Maler-Europameisterschaft: Schweizerin holt Bronze

Kürzlich fand in Olomouc (Tschechien) die Europameisterschaft des Internationalen Maler-Berufsverbandes UNIEP statt. Bei diesem Wettkampf massen sich die besten Berufsleute aus ganz Europa. Die Schweizerin Sarah Koller eroberte im hochklassigen Teilnehmerfeld die Bronzemedaille.

Die 21-jährige St. Gallerin Sarah Koller qualifizierte sich mit dem zweiten Rang an den Schweizermeisterschaften 2005 für die Europameisterschaft und bereitete sich während einigen Monaten gezielt auf diesen Wettbewerb vor. Mit Otto Rüger als Trainer übte sie die geforderten Arbeitstechniken und entwarf selber eine freie Wandgestaltung; zugleich absolvierte sie auch ein Mentaltraining an der ETH in Zürich. Erst mit einer solchen Grundlage wird es möglich, in einem öffentlichen Wettkampf vor vielen interessierten Zuschauern die schwierige Aufgabe in bester Qualität umzusetzen.

Stress bis zum Schlus
Die Aufgabenstellung umfasste ein breites Spektrum von fachtechnischen und gestalterischen Malerarbeiten; sie mussten innert 20 Stunden ausgeführt werden. Das war knapp: beinahe alle elf Teilnehmenden konnten eine fertige Arbeitskoje abliefern, niemand wurde allerdings auch nur fünf Minuten vor Wettkampfende fertig. Dass die Kandidaten in dieser Situation unter grossem Stress arbeiteten, wurde jedem Zuschauer klar. Auch Sarah Koller fühlte sich nach dem Wettbewerb nach eigenem Bekunden „fix und fertig“.

Ein klarer Sieger
Die Bewertung der ausgeführten Arbeiten erfolgte durch ein internationales Expertengremium. Die Jurierung entsprach wie gewohnt den Vorgaben, die an den Berufsweltmeisterschaften gelten. Sarah Koller hat sich ihren dritten Rang redlich verdient, nur einige kleine Patzer verhinderten, dass sie den zweiten Rang belegte. Der Ire Fergal Feehely war allerdings eine Klasse für sich und gewann entsprechend mit einem Vorsprung. Alle Teilnehmenden äusserten sich begeistert über die Kontakte, welche sie hier knüpfen durften, die Sprachbarrieren waren schon nach kurzer Zeit abgebaut.

Zufriedener Schweizer Wettbewerbsleiter
Der Wettbewerb fand in der grossen Arbeitshalle einer Berufsschule statt. Täglich begeisterten sich viele Besucher an den Arbeiten, auch das staatliche Fernsehen berichtete in den Hauptnachrichten über den Anlass. Sarah Koller wurde zudem in einer grossen Tageszeitung mit einem Bildbericht gewürdigt; das blieb der Bazenheiderin bislang in der Schweiz verwehrt. Wettbewerbsleiter Ueli Küenzi – natürlich ein Schweizer! – war mit der Meisterschaft sehr zufrieden: „Alles klappte wirklich perfekt. Das Niveau der Wettkämpfe war sehr hoch, umso wertvoller ist das gute Abschneiden von Sarah Koller.“ Für die Schweizer Malerinnen und Maler wird die bronzene Auszeichnung zur Gewohnheit: An den Berufs-WM in Helsinki erreichte 2005 Lorenz Hofer ebenfalls den dritten Rang.

Rangliste
1. Fergal Feehely, Irland (71,45 Punkte)
2. Martine Ihry, Luxemburg (63.70)
3. Sarah Koller, Schweiz (61.80)
4. Lourens Wagenaar, Niederlande (51,84)
5. Riikka Silvennoinen, Finnland (51,46)
6. Pavel Kirchner, Tschechien (47,74)
7. (in alphabetischer Reihenfolge): Emil Grönholm (Schweden; Leon Noble (Grossbritannien), Janar Nool (Estland); Tekla Tomsics (Ungarn); Tomas Toth (Slowakei)


Ohne Fleiss kein Preis: Das Zuschneiden von Schablonen gehört dazu.


In dieser Koje hat Sarah Koller 20 Stunden hart gearbeiten - in enger Tuchfühlung mit dem Publikum.


Das grosse Werk ist vollbracht Sarah Koller wurde mit ihrer Aufgabe noch rechtzeitig fertig.


Der grosse Augenblick: Sarah Koller (rechts) mit Fergal Feehely und Martine Ihry auf dem Podest.

Schweizer Berufsmeisterschaft der Kosmetikerinnen

Dank der gesammelten Erfahrungen an den World Skills 2005 in Helsinki konnte der Schweizer Fachverband für Kosmetik seinen nationalen Wettkampf noch professioneller als bisher durchführen. Neue Schweizermeisterin wurde die Bernerin Nadine Berger.


Bereits beim letzten nationalen Wettbewerb der jungen Kosmetikerinnen betonte Edith Roth, Präsidentin des Schweizer Fachverbandes für Kosmetik (sfk), dass man dank der neu gesammelten Wettkampferfahrung an der Berufs-WM in St. Gallen besser auf die World Skills vorbereitet sei als bisher. Und so war es denn auch: die damalige Schweizermeisterin Rachel Wolfisberg erkämpfte sich in Helsinki 2005 den ehrenvollen vierten Rang und verpasste eine Medaille nur mit viel Pech.

Nur wenige trauten sich
So war es für Rachel Wolfisberg ein Leichtes, den diesjährigen zweitägigen Kampf um den Schweizermeistertitel der besten jungen Kosmetikerin sachkundig zu moderieren. Im "Haus der Schönheit" in Suhr zeigten die vier Kandidatinnen ihr Können vor einem interessierten Fachpublikum, unterstützt von Freunden und Angehörigen. Ein kleiner Wehrmutstropfen für alle Beteiligten war, dass sich nicht mehr Lehrabgängerinnen für die Teilnahme am Wettkampf entscheiden konnten. „Frauen trauen sich oft nicht, sie nehmen die Herausforderung nicht an“, bedauerte Edith Roth. Doch zugleich sei es ganz wichtig, dass man sie unterstütze und trage, doch das klappe halt manchmal auch nicht optimal. Chefexpertin Susan Meier sah das ähnlich: „Es fehlt leider der letzte Kick zum Mitmachen.“ Sowohl Roth als auch Meier betonten, an mangelnder Information könne das geringe Interesse nicht gelegen haben. Denn zusammen mit Rachel Wolfisberg besuchten die Fachfrauen Lehrabschlussprüfung um Lehrabschlussprüfung und stellten den nationalen und internationalen Berufswettbewerb vor.
„Superschade“, kommentierte die Weltmeisterschaftsteilnehmerin Rachel Wolfisberg, die sich wünschte, dass künftig Lehrmeister und Chefinnen vermehrt hinter den Wettkämpfen stehen. Denn die WM Helsinki sei für sie nicht nur beruflich, sondern auch menschlich eine einmalig gute Erfahrung und zudem Antrieb für ihre heutige Weiterbildung zur Make-up-Artist in Deutschland gewesen.

Herausforderung Japan
Die vier schliesslich angetretenen Kandidatinnen aber gaben in Suhr ihr Bestes, was angesichts der an-spruchsvollen Aufgaben wie Körper-pflege für den Herrn, Spezial-Fusspflege für den Herrn, Gesichtsbehandlung einer atrophischen Haut oder festliches Abend-Make-up nach dem Motto „Asiatische Nächte“ nicht wenig war. Gewählt hatte man das Thema Asien nicht von ungefähr, sollten die Teilnehmerinnen so doch schon ein bisschen auf die WM 2007 in Japan eingestimmt werden. „Wir haben es den jungen Frauen überlassen, ihre Kreativität einzusetzen“, erläuterte Edith Roth. Dank den Erfahrungen, die Susan Meier als internationale Expertin in Helsinki gesammelt hatte, wurden dabei die Wettbewerbsbedingungen und das Bewertungsschema möglichst realitätsnah umgesetzt. Denn die Expertin weiss heute schon, dass die WM in Japan zu einer besonderen Herausforderung wird. „Die Kultur ist total anders, asiatische Haut und Gesichter sind anders, und wir sind komplett im Unklaren, welche Produkte verwendet werden – das müssen wir alles noch herausfinden.“ Die Siegerin Nadine Berger wird sich während ihres rund 40-tägigen WM-Coaching durch Susan Meier mit all diesen Problemen auseinandersetzen müssen.
Den diesjährigen Meisterschaftsteilnehmerinnen attestierten Roth und Meier ein sehr gutes Niveau. „Sie arbeiteten wirklich mit einer bewundernswerten Ausstrahlung, viel Ruhe und sehr konzentriert“, freute sich die sfk-Präsidentin. Und Susan Meier doppelte nach: „Das ist nötig. An einer WM werden alle Fähigkeiten gebraucht, dazu Durchsetzungsvermögen, Nervenstärke und Selbstbewusstsein.“

Publikum „ausschalten“
Dass sie schon über etliche dieser Qualitäten verfügen, zeigten die jungen Frauen auch nach getaner Arbeit, indem sie völlig unaufgeregt ans Aufräumen gingen. Alle bekundeten, der Wettkampf habe ihnen Spass gemacht und sei eine gute Erfahrung gewesen. So meinte etwa Silbermedaillengewinnerin Serena Mauro: „Ich bin sehr motiviert in meinem Beruf; ich werde auf jeden Fall weitermachen und mich weiterbilden.“ Was beim Wettkampf raus-komme, sei eigentlich egal, „es war so oder so super“. Ähnlich lautete das Urteil von Siegerin Nadine Berger: „Nur schon das Mitmachen hat sich gelohnt.“ Etwas hat sie jedoch gelernt, was sie auch in Japan wird gut brauchen können. „Wir arbeiten normalerweise sonst immer in totaler Ruhe; die Ablenkung durch das Publikum ist sehr anstrengend, man muss das ausschalten.“


Rangliste
1. Nadine Berger, Bern (Lehrbetrieb EFAKOS Elitefachschule für Kosmetik; Arbeitsstelle: Kosmetik Aerni, Bern)
2. Serena Mauro, Zürich (Lehrbetrieb/Arbeitsstelle: Kosmetikinstitut Riedberger, Zürich)
3. Valeria Buonamano, Schaffhausen (Nives Cosmetic, Thayngen SH; heute Selbständigerwerbende)
4. Michèle Mahrer, Möhlin (EFAKOS, Wellness Shop Merz, Reinach BL)


Sie lieferten sich einen hochstehenden Wettkampf (v.l.): Michèle Mahrer, Valeria Buonamano, Serena Mauro und Nadine Berger.


Nadine Berger


Serena Mauro


Valeria Buonamano


Michèle Mahrer


Gruppenbild mit lauter Damen: alle Teilnehmerinnen, Jury-Mitglieder und die sfk-Präsidentin Edith Roth (Dritte von rechts).


Sie waren an den beiden letzten Berufs-WM dabei: Rachel Wolfisberg (rechts, Helsinki 2005) und Nadja Comi (St. Gallen 2003).


Für sie beginnt bald die Vorbereitung für die WM 2007 in Japan: Chefexpertin Susan Meier und Nadine Berger.


Der Wettkampf im Suhrer Haus der Schönheit fand eine grosse Beachtung, obwohl er am Wochenende statgefunden hat.