine bis zur Zubereitung mit Herz und Kopf müssen alle Komponenten stimmen. Leider interessieren sich viele Betriebe viel zu wenig für die Qualität ihres Kaffees. Es lohnt sich, die Mischungen immer wieder selber zu probieren und an verschiedenen Maschinen zu testen.

Das Getränkeangebot wird oft kaum beachtet. Wie bringt man Gäste dazu, nicht bloss einen Café crème zu bestellen?

Die angebotenen Sorten und deren Zutaten sollten auf der Karte ausführlich beschrieben werden. Mit phantasievollen neuen Kreationen kann der Barista den Gast immer wieder überraschen und begeistern. Jede Backstube ist voller edler Zutaten, die man mit Kaffee ver­binden kann. Auch saisonale Kreationen bieten Abwechslung. Durch eine schöne Präsentation lassen sich Gäste ansprechen.

Anna Käppeli siegte vor Giovanni Meola (rechts) und Thomas Liebe.

Schweizermeisterschaft der Floristenbranche

 

 Die besten drei Jungfloristinnen 2007 (v.l.): Susanne Harder, Jeannine Oberson und Anneliese Fankhauser.

Die Solothurnerin Jeannine Oberson hat am Wochenende in Hägendorf den diesjährigen Jungflor Cup und damit auch den Meistertitel überlegen gewonnen.

Jubiläumsstimmung am diesjährigen Jungflor Cup: Bereits zum 20. Mal wurde am vergangenen Wochenende diese Veranstaltung durchgeführt. Entstanden aus dem Abschlusswettbewerb einer Floristenklasse der Berufsschule Thun, hat sich der Anlass zum gesamtschweizerischen Ereignis für junge Floristinnen und Floristen entwickelt. Seit Jahren wird an dieser Veranstaltung der Schweizer Meister oder die Schweizer Meisterin des Floristen-Nachwuchses erkoren.

Aufwändige Veranstaltung
Auch 2007 stellte der Blumengrossmarkt im solothurnischen Hägendorf die Räume für die Veranstaltung zur Verfügung. Hinter dem Eingang wurde der Besucher durch eine Arkade aus Schilfpflanzen in die Arbeits- und Ausstellungsräume geleitet. Kerzenlicht und Spotbeleuchtung verbreiteten eine behagliche und zugleich festliche  Stimmung, welche durch den Duft der Pflanzen noch verstärkt wurde. Organisator des Anlasses ist seit der ersten Durchführung im Jahr 1987 der Geschäftsinhaber und Berufsschullehrer Peter Fleischli aus Wangen bei Olten. Unterstützt wird er durch ein fünfköpfiges Organisationskomitee und zwölf Experten, welche die Arbeiten beurteilen. Über eine Woche Arbeit investiert jedes Mitglied des OK in die Vorbereitung der Schweizer Meisterschaften. Die OK-Mitglieder und Experten leisten diese Arbeit unentgeltlich und in ihrer Freizeit.

Schwere Aufgaben
Der Berufswettbewerb stellt an die jungen Berufsleute – sie haben alle 2006 die Lehrabschlussprüfung abgelegt – hohe Anforderungen. Die 17 Teilnehmenden, darunter ein „Quotenmann“, mussten am Nachmittag vier im Vorfeld bekanntgegebene Themen floristisch umsetzen. Für 2007 waren  die folgenden Themen festgelegt worden: „schön schräg“ (Arbeitszeit 90 Minuten), „es war so schön ...“ (45 Minuten), „zum letzten Mal“ (60 Minuten) und „warum“ (45 Minuten). Diese Arbeiten mussten dann auf einem Stand von 80 x 400 cm präsentiert werden. Die Gestaltung und Ausführung des Standes blieb den Wettbewerbsteilnehmern überlassen. Die Standgestaltung wurde separat bewertet und rangiert).
Von den 17 Startenden gelangten nach der Bewertung der vier Themenarbeiten deren zehn in den Final. Im Endkampf hatten sie in je 45 Minuten mit vorgegebenen Materialien zwei anspruchsvolle Arbeiten zum Thema „Jubiläum“ zu gestalten. Und dies auf einer hell beleuchteten Bühne unmittelbar unter den kritischen Augen der zahlreich erschienenen Zuschauerinnen und Zuschauer. Allerdings auch angefeuert und moralisch unterstützt durch die eigene „Fangemeinde“, bestehend aus Familienangehörigen, Freundinnen und Freunden, Arbeitskolleginnen und -kollegen und Vorgesetzten.
Der gesamte Wettbewerb wurde am gleichen Tag ausgetragen. Er begann mit dem Aufbau des Standes morgens um 10 Uhr und endete kurz vor Mitternacht mit der Bekanntgabe der Ranglisten. Der Anlass dauerte insgesamt mehr als 15 Stunden, was von den Teilnehmenden einiges an Ausdauer, Fitness und Konzentrationsfähigkeit abverlangte!

Kritische Beurteilung
Die Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten erfolgte durch die zwölfköpfige Jury nach vier Gesichtspunkten: Bei der technischen Beurteilung wurde geprüft, ob die fachlichen Erfordernisse eingehalten wurden, etwa der Anschnitt der Blumen oder die korrekte Wasserversorgung. Weitere Beurteilungskriterien waren die Gestaltung, die Farbenzusammenstellung und die Proportionen der Arrangements. „Natürlich können wir, ausser bei der Technik, dabei nicht einen streng rationalen und definierten Massstab ansetzen“, meinte Kurt Iseli, Mitglied der Jury und Präsident der Ostschweizer Sektion des Floristenverbandes. „Aber wir schauen sehr darauf, ob allgemein gültige Regeln in den jeweiligen Bereichen eingehalten werden. Zudem bewerten wir auch die gestalterische Risikobereitschaft der Kandidatinnen und Kandidaten und ihren Mut zur aussergewöhnlichen Farbwahl- und -kombination“.
Die Jurymitglieder waren mit dem Niveau der diesjährigen Titelkämpfe sehr zufrieden. Sehr viele Arbeiten seien sehr oder gar ausserordentlich  gelungen, betonte Iseli. Daneben habe es auch, wie alle Jahre wieder, Arbeiten, welche teilweise abfielen und das erwartete Niveau  nicht in allen Teilen erreichten. Die erfahrenen und meist seit Jahren als Juroren tätigen Fachleute stellten dieses Jahr allgemein eine steigende Tendenz in der Qualität der Gestaltung und Ausführung der Arbeiten fest. Sie führten dies auf die intensivierte Aus- und Weiterbildung der jungen Berufsleute zurück.

Überlegene Siegerin
Am Wettbewerb waren Teilnehmende aus der Deutschschweiz und aus der Romandie vertreten. Durchgesetzt haben sich allerdings die Vertreter der Deutschschweiz: Die Siegerin und neue Schweizer Meisterin, Jeannine Oberson, lebt im Kanton Solothurn, die Silbermedaillengewinnerin Susanne Harder kommt aus dem Kanton St. Gallen und die Drittplatzierte Annelies Fankhauser ist Emmentalerin. „Jeannine hat die Themen klar am besten umgesetzt, sowohl bezüglich Technik als auch Kreativität. Sie war wirklich die Beste“, meinte Adrian Hertig, internationaler Experte und Chef der Jury an der Berufs-WM zum Ausgang des Wettbewerbs. Tatsächlich hatte Jeannine Oberson am Schluss einen Vorsprung von mehr als 20 Punkten auf Susanne Harder.

Die Besten aus 600
„Die Jungflor ist die Floristentaufe“, charakterisiert der langjähige OK-Präsident Peter Fleischli den Anlass. „An diesem Wettbewerb beweisen die jungen Berufsleute ihre berufliche Fitness, ihre Motivation, ihre nervliche Stärke und ihre Bereitschaft, für den Beruf Überdurchschnittliches zu leisten. Sie messen sich mit den Besten der rund 600 jungen Leute, welche jährlich in der ganzen Schweiz die berufliche Lehre als Floristen beenden.“ Fleischli und mehrere der anwesenden Juroren bedauerten allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden in den letzten Jahren gesunken ist.

Sieg mit Langzeitwirkung
Wer bei diesem Wettbewerb den Sieg davonträgt oder gar an den Berufsweltmeisterschaften einen der vorderen Ränge belegt, fördert seine berufliche Karriere mit Nachdruck. Auch der an diesem Abend ebenfalls unter den Zuschauern weilend Weltmeister von 2003, Philipp von Arx, der heute in Olten ein eigenes Geschäft führt, bestätigt dies mit Nachdruck. Der Gewinn des Titels, obwohl schon vier Jahre zurück, wirke sich immer noch aus: „In der Branche kennt man mich, und auch viele Kunden wissen, dass ich in St. Gallen gewonnen habe.“

Berufs-WM als Endziel
Der Sieger oder die Siegerin des Jungflor-Wettbewerbes wird laut Peter Fleischli in der Folge weiter geschult und trainiert. An zusätzlichen regionalen, nationalen und internationalen Wettkämpfen arbeitet die junge Fachkraft unter Wettkampfbedingungen. Ausserdem besucht sie zusätzliche Weiterbildungskurse und erhält eine Unterstützung im mentalen Bereich. Auf diese Weise wird der Einsatz an den Berufsweltmeisterschaften vorbereitet. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch. Deshalb wird nicht die Gewinnerin der diesjährigen Schweizer Meisterschaft an den Berufsweltmeisterschaften 2007 in Japan teilnehmen, sondern voraussichtlich die Gewinnerin von 2006, Sabrina Kradolfer aus Bazenheid SG. Die diesjährige Gewinnerin, Jeannine Oberson, würde dann die Schweizer Floristen an den Berufsweltmeisterschaften 2009 im kanadischen Calgary vertreten. Für Philipp Müller, den seit zwei Jahren amtierende Präsidenten des Schweizerischen Floristenverbandes, hat die Veranstaltung eine immer wichtigere Bedeutung. Er sieht in ihr „eine starke Herausforderung für junge Berufsleute“. An der Jungflor könnten sie sich mit den besten der Branche messen. „Sie können Ihre Motivation und ihren Durchhaltewillen unter Beweis stellen und nicht zuletzt fördern sie damit nachhaltig die eigene berufliche Karriere nachhaltig. Für den Verband selber sei die Jungflor eine wichtige Gelegenheit, um aktiv Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und die breite Öffentlichkeit auf die rund 660 Mitgliedfirmen aufmerksam zu machen.

Rangliste

Schweizermeisterschaft

1. Jeannine Oberson, Kestenholz SO (Lehrbetrieb: Blumen Fleischli, Wangen b.O.)
2. Susanne Harder, Niederbüren SG (Blumen Münger, Bischofszell)
3. Annelies Fankhauser, Wasen i.E. (Blumen Gfeller, Sumiswald)
4. (in alphabetischer Reihenfolge): Karin Breitenmoser, Grub AR (Blumen Diez, Heiden); Monika Gfeller, Worb BE (Blumen Arkadia, Worb); Christine Imboden, Busslingen AG (Toni Sutter, Dättwil); Stephanie Juon, Utzensdorf BE (Blumen Uhlmann, Oberbipp); Ramona Saxer, Hägglingen AG (Blumen Nübling, Villmergen); Doris Zaugg, Trubschachen BE (Interhydro AG; Allmendingen); Andrea Zulauf, Dagmersellen LU (Gärtner Pflugshaupt AG, Sursee)
Ohne Finalqualifikation: Sabine Bittel, Visp (Blüemuladu, Brig); Sabrina Gremli, Seegräben SG (Arte e Fiori, Rapperswil); Irene Hänsenberger, Henau SG (Blumen Tschopp, St. Gallen); Sebastian Kärle, Halten SO (Scheuer Meyer, Deitingen); Christa Nägeli, Gais AR (Blumen Barbara, Appenzell); Melanie Nicolet, Lausanne (Fleurs la Clarière, St. Imier); Simone Evelyne Schmid, Basel (Blumen Breitenstein, Riehen)
Standgestaltung
1. Susanne Harder, Niederbüren
2. Andrea Zulauf, Dagmersellen,
3. Annelies Fankhauser, Wasen i.E.

Die Finalistinnen

Jeannine Oberson

Susanne Harder

Anneliese Fankhauser

Karin Breitenmoser

Monika Gfeller

Christine Imboden

Stephanie Juon

Ramona Saxer

Doris Zaugg

Andrea Zulauf

 Präzision und Fantasie: Eine der Wettbewerbsarbeiten der Siegerin Jeannine Oberson. 

Sie freuten sich über den gelungen Anlass: Verbandspräsident Philipp Müller (l.) und OK-CHef Peter Fleischli.

Schweizermeisterschaft der Zimmerleute in Lenzburg

Mit

 Die besten vier Zimmerleute des diesjährigen Schweizermeisterschaft (v.l.):Samuel Roth, Gabriel Mottier, Peter Schwarz und Bruo Maurer.

Mit dem überraschenden Sieg des Waadtländers Gabriel Mottier ging am vergangenen Sonntag in Lenzburg die Schweizermeisterschaft der Zimmerleute zu Ende. Der dreitätige Wettkampf wies ein sehr hohes Niveau auf.

Die zwölf Teilnehmer – keiner älter als 20 Jahre – hatten in der Lenzburger Mehrzweckhalle zwei klassische Wettbewerbsaufgaben zu bewältigen. Am ersten Tag galt es, innerhalb von 7,5 Stunden ein relativ einfaches Dachstuhlmodell anzufertigen. Nach diesem „Aufwärmer“ kam eine echte Knacknuss. Für dieses komplizierte Dachstuhlmodell standen denn auch 15,5 Stunden zur Verfügung. Dennoch geriet kein Kandidat in Zeitnot, wie dies bei andren Wettkämpfen oft zu beobachten ist.


Coolness ist gefragt
„Das Niveau war sehr hoch“, zog der internationale Experte Martin Hochuli eine positive Bilanz der Meisterschaft. Damit habe sich der gute Eindruck bestätigt, der er bei den Qualifikationskämpfen sowohl in der Deutschschweiz als auch in der Romandie gewonnen hatte. Einmal mehr wurde der Wettbewerb durch die Massgenauigkeit entschieden. Einige Kandidaten hatten aber auch Probleme mit dem (limitierten) Holzverbrauch; wer nach einem Fehler Zusatzmaterial anfordern musste, zahlte dafür mit Punkteabzug. „Es gab aber auch klare Unterschiede bei der Planung der Umsetzung, da hatten einige gepatzt. Peter Schwarz etwa, der so seine Siegeschance verspielt hat. Generell gilt: Kühlen Kopf bewahren und methodisch vorgehen. Übertriebene Eile zahlt sich bei Arbeiten an Holzmodellen nie aus“, kommentierte Hochuli.

Das Erwachen der Romands
Es war übrigens zum ersten Mal, dass die Westschweizer bei den Titelkämpfen der Zimmerleute professionell mitgemacht haben. Entsprechend hielten die drei Romands wacker mit, und stellten mit Waadtländer Gabriel Mottier sogar den Sieger. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt Jurymitglied Joël Morerod zu verdanken, der mit einem grossen Engagement zusammen mit den Branchenverbänden FRM und GRC dafür kämpft, dass die Berufswettbewerbe auch westlich der Saane eine bessere Verankerung finden. Neben dem einstigen Spitzenskispringer Morerod gehörten der Jury in Lenzburg traditionellerweise ehemalige erfolgreiche WM- und EM-Teilnehmer an: Hansjörg Rechsteiner (WM-Gold 1999), Stefan Schoch (WM-Gold 2003) und Gabriel Koller (WM Diplom 2001). Dieses Quartett bildet auch das Swiss IBW Team, das die Kandidaten auf die internationalen Wettbewerbe vorbereitet.

Mottier wie Wenger
Gabriel Mottier gewann mit 162,80 Punkten die Titelkämpfe relativ klar vor den beiden Ostschweizern Samuel Roth (156,95) und Peter Schwarz (151,86). Damit schnitt der Waadtländer ähnlich ab wie sein Vorgänger Adrian Wenger 2005 in Frutigen. Er gab sich an der Siegerehrung total überrascht: „Ich habe nie mit einem Podestplatz gerechnet.“ Das Siegestrio von Lenzburg holte sich natürlich nicht nur Medaillen, sondern auch die mögliche Qualifikation für das Dreierteam, das die Europameisterschaft 2008 in Klagenfurt/Österreich bestreiten wird. Möglich deshalb, weil auch der viertplazierte Berner Bruno Maurer zu der letzten Ausscheidung für diesen Anlass antreten kann. Wer an der EM am besten abschneidet, der wird die Schweiz an der Berufs-WM 2009 in kanadischem Calgary vertreten.

Intensive Vorbereitung
An der Weltmeisterschaft in diesem Jahr, die im November in Japan stattfindet, wird Adrian Wenger teilnehmen. Der Schweizermeister von 2005 gewann letztes Jahr recht souverän die Europameisterschaft in Luxemburg (seine Mannschaftskollegen belegte die Plätze zwei und vier). Der Berner Oberländer schaffte den Sieg ohne besonderen Traningsaufwand, doch für Shizuoka muss er einiges mehr investieren. Sein Coach Martin Hochuli: „Adrian wird ein intensives Vorbereitungsprogramm absolvieren. Geplant sind auch Trainings in meinem Betrieb sowie Erfahrungsaustausch mit Michael Hürbin, der 2005 in Helsinki Silber geholt hat.“ Der Experte ist zuversichtlich, dass sein Schützling um den Titel mitkämpfen wird. „Er verfügt über das nötige Fachkönnen und die nötige Mentalstärke.“ Adrian Wenger freut sich auf den Wettkampf: „Ich werde natürlich mein Bestes geben – und vielleicht reicht es für eine schöne Medaille.“ In Japan werden Kandidaten aus zehn Ländern an den Start gehen, wobei Südkorea und Frankreich die schärfsten Konkurrenten sein dürften. Hochuli (er war 1998 Europameister) amtiert dabei zum ersten Mal als Chefexperte. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Wettkampf mit der gebotenen Fairness abgewickelt wird.“

Rangliste

1. Gabriel Mottier, Château d’Oex VD (Lehrbetrieb: Swiss Chalet Henchoz SARL, Rougemont)
2. Samuel Roth, Ganterschwil SG (Adrian Scherrer AG, Bütschwil)
3. Peter Schwarz, Raperswilen TG (Kämpf Holbau AG, Raperswilen)
4. Bruno Maurer, Schattenhalb (Maurer & von Bergen AG Holzbau, Meiringen)


5. (in alphabetischer Reihenfolge): Dino Augustin, Alvaschein GR (Projer AG Holzbau, Alvaschein); Florian Binggeli, Yvonand VD (Favre SA, Pomy); Urs Graf, Wald AR (Breu AG, Oberegg); Vincent Jaton, Les Diablerets VD (Bruno Morerod, Les Diablerets); Raphael Spinner, Aeugst a.A. ZH (Köfler Holzbau, Zwillikon); Dominik Staub, Bannwil BE (Hector Egger Holzbau AG, Langenthal); Erwin Steuble, Haslen AI (Dörig & Brülisauer GmbH, Appenzell); Markus Zaugg, Madiswil BE (Zulliger Schreinerei & Holzbau AG, Madiswil)

Gabriel Mottier

Samuel Roth

Peter Schwarz

Bruno Mauer

Dino Augustin

Florian Binggeli

Urs Graf

Vincent Jaton

Raphael Spinner

Dominik Staub

Erwin Steuble

Markus Zaugg

Die Jury bestand aus Mitgliedern des Swis I.B.W. Teams (v.): Gabriel Koller, Stefan Schoch, Hansjörg Rechsteiner und Joel Morerod.

Sie freuten sich mit ihrem Sohn: Die Eltern des Siegersa Gabriel Mottier bei der Bekanntage seines Titelgewinns.

Das Duo, auf dem WM-Hoffnungen ruhen: Kandidat Adrian Wenger (r.) und Experte Martin Hochuli.

Schweizermeisterschaften der Carrosseriebranche


Gold und WM-Fahrkarte: Allison Wegmann und Luc Monachon


Allison Wegmann und Luc Monachon sind die neuen Schweizermeister in den Carrosserieberufen. Sie qualifizierten sich dank ihren Siegen in den hochklassigen Wettkämpfen aber auch für die Berufs-WM 2007 in Japan.

Die Titelkämpfe der Carrosseriespengler und Autolackierer fanden bereits zum zweiten Mal im dafür ideal geeigneten CIFOM-Centre der Technischen Schule in Le Locle statt. Bis aber die sechs Kandidatinnen und 14 Kandidaten den Final erreichten, mussten sie im letzten Herbst ihr Können an regionalen Ausscheidungen beweisen. Doch in Le Locle wehte ein anderer Wind: Die Aufgaben waren wesentlich schwieriger und der Wettkampf fand vor Publikum statt. Insgesamt wurde an zwei Tagen 16 Stunden gearbeitet, der Zeitdruck war mit jenem an der Berufs-WM vergleichbar. Die Bewertung durch die beiden Fachjurys erfolgte ebenfalls nach WM-Kriterien.

Erstmals eine Jurorin
Im Spenglerberuf gab es zwei bemerkenswerte Erscheinungen: Erstmals seit 13 Jahren nahm eine Frau an diesem Wettbewerb teil und überhaupt zum ersten Mal war eine Frau als Jurymitglied von der Partie. Die beiden Berufsfrauen hatten Erfolg: Die Baselbieterin Sandra Sabatino hätte mit etwas mehr Glück eine Medaille geholt, und die Zürcherin Ramona Laube beeindruckte ihre Expertenkollegen mit ihrem grossen Fachwissen. Die 24-jährige Autolackiererin mit eidg. Fachausweis war von den Meisterschaften begeistert: "Ich habe sehr viel profitiert und viele wertvolle Kontakte knüpfen können."

Schwierige Spengler-Aufgabe
Die Aufgaben bei den Spenglern hatten es in sich. In der Diagnostik musste die Grösse der Beschädigung und die Verformung eines Unfallfahrzeugs auf der Richtbank ausgemessen und anschliessend protokolliert werden. Im praktischen Teil galt es untere anderem einen Kotflügel fachgerecht zu reparieren und einen Innenteil korrekt – das heisst nach Richtlinien des Konstrukteurs – einzubauen. Das schwere Pensum am besten bewältigt hat der Waadtländer Luc Monachon. Der 21-Jährige war von seinem Sieg ein wenig überrascht: "Ich wusste nach dem ersten Tag, dass ich intakte Titelchancen habe. Am zweiten Tag musste ich aber enorm pressieren, um überhaupt fertig zu werden. Und da sind mir sicher auch einige Fehler unterlaufen." Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Genfer Rino Caraci betrug aber schliesslich doch beruhigende 4,49 Punkte, der Berner Daniel Kiener wurde gar mit 5,12 Punkte distanziert.

Lob vom Experten
Chefexperte Jean-Paul L'Eplattenier attestierte allen Teilnehmern hohes technisches Können und vor allem enorme Motivation und perfekte Disziplin. Den Ausschlag für den Sieg habe wohl die intensive Vorbereitung, die Luc Monachon im Vorfeld der Meisterschaften auf sich genommen hatte. "Nicht alle Teilnehmenden hatten gezielt trainieren können, und das machte sich rasch bemerkbar", meinte L'Eplattenier.

Frauen sind im Vormarsch
Im Lackier-Wettbewerb zeigte sich der Wandel, den dieser Beruf seit Jahren durchmacht: Immer mehr Mädchen entscheiden sich für diese Grundbildung, die viel Gewicht auf Kreativität und Detailarbeit legt (da gibt es übrigens grosse Parallelen zum Malerberuf). In Le Locle waren von den elf Teilnehmenden fünf Frauen - und sie haben sich diesmal auch resultatmässig durchsetzen können. Die Aufgabe war komplex: Lackierarbeiten am Vorbau eines Personenwagens, die Positionierung eines Signets auf dem Kotflügel sowie die Reparatur eines Kunststoffteils mussten erledigt werden. Die Goldmedaille holte sich recht souverän die St. Gallerin Allison Wegmann vor dem Romanischbündner Marco Petschen und der Luzernerin Nadine Egger. Die 22-Jährige gab zu, dass sie einen Spitzenplatz angestrebt hatte. "Ich hatte mich auf Le Locle entsprechend intensiv vorbereitet und kam hier nie in Schwierigkeiten." Für den internationale Experten Willi Frei ist Allison Wegmann die "logische Siegerin". Sie habe konstant, ruhig und überlegt gearbeitet. "Sie ist sehr intelligent und kann konzeptionell denken", hielt Frei fest. Ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten hätten sich zum Teil arg im Detail verloren und kamen dadurch in Zeitnot, was sich vor allem beim Dekor rächte.

Sorgfältige WM-Vorbereitung
Für die frischgebackenen Schweizermeister beginnt bald die Vorbereitung auf die WM, die im November in Japan stattfindet. Willi Frei, der Allison Wegmann coachen wird, ist überzeugt, dass sein Schützling bei guter Vorbereitung "durchaus erfolgreich in der obersten Liga" mitmachen kann. Sie könne sogar an den Erfolg von José-Joao Gonçalves anknüpfen, der 2005 in Helsinki den Lackierer-Wettbewerb dominiert und die höchste Punktezahl aller Schweizer WM-Teilnehmenden erzielt hat. Allison Wegmann freut sich auf die "Mission Japan". Etwas Angst macht ihr zwar der lange Flug, der Wettbewerb ist für sie aber ein willkommene Herausforderung. Einen Wunsch hat die seit einem Jahr verheiratete Steinacherin: "Ich hoffe, dass mein Mann mitkommen kann."

Medaille als Ziel
Luc Monachon wird auf die WM von Jean-Paul L'Eplattenier vorbereitet. Der 20-Jährige gibt zu, dass er an die Aufgabe mit "einem grossen Respekt, nicht aber mit Angst" herangehe. "Ich weiss, was ich kann. Und mit seriösem Training kann ich meine Schwächen sicher weitgehend eliminieren. Mein Ziel ist klar eine Medaille." L'Eplattenier erachtet diese Zielsetzung als realistisch: "Luc hat ein Riesenpotenzial und kann sich noch gewaltig steigern." Zur Erinnerung: An der WM 2005 holte sich Claude Grossenbacher das Diplom für hervorragende Leistung.

Das Bespiel VSCI soll Schule machen
Grosse Freude am Ausgang der Meisterschaften In Le Locle hatte die WM-Delegationschefin Christine Davatz. "Es ist super, dass eine Frau und ein Romand gewannen. Das wird unserem Team nur gut tun und die Verankerung der Berufswettbewerbe weiter steigern." Davatz machte schliesslich dem Schweizerischen Carrosserieverband VSCI, der den Wettbewerb mit viel Aufwand organisiert hatte, ein grosses Kompliment: "Ich hoffe, dass sich die anderen Berufsverbände ein Beispiel am VSCI nehmen, für den die Förderung von Frauen und Teilnehmenden aus der West- und Südschweiz kein blosses Lippenbekenntnis, sondern gelebte Wirklichkeit ist."

RANGLISTEN

Autolackierer

1. Allison Wegmann, Steinach SG (Lehrbetrieb: Peter Böhler Color Concept, Arbon), 83,4 Punkte
2. Marco Petschen, Trun GR (Pictura d'autos Riccardo Camenisch, Tavanasa), 81,7 Punkte
3. Nadine Egger, Kriens (Autospritzwerk André Kiser GhbH, Kägiswil), 79,0 Punkte
4. (in alphabetischer Reihenfolge): Aiche Aweys, Conthey VS (Carrosserie des Berges, Sion); Michaela Bader, St. Niklaus SO (Emil Frey AG, Basel-Dreispitz); Jenny Bertschinger, Winterthur (Rösch AG, Seuzach); Roman Bieli, Aedermannsdorf SO (Autospritzwerk Müller Ag, Niederbipp BE); Michael Sascha Buoli, Viggiu/Italien (Garage Pasta Taracisio, Balerna TI); Régis Rod, Préverenges VD (Emil Frey SA, Crissier); Hetem Sallauka, Gränichen AG (Calag Carrosserie Langenthal AG, Langenthal); Anita Schütz, Grafenried BE (BGO Bern, Bern).

Carrossiespengler

1. Luc Monachon, La Sarraz VD (Lehrbetrieb: Garage d'Etoile S.A., Renens), 78,19 Punkte
2. Rino Caraci, Grand-Saconnex GE (Carrosserie de Plan-les-Quates, Plan-les-Quates GE),74,70 Punkte
3. Daniel Kiener, Mattstetten BE (Carrosserie Kiener AG), 73,07 Punkte
4. (in alphabetischer Reihenfolge): Alan Bagnovini, Broglio TI (Carrozzeria Mattei Luciano, Peccia TI); David Guimares, Niederbipp BE (Carrosserie Gabi AG, Niederbipp); Fabian Renggli, Emmen LU (Hammer Auto Center, Emmenbrücke); Michael Roos, Zielebach BE (Carrosserie Bernhard AG, Aefligen BE); Daniel Ruffieux, Malters LU (Fuchs GmbH, Schachen); Sandra Sabatino, Zwingen BL).


Gruppenbild mit Dame: Erstmals seit langem war mit Sandra Sabatino (vierte von links) im Wettbewerb der Spengler eine Frau mit von der Partie.


Frauen stark im Vormarsch: Fünf Lackiererinnen macht in Le Locle mit, zwei von ihnen kamen aufs Podest.


Die besten Spengler (von links): Rino Caraci, Luc Monachon und Daniel Kiener.


Die bestens Autolackiererinnen ud der "Quotenmann" (von links): Nadine Egger, Allison Wegmann und Marco Petschen.


Schwächen minimieren: WM-Duo Luc Monachon und Jean-Paul L'Eplattenier.


Klares Vorbereitungskonzept: WM-Duo Allison Wegmann und Willi Frei.


Zum ersten Mal ein weibliches Jurymitglied: Willi Frei mit Ramona Laube.


AUTOLACKIERERBERUF



Allison Wegmann


Marco Petschen


Nadine Egger


Aiche Aweys


Michaela Bader


Jenny Bertschinger


Roman Bieli


Michael Sasch Buoli


Régis Rod


Hetem Sallauka


Anita Schütz

CARROSSERIESPENGLERBERUF


Luc Monachon


Rino Caraci


Daniel Kiener


Alan Bagnovini


David Guimares


Fabian Renggli


Michael Roos


Daniel Ruffieux


Sandra Sabatino