Maler-Europameisterschaft: Schweizerin holt Bronze

Kürzlich fand in Olomouc (Tschechien) die Europameisterschaft des Internationalen Maler-Berufsverbandes UNIEP statt. Bei diesem Wettkampf massen sich die besten Berufsleute aus ganz Europa. Die Schweizerin Sarah Koller eroberte im hochklassigen Teilnehmerfeld die Bronzemedaille.

Die 21-jährige St. Gallerin Sarah Koller qualifizierte sich mit dem zweiten Rang an den Schweizermeisterschaften 2005 für die Europameisterschaft und bereitete sich während einigen Monaten gezielt auf diesen Wettbewerb vor. Mit Otto Rüger als Trainer übte sie die geforderten Arbeitstechniken und entwarf selber eine freie Wandgestaltung; zugleich absolvierte sie auch ein Mentaltraining an der ETH in Zürich. Erst mit einer solchen Grundlage wird es möglich, in einem öffentlichen Wettkampf vor vielen interessierten Zuschauern die schwierige Aufgabe in bester Qualität umzusetzen.

Stress bis zum Schlus
Die Aufgabenstellung umfasste ein breites Spektrum von fachtechnischen und gestalterischen Malerarbeiten; sie mussten innert 20 Stunden ausgeführt werden. Das war knapp: beinahe alle elf Teilnehmenden konnten eine fertige Arbeitskoje abliefern, niemand wurde allerdings auch nur fünf Minuten vor Wettkampfende fertig. Dass die Kandidaten in dieser Situation unter grossem Stress arbeiteten, wurde jedem Zuschauer klar. Auch Sarah Koller fühlte sich nach dem Wettbewerb nach eigenem Bekunden „fix und fertig“.

Ein klarer Sieger
Die Bewertung der ausgeführten Arbeiten erfolgte durch ein internationales Expertengremium. Die Jurierung entsprach wie gewohnt den Vorgaben, die an den Berufsweltmeisterschaften gelten. Sarah Koller hat sich ihren dritten Rang redlich verdient, nur einige kleine Patzer verhinderten, dass sie den zweiten Rang belegte. Der Ire Fergal Feehely war allerdings eine Klasse für sich und gewann entsprechend mit einem Vorsprung. Alle Teilnehmenden äusserten sich begeistert über die Kontakte, welche sie hier knüpfen durften, die Sprachbarrieren waren schon nach kurzer Zeit abgebaut.

Zufriedener Schweizer Wettbewerbsleiter
Der Wettbewerb fand in der grossen Arbeitshalle einer Berufsschule statt. Täglich begeisterten sich viele Besucher an den Arbeiten, auch das staatliche Fernsehen berichtete in den Hauptnachrichten über den Anlass. Sarah Koller wurde zudem in einer grossen Tageszeitung mit einem Bildbericht gewürdigt; das blieb der Bazenheiderin bislang in der Schweiz verwehrt. Wettbewerbsleiter Ueli Küenzi – natürlich ein Schweizer! – war mit der Meisterschaft sehr zufrieden: „Alles klappte wirklich perfekt. Das Niveau der Wettkämpfe war sehr hoch, umso wertvoller ist das gute Abschneiden von Sarah Koller.“ Für die Schweizer Malerinnen und Maler wird die bronzene Auszeichnung zur Gewohnheit: An den Berufs-WM in Helsinki erreichte 2005 Lorenz Hofer ebenfalls den dritten Rang.

Rangliste
1. Fergal Feehely, Irland (71,45 Punkte)
2. Martine Ihry, Luxemburg (63.70)
3. Sarah Koller, Schweiz (61.80)
4. Lourens Wagenaar, Niederlande (51,84)
5. Riikka Silvennoinen, Finnland (51,46)
6. Pavel Kirchner, Tschechien (47,74)
7. (in alphabetischer Reihenfolge): Emil Grönholm (Schweden; Leon Noble (Grossbritannien), Janar Nool (Estland); Tekla Tomsics (Ungarn); Tomas Toth (Slowakei)


Ohne Fleiss kein Preis: Das Zuschneiden von Schablonen gehört dazu.


In dieser Koje hat Sarah Koller 20 Stunden hart gearbeiten - in enger Tuchfühlung mit dem Publikum.


Das grosse Werk ist vollbracht Sarah Koller wurde mit ihrer Aufgabe noch rechtzeitig fertig.


Der grosse Augenblick: Sarah Koller (rechts) mit Fergal Feehely und Martine Ihry auf dem Podest.

Schweizer Berufsmeisterschaft der Kosmetikerinnen

Dank der gesammelten Erfahrungen an den World Skills 2005 in Helsinki konnte der Schweizer Fachverband für Kosmetik seinen nationalen Wettkampf noch professioneller als bisher durchführen. Neue Schweizermeisterin wurde die Bernerin Nadine Berger.


Bereits beim letzten nationalen Wettbewerb der jungen Kosmetikerinnen betonte Edith Roth, Präsidentin des Schweizer Fachverbandes für Kosmetik (sfk), dass man dank der neu gesammelten Wettkampferfahrung an der Berufs-WM in St. Gallen besser auf die World Skills vorbereitet sei als bisher. Und so war es denn auch: die damalige Schweizermeisterin Rachel Wolfisberg erkämpfte sich in Helsinki 2005 den ehrenvollen vierten Rang und verpasste eine Medaille nur mit viel Pech.

Nur wenige trauten sich
So war es für Rachel Wolfisberg ein Leichtes, den diesjährigen zweitägigen Kampf um den Schweizermeistertitel der besten jungen Kosmetikerin sachkundig zu moderieren. Im "Haus der Schönheit" in Suhr zeigten die vier Kandidatinnen ihr Können vor einem interessierten Fachpublikum, unterstützt von Freunden und Angehörigen. Ein kleiner Wehrmutstropfen für alle Beteiligten war, dass sich nicht mehr Lehrabgängerinnen für die Teilnahme am Wettkampf entscheiden konnten. „Frauen trauen sich oft nicht, sie nehmen die Herausforderung nicht an“, bedauerte Edith Roth. Doch zugleich sei es ganz wichtig, dass man sie unterstütze und trage, doch das klappe halt manchmal auch nicht optimal. Chefexpertin Susan Meier sah das ähnlich: „Es fehlt leider der letzte Kick zum Mitmachen.“ Sowohl Roth als auch Meier betonten, an mangelnder Information könne das geringe Interesse nicht gelegen haben. Denn zusammen mit Rachel Wolfisberg besuchten die Fachfrauen Lehrabschlussprüfung um Lehrabschlussprüfung und stellten den nationalen und internationalen Berufswettbewerb vor.
„Superschade“, kommentierte die Weltmeisterschaftsteilnehmerin Rachel Wolfisberg, die sich wünschte, dass künftig Lehrmeister und Chefinnen vermehrt hinter den Wettkämpfen stehen. Denn die WM Helsinki sei für sie nicht nur beruflich, sondern auch menschlich eine einmalig gute Erfahrung und zudem Antrieb für ihre heutige Weiterbildung zur Make-up-Artist in Deutschland gewesen.

Herausforderung Japan
Die vier schliesslich angetretenen Kandidatinnen aber gaben in Suhr ihr Bestes, was angesichts der an-spruchsvollen Aufgaben wie Körper-pflege für den Herrn, Spezial-Fusspflege für den Herrn, Gesichtsbehandlung einer atrophischen Haut oder festliches Abend-Make-up nach dem Motto „Asiatische Nächte“ nicht wenig war. Gewählt hatte man das Thema Asien nicht von ungefähr, sollten die Teilnehmerinnen so doch schon ein bisschen auf die WM 2007 in Japan eingestimmt werden. „Wir haben es den jungen Frauen überlassen, ihre Kreativität einzusetzen“, erläuterte Edith Roth. Dank den Erfahrungen, die Susan Meier als internationale Expertin in Helsinki gesammelt hatte, wurden dabei die Wettbewerbsbedingungen und das Bewertungsschema möglichst realitätsnah umgesetzt. Denn die Expertin weiss heute schon, dass die WM in Japan zu einer besonderen Herausforderung wird. „Die Kultur ist total anders, asiatische Haut und Gesichter sind anders, und wir sind komplett im Unklaren, welche Produkte verwendet werden – das müssen wir alles noch herausfinden.“ Die Siegerin Nadine Berger wird sich während ihres rund 40-tägigen WM-Coaching durch Susan Meier mit all diesen Problemen auseinandersetzen müssen.
Den diesjährigen Meisterschaftsteilnehmerinnen attestierten Roth und Meier ein sehr gutes Niveau. „Sie arbeiteten wirklich mit einer bewundernswerten Ausstrahlung, viel Ruhe und sehr konzentriert“, freute sich die sfk-Präsidentin. Und Susan Meier doppelte nach: „Das ist nötig. An einer WM werden alle Fähigkeiten gebraucht, dazu Durchsetzungsvermögen, Nervenstärke und Selbstbewusstsein.“

Publikum „ausschalten“
Dass sie schon über etliche dieser Qualitäten verfügen, zeigten die jungen Frauen auch nach getaner Arbeit, indem sie völlig unaufgeregt ans Aufräumen gingen. Alle bekundeten, der Wettkampf habe ihnen Spass gemacht und sei eine gute Erfahrung gewesen. So meinte etwa Silbermedaillengewinnerin Serena Mauro: „Ich bin sehr motiviert in meinem Beruf; ich werde auf jeden Fall weitermachen und mich weiterbilden.“ Was beim Wettkampf raus-komme, sei eigentlich egal, „es war so oder so super“. Ähnlich lautete das Urteil von Siegerin Nadine Berger: „Nur schon das Mitmachen hat sich gelohnt.“ Etwas hat sie jedoch gelernt, was sie auch in Japan wird gut brauchen können. „Wir arbeiten normalerweise sonst immer in totaler Ruhe; die Ablenkung durch das Publikum ist sehr anstrengend, man muss das ausschalten.“


Rangliste
1. Nadine Berger, Bern (Lehrbetrieb EFAKOS Elitefachschule für Kosmetik; Arbeitsstelle: Kosmetik Aerni, Bern)
2. Serena Mauro, Zürich (Lehrbetrieb/Arbeitsstelle: Kosmetikinstitut Riedberger, Zürich)
3. Valeria Buonamano, Schaffhausen (Nives Cosmetic, Thayngen SH; heute Selbständigerwerbende)
4. Michèle Mahrer, Möhlin (EFAKOS, Wellness Shop Merz, Reinach BL)


Sie lieferten sich einen hochstehenden Wettkampf (v.l.): Michèle Mahrer, Valeria Buonamano, Serena Mauro und Nadine Berger.


Nadine Berger


Serena Mauro


Valeria Buonamano


Michèle Mahrer


Gruppenbild mit lauter Damen: alle Teilnehmerinnen, Jury-Mitglieder und die sfk-Präsidentin Edith Roth (Dritte von rechts).


Sie waren an den beiden letzten Berufs-WM dabei: Rachel Wolfisberg (rechts, Helsinki 2005) und Nadja Comi (St. Gallen 2003).


Für sie beginnt bald die Vorbereitung für die WM 2007 in Japan: Chefexpertin Susan Meier und Nadine Berger.


Der Wettkampf im Suhrer Haus der Schönheit fand eine grosse Beachtung, obwohl er am Wochenende statgefunden hat.

"La Cuisine des Jeunes" fest in Frauenhand

Pascale Brigger vom Reha-Zentrum im bernischen Heiligenschwendi heisst die diesjährige Jungköchin, die dank ihres Sieges im Kochfinale um die Trophäe von „La Cuisine des Jeunes“ auf eine vielversprechende Zukunft hoffen darf.

Die Siegerin des diesjährigen, erneut von der Proviande im Rahmen des Projektes von „Schweizer Fleisch“ durchgeführten Kochfinales, sicherte sich in einer sehr knappen Entscheidung den Sieg mit einem Menü, bei welchem Schweizer Schweinshuft miteinbezogen werden musste. Das Menü, die tadellose Zubereitung, die Arbeitsweise und der Geschmack des Gerichtes überzeugte die vierköpfige Fachjury unter dem Vorsitz von Erhard Gall. Der bekannte Berner Gastronomie-Fachlehrer war von Pascales Leistung sichtlich beeindruckt: “Sie hat den Sieg absolut verdient, sie war doch eine Spur besser als ihre drei männlichen Konkurrenten.“


Sie setzte sich im Final gegen drei männliche Konkurrenten durch: Pascale Brigger.

Einmaliger Triumph der Schweizer Zimmerleute


Die Schweizer Zimmerleute sind in Europa klar die Besten: Dies ist das erfreuliche Fazit der 7. Europameisterschaften 2006, die in Luxemburg durchgeführt wurden.

In der Einzelwertung belegten die Eidgenossen die Plätze eins zwei und vier, und auch die Nationenwertung konnte das Schweizer Trio klar für sich entscheiden. Europameister wurde der Berner Adrian Wenger, Silber ging an den Schaffhauser Hansruedi Gysel; mit dem undankbaren vierten Platz musste sich ein weiterer
Berner, Stephan Messerli, begnügen. Alle drei keine Unbekannten: Wenger gewann die Schweizermeisterschaften 2005 vor Messerli und Gysel. Gecoacht wurde das Sensationsteam von Hansjörg Rechsteiner (Berufsweltmeister 2001).
Das Abschneiden der Schweizer Delegation löste beim Branchenverband Holzbau Schweiz eine grosse Begeisterung aus. Peter Elsasser, Chef der Abteilung Berufsbildung kann sich ein Schmunzeln noicht verkrneifen: „Glücklicherweise konnte sich Frankreich eine Bronzemedaille sichern, sonst wäre es für die anderen Nationen total demotivierend. Der Schweizer Erfolg ist allerdings kein Zufall, unsere Kandidaten werden von erfahrenen ehemaligen Wettkämpfern gezielt vorbereitet.“ Dieses Betreuerteam hat es tatsächlich in sich: Mit von der Partie sind neben Rechsteiner Stefan Schoch (Weltmeister 2003) sowie die ehemaligen Europameister Martin Hochuli und Gabriel Koller.
Für Adrian Wenger, der seine Berufslehre bei der Peter Holzbau AG in Blumenstein absolvierte, bedeutet der Sieg in Luxemburg zugleich die Fahrkarte zur nächsten Berufs-WM, die 2007 in Japan stattfindet.

Rangliste

Einzelwertung
1. Adrian Wenger (CH, 75,17 Punkte)
2. Hansruedi Gysel (CH, 74,99)
3. Camille Recordet (F, 73,14)
4. Stephan Messerli (CH, 70,72)
5. Mario Denoth (A, 66,63)
6. Sven Wacker (D, 63,22)

Nationenwertung
1. Schweiz (75,08 Punkte)
2. Frankreich ((68,06)
3. Österreich (61,69)
4. Deutschland (59,74)
5. Italien (47,14)
6. Luxemburg (31,83)



Fast unheimlich: Das Schweizer Team hat Frankreich (rechts) und Österreich klar hinter sich gelassen.


Ein Berner im dritten HImmel: Adrian Wenger gewann die Europameisterschaft und qualifizierte sich für die WM 2007 in Japan.


Nur der Franzose Camille Recordet (links) konnte als Dritter den totalen Schweizer Triumph verhindern, Adrian Wenger (Mitte) und Hansruedie Gysle waren aber eine Klasse für sich.

1. Schweizer Meisterschaft der Bekleidungsgestalterinnen

Der 1. Schweizer Meisterschaft der Bekleidungsgestalterinnen war ein voller Erfolg beschieden. Gewonnen hat den anspruchvollen Wettkampf Nicole von Ah aus Stalden.

Die Schweizer Damenschneiderinnen, heute amtlich-offiziell "Bekleidungsgestalterinnen/Richtung Damenbekleidung" genannt, gehörten in der Vergangenheit an den Berufsweltmeisterschaften zu den sicheren Werten: In der Regel holten sie Medaillen wie etwa Sabine Stanger, die 2005 in Helsinki Bronze gewann oder Karin Bischoff, die 1997 in St. Gallen gar Gold eroberte. Doch nun geriet diese Tradition in Gefahr, weil sich niemand fand, der eine Schweizermeisterschaft durchführen konnte und wollte. Die erfahrene internationale Expertin Annette Stähli schafft dann doch das schier Unmögliche und gründete mit einer Handvoll Gleichgesinnter den Verein SwissCouture. Diese Organisation trat in Basel an der 1. Berufs- und Bildungsmesse erstmals als Veranstalter einer Berufsmeisterschaft in Erscheinung.

Echter Glücksfall
Die Premiere wurde zu einem Glanzerfolg. Als grosser Glücksfall erwies sich die Einbettung in der Berufsschau, die gleich bei ihrer ersten Austragung zum Publikummagnet wurde. Annette Stähli: „Es war beiden Seiten gedient. Die Schau bot einen wunderschönen und würdigen Rahmen für unseren Wettbewerb, der aber eine der Attraktionen der ganzen Veranstaltung war.“ Beizufügen wäre, dass die Informationen über die Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin (bzw. zum Bekleidungsgestalter) reissenden Absatz fanden. „Der Auftritt war für unsere Beruf die beste Propaganda“, freute sich Stähli.

Kein Konkurrenzkampf
Einen grossen Anteil an diesem Erfolg hatten natürlich die acht Kandidatinnen. Sie hatten schlicht den Plausch am öffentlichen Wettkampf und an der Begegnung mit den Kolleginnen. „Wir haben uns eigentlich gar nicht als Konkurrentinnen empfunden, sondern als Freundinnen, die das gleiche Ziel haben“, beschrieb die Siegerin Nicole von Ah die Gemütslage. Auch Annette Stähli machte diese Beobachtung: „Sie alle haben aneinander stets geholfen. Das sieht man bei Wettbewerben praktisch nie.“

Heikle Aufgabe
Die Aufgabe hatte es jedenfalls in sich: Innerhalb von 16 Arbeitsstunden galt es, eine moderne Lumberjacke anzufertigen. Die Jacke war aus einem Polyesterstoff, das Futter bestand aus Viscose, beides recht heikle Materialien. Über die schwierigsten Elemente waren sich die Kandidatinnen nicht einig. Nicole von Ah und Melanie Koch nannten die Einsetzung von Ärmeln, während die beiden Tessinerinnen Chiara Zuffi und Stefanie Dragun die aufgesetzten Taschen als grösstes Risikoherd sahen. Maximal konnten 100 Punkte erreicht werden, 72 für Verarbeitung und je 14 für Zuschneiden und Bügeln. Nicole von Ah hatte am besten gearbeitet. Ihre Knopflöcher und Taschen (und selbstverständlich die Ärmel!) waren nahezu perfekt, was ihr am Schluss einen riesigen Vorsprung einbrachte. Annette Stähli war dennoch mit allen acht Arbeiten zufrieden: „Man muss auch berücksichtigen, dass fünf der acht Kandidatinnen noch im dritten Lehrjahr stecken.“ Bemerkenswert sei auch die Tatsache, dass alle mit der Aufgabe rechtzeitig fertig wurden. Am knappsten wurde es übrigens für die Silbermedaillengewinnerin Anna Christina Knoll, die quasi mit dem Schlussgong die letzten Falten ausbügelte.

Stefanies „esperienza“
Eines der „Kücken“ war Stefanie Dragun. Die 18-jährige Frau aus Gordola, die in Lugano-Viganello die renommierte Schulwerkstätte SAMS besucht, avancierte zum eigentlichen Liebling des Wettkampfes, weil sie trotz einer grossen Behinderung – ihr fehlt die linke Hand – voll mithalten konnte. Etwas mehr Zeit hätte sie gerne gehabt, in der Schule sei das Arbeitstempo nicht so wichtig, meinte sie nach Meisterschaftsabschluss. Ihr Handicap wischte sie einfach weg: „Ich habe halt meine Kniffe, ich kann die Nachteile gut kompensieren.“ Ihr Fazit: „Es hat unheimlich gelohnt, hier in Basel mitzumachen, es war eine bella esperienza, eine schöne Erfahrung.“

Nächstes Ziel: Japan
Annette Stähli hofft nun, dass es SwissCouture gelingt, die nötigen Mittel aufzubringen, um Nicole von Ah eine Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft 2009 in Japan zu ermöglichen. „Nach der gelungenen Schweizermeisterschaft dürfte es wahrscheinlich einfacher sein Unterstützung zu finden“, meinte die Expertin und Vereinspräsidentin. Die frisch gebackene Meisterin, die für ihren Sieg von der Firma Pfaff eine Luxusnähmaschine erhielt, wäre das Mitmachen an der Berufs-WM eine grosse Herausforderung. „Ich bin bei meinem ersten Wettkampf auf den Geschmack gekommen – und ich weiss jetzt auch, dass ich etwas kann“, hielt Nicole von Ah nach der Siegerehrung selbstbewusst fest.

Prominenter Gast
Wie wichtig der Basler Anlass für die Couture-Branche war, zeigte sich bei der Preisverteilung: Die Medaillen wurden von der weltbekannten Zürcher Modedesignerin Christa de Carouge überreicht. Die Modemachrein zeigte sich von der Arbeit der Kandidatinnen sehr beeindruckt: "Sie haben alle gezeigt, dass sie das Zeug für höhere Aufgaben haben."


Rangliste


1. Nicole von Ah, Stalden (Lehrbetrieb: Irene Bürgi, Lungern, heutiger Arbeitsort Silvia Lotterbach, Weggis/Basel)
2. Anna Christina Knoll, Lenzburg (A.B. Baumann, Niederrohrdorf)
3. Melanie Koch, Basel (BfS Basel)
4 (in alphabetischer Reihenfolge): Melanie Bailer, Nürensdorf (Modeco, Zürich); Stefanie Blatter, Unterseen (Schlossbergschule Spiez); Stefanie Dragun, Gordola (SAMS Viganello); Stephanie Gardi, Unterägeri (Couture Grüter, Hünenberg); Chiara Zuffi, Sala Capriasca (SAMS Viganello).



Sie holten sich die Medaillen (v.l.): Melanie Koch, Nicole von Ah und Anna Christina Knoll.

Sie waren eher Freundinnen als Konkurrentinnen (v.l.): Stephanie Gardi, Stefanie Blatter, Melanie Koch, Nicole von Ah, Anna Christina Knoll, Melanie Bailer, Chiara Zuffi, Stefanie Dragun und Chefin Anette Stähli.


Nicole von Ah


Anna Christina Knoll


Melanie Koch


Melanie Bailer


Stefanie Blatter


Stefanie Dragun


Stephanie Gardi


Chiara Zuffi


Die Jury hat eine Superarbeit geleistet (v.l.): Anette Stähli, Ruth Beugger, Yvonne Altenbach, Mirjam Niedermann, Frieda Müller, Rosemarie Dellsperger und Ilse Monforte.



Stars unter sich: Designerin Christa Carouge über Nicole von Ah die Goldmedaille.


Wertvolles Geschenk: Nicole von Ah erhielt von der Firma Pfaff eine Super-Nähmaschine.


Geteilte Freude ist dopppelte Ferude: Nicole von Ah mit ihrer Mutter (links) und ihrer Chefin Silvia Lottenbach.


Sie fühlten sich an die schönen alten Zeiten erinnert: Sabine Stanger (links, WM-Bronze 2005) und Karin Bischoff (WM-Gold 1997).

Die Schweiz gewinnt Bäcker-Europacup

Die Schweiz hat den an der Internationalen Bäckerei-Ausstellung (iba) in München erstmals ausgetragenen Cup der europäischen Bäckerei vor Frankreich und Deutschland gewonnen. Im vierten Rangkalssierten sich gemeinsam Spanien, Polen und Österreich. Die Leistung des Schweizer Team, das aus Marianne Kuhnen und Urs Zuberbühler bestand, war sehr eindrücklich in allen Bereichen wie Kreativität, Vielfalt, Genauigkeit, Arbeitsleistung, Aussehen, Geschmack und Präsentation. Das Duo hat sich an der Richemont Fachschule in Luzern intensiv auf den Wettkampf vorbereitet. Sämtliche Jurymitglieder haben die beiden jungen Berufsleute auf den 1. Rang gesetzt.

Die iba, auch "Weltmarkt des Backens" genannt, ist die weltweit grösste Ausstellung der Bäckerei-Konditorei-Branche. An der Messe in München wurden über 70000 Fachbesucher registriert. Der Schweizer Sieg imneu eingeführten Europacup stellt beste Werbung für das schweizerische Bäcker-Konditor-Gewerbe dar, wurden doch die Arbeiten von Experten aus der ganzen Welt bewundert.



Ein Prestigeerfolg für das Schweizer Bäcker-Konditor-Gewerbe: Marianne Kuhnen und Urs Zuberbühler gewann überlegen den Europacup.

Konditoren WM: Silbermedaille für die Schweiz

An der diesjährigen Weltmeisterschaft der Konditoren In Berlin konnte der 24-jährige Zürcher Fabian Rimann dank einer grossartigen Leistung die Silbermedaille erobern. Gewonnen hat der jüngste Teilnehmer, der 22-jährige Ronald van Haarlem aus den Niederlanden.

An der Weltmeisterschaft der Konditoren nahmen sieben Teilnehmer aus Europa und Japan teil. Die Konditoren mussten an vier Wettkampftagen Torten backen, Pralinen herstellen und Eisdesserts zubereiten. Der Schweizer Kandidat Fabian Rimann hat sich während des ganzen Wettkampfes sehr engagiert gezeigt und eine äusserst ausgeglichene Leistung erbracht. Es reichte ihm schliesslich zur Silbermedaille, wobei der Abstand zum Sieger sehr gering war. Entscheidend war zweifellos die Königsdisziplin, das Zuckerschaustück, das vor einem grossen Publikum im legendären Kaufhaus Ka-We-De am letzten Wettkampftag gefertigt wurde. Der Gewinner van Haarlem kreierte eine rund 70 Zentimeter hohe Zuckerskulptur mit einer filigranen Blüte im Mittelpunkt sowie eine weitere Skulptur aus Schokolade, die einen fliegenden Fisch zeigte. Die Jury, in der auch der Schweizer Experte Werner Rüegsegger amtete, zeigte sich echt beindruckt…


Ein Riesenerfolg für Fabian Rimann (hier mit seinen Produkten).


Sie strahlten um die Wette: Weltmeister Ronald van Haarlem (rechts) und Fabian Rimann.

3. Schweizermeisterschaften der Kältebranche in Gondola

Einen äusserst spannenden Verlauf nahm die diesjährige Schweizermeisterschaft der Kältebranche im Tessin: Bei den Kälteplanern gab zweimal Gold und die Entscheidungen bei den Kältemonteuren fiel sehr knapp aus.

16 berufsbegeisterte Kältemonteure und Kältezeichner aus allen drei Sprachregionen kämpften an den Schweizermeisterschaften der Kältebranche im Centro Formazione Professionale in Gordola um Medaillen.

Hohe Beteiligung
In der Kältebranche werden gesamtschweizerisch pro Jahr kaum mehr als 50 Lehrverträge abgeschlossen. „Die Beteiligung an den diesjährigen Schweizermeisterschaften ist so besehen ausserordentlich und sicherlich grösser als je zuvor“ unterstrich Alex Hug, Präsident der Berufsbildungskommission. Dafür ausschlaggebend seien mehrere Gründe gewesen: „Erstens sind in der Berufsbildungskommission immer alle Sprachregionen vertreten, und wir lösen unsere Aufgaben teamorientiert. Zweitens haben die Tessiner Kollegen ein attraktives Programm aufgelegt und drittens dürften die Zielsetzungen motivierend gewirkt haben. Wir haben hervorgehoben, dass die Anforderungen konsequent auf Lernende des letzten Lehrjahres ausgerichtet sind und dass der Ablauf der Meisterschaften, das Rahmenprogramm und die Art der Aufgabenstellung jedem Teilnehmer Impulse verleihen werden. Es geht nicht nur um Ranglisten. Ziel ist vielmehr, Begeisterung am Beruf, Freude an der Leistung und ein prägendes Erlebnis zu vermitteln. Und dazu unterstützen uns die Lehrmeister und Berufsschulen ebenso wie die Sponsoren.“

Keine Sprachprobleme
Am Vorabend der eintägigen Wettbewerbe trafen sich die Jugendlichen mit den Experten zur Vorbereitung. Arbeitsplätze wurden zugewiesen, Prüfungsaufgaben erläutert und das Bewertungssystem erklärt. Anschliessend traf man sich zu einem typischen Tessinerabend in lockerer Stimmung. „Der Start ist geglückt“, stellte Silvan Schaller, Präsident des organisierenden Schweizerischen Vereins für Kältetechnik (SVK), Präsident befriedigt fest. „Wenn Westschweizer beginnen, deutsch zu sprechen und Tessiner sich in Englisch mit Deutschschweizern fröhlich unterhalten, dann sind sprachliche Hürden überwunden und findet ein echter Informationsaustausch statt.“ Enrico Girola, Präsident der Tessiner SVK-Sektion, schob nach: „Typisch Tessin, hier findet man die innere Freiheit zu kommunizieren, selbst wenn die Sprachkenntnisse lückenhaft sind.“

Wettkampf der Kältemonteure
Für Daniel Baumann, Chefexperte an Lehrabschlussprüfungen für Kältemonteure, umriss die Aufgabenstellung: „Sie muss anspruchsvoll, praxisnah und in der vorgegebenen Zeit lösbar sein.“ Zudem müsse sie sowohl für die Kandidaten als auch für das Publikum attraktiv sein. Die Zuschauer müssten schnell erfassen, was die Wettkämpfer machen und warum sie es tun. Deshalb war zum Beispiel die Druckprobe für alle spannend, bei der es um die Dichtheit der Lötnähte ging. Man konnte allfällige Fehler sehen: Wenn Luftblasen im Wasser aufstiegen, waren dass die Rohrverbindung nicht dicht. Das war bei fünf Teilnehmern der Fall. Ein Punkteabzug in der Bewertung war die Folge.
Konkret waren zwei Aufgaben zu lösen. Chefexperte Daniel Baumann: „Die erste war eine Kombination zwischen Löt- und Biegeübung aus Kupferrohren. Bewertet werden dabei Massgenauigkeit, Bördel, Löten, Biegen, Dichtheit, Plangenauigkeit, Arbeitsmethodik und Arbeitssicherheit.“ Die zweite Aufgabe war sehr praxisgerecht gestaltet: An einer portablen Kälteanlage musste ein Expansionsventil fachgerecht ersetzt werden. Bewertet wurden hier Störungsbehebung, Arbeitsmethodik, Umgang mit Kältemitteln (Umweltschutz!) sowie Arbeitssicherheit. Der Wettkampf bewegte sich auf einem sehr hohen Niveau, am Schluss entschieden winzige vier Punkte über den Sieg. Er ging an den Berner Manuel Schönholzerl. Einen Berner Doppelsieg konnte der Walliser Rolf Studer immerhin verhindern…

Kälteplaner zeichnen nicht
Kurt Koch, bisheriger Chefexperte an Lehrabschussprüfungen, hatte die Aufgaben für die Kälteplaner zusammen mit seinem Nachfolger Remo Kälin entwickelt. Dabei konnte ein zentrales Problem von Anfang an wirkungsvoll gelöst. Man fragte sich nämlich vor drei Jahren, wie denn verschiedene Arbeitsplätze mit CAD-Technik zur Verfügung gestellt werden könnten. Doch die jungen Berufsleute kamen den Experten zu Hilfe. Sie nahmen ihren eigenen Laptops mit und die Experten stellten Berechnungs- oder Kombinationsaufgaben so, dass ein Ausdruck gar nicht erforderlich wurde. Computer zeichnen alle schön, sagten sie sich und liessen diesen Bewertungspunkt fallen.
Planen setzt viel Kopfarbeit voraus und ebenso braucht es Freude, um Problemlösungen zu entwickeln. Die konkrete Aufgabe aus der beruflichen Alltagspraxis bot knifflige Überlegungen. Sie war in der vorgegebenen Zeit nicht vollständig lösbar, also galt es bei der Wertung festzustellen, welche Phasen und Arbeitschritte gewählt wurden. Die beiden Teilnehmer hatten damit jedenfalls keine Mühe. Verdientermassen teilten sie sich – da punktgleich – schliesslich den Sieg. Dem Berner Oberländer Rolf Schüpbach gebührt eine besondere Ehre: er hat als Kältemonteur an der Meisterschaft 2004 die Silbermedaille gewonnen!

Im Rampenlicht
Die Wettkämpfe standen voll im Rampenlicht, Medien und Prominenz wurden von der Tessiner SVK-Sektion voll eingebunden. Radio und Fernsehen verfassten Reportagen, und die Zeitungen räumten dem Anlass viel Platz ein. Sogar der Erziehungsminister, Staatsrat Gabriele Gendotti, liess sich vor Ort die Aufgaben erklären. Die Organisatoren konnten sich aber auch über viele fachkundige Besucher freuen.

Zwei Zukunftsberufe
Die beiden Berufe in der Kältetechnik-Branche gelten im Ausbaugewerbe als sehr zukunftsorientiert, nicht zuletzt wegen der Klimaerwärmung. „Allerdings sind unsere vierjährigen Grundausbildungen anspruchsvoll, man braucht viel technisches Flair und muss in Mathematik sattelfest sein“, betonte Bildungskommissionspräsident Alex Hug. Er bedauerte, dass bisher nur wenige Frauen die „coolen Berufe“ ergriffen haben, obwohl sie vielfach die Anforderungen erfüllten. Im kommenden Jahr wird der VSK übrigens erstmals die Berufsprüfung für Chefmonteure durchführen. Eine Technikerschule für Kältetechnik gibt es an der Gewerblich Industriellen Berufsschule in Bern hingegen bereits seit Jahren.


Ranglisten

Schweizermeisterschaft der Kältemonteure
1.Manuel Schönholzerl, Richigen BE (Lehrbetrieb: Walter Wettstein AG, Gümligen)
2.Rolf Studer, Visperterminen (Kälte-Stern AG, Visp)
3.Silvan Moser, Heimberg BE (Goetz AG, Interlaken)

4.(in alphabetischer Reihenfolge): Simone Anelotti, Tesserete TI (Biaggini SA, Cadenazzo); Shahin Hosseini, Rorbas-Freienstein ZH (Doufas Kältetechnik AG, Winkel); Georg Lieber, Frauenfeld (Scheco AG, Winterthur); Baptiste Morand, Bulle FR (Polyforce SA, Bulle); Alexandre Nendaz, Bramois. (LKS Froid SA, Ecublens); Cédric Panchaud, Bottens VD (Unifroid SA, Cugy sur Lausanne); Simone Panighetti, Lodrino TI (Biaggini SA, Cadenazzo); Thomas Remund, Münchenbuchsee (Kältetechnik AG, Zollikofen); Aleksander Zlatovic, Münchenbuchsee (Kältetechnik AG, Zollikofen); Andreas Zysset, Bern (Schaller UTO AG, Bern)



Die besten jungen Kältemonteure des Jahres 2006 (v.l): Silvan Moser (3.), Manuel Schönholzer (1.) und Rolf Studer (2.)


Sie liessen sich beide vom Staatsrat Gabriele Gendotti (rechts) zur Goldmedaille gratulieren: Rolf Schüpbach (links) und Sandro Stefanutti.