Berufsmeisterschaften der Gebäudetechnikbranche

Im Rahmen der Aargauischen Berufsschau kämpften in Lenzburg vor grossem Publikum die besten jungen Berufsleute der Gebäudetechnikbranche um den Schweizermeistertitel. Die Veranstaltung wurde zu einem grossen Erfolg.

Der Schweiss floss in Strömen während der fünf Tage, an denen die besten Lehrabschlussprüfungsabsolventen des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnik-Verbandes (suissetec) in der Berufsschule Lenzburg ihr Können um den Schweizermeistertitel massen. Die Kandidaten aller drei Berufe mussten dabei anspruchsvolle Arbeiten bewältigen, die den verschiedensten Techniken und dem ganzen Materialspektrum gerecht wurden.

Neu vor Publikum
Etwas verunsichert reagierte dabei der eine oder andere Wettbewerbsteilnehmer auf das anwesende, sehr interessierte Publikum. Denn um die suissetec-Berufe einer breiteren Öffentlichkeit und vor allem auch vielen Schulabgängern zugänglich zu machen, entschloss sich der Verband, die Meisterschaften anlässlich der Aargauischen Berufsschau in Lenzburg durchzuführen. "Eine sehr gute Sache", kommentierte der stellvertretende Sanitär-Obmann und internationale Experte Markus Niederer diesen Entscheid. Und auch Markus Pfander, Leiter Prüfungen bei suissetec, war des Lobes voll. „Das hier ist in jeder Hinsicht ein idealer Rahmen, um unsere Berufe vorzustellen.“ Für Pfander stand am letzten Wettkampftag fest, dass dieser Anlass sich bewährt hätte. So erstaunt es denn nicht, dass der Austragungsort für die nächsten suissetec-Schweizermeisterschaften bereits feststeht: es ist die Zürcher Berufsmesse im Herbst 2007. Bis zu diesem Zeitpunkt will man auch versuchen, die Lüftungsanlagebauer in die Wettbewerbe miteinzubeziehen.

Starkes Teilnehmerfeld
Nur lobende Worte fanden Niederer und Pfander auch für die Arbeit der Kandidaten. „Von der Qualität her waren alle auf einem sehr hohen Niveau“, so Niederer, der es als Weltmeisterschafts-Experte wissen muss. "Tatsächlich hatten wir hier ein sehr starkes Teilnehmerfeld“, doppelte Pfander nach. Er fand es sehr schön, einen Wettbewerb mit derart hohem Standard durchführen zu können – „das gefällt auch den Kandidaten, sie spornen sich gegenseitig an und haben so eine Herausforderung“. Markus Pfander hob noch einen weiteren Aspekt des Meisterschaftskampes hervor: „Alle Teilnehmer werden gute Berufschancen haben; die Teilnahme in Lenzburg es ist durchaus ein Leistungsausweis, den die Arbeitgeber zur Kenntnis nehmen werden. Denn sie wissen, dass hier motivierte und fachlich ausgewiesene junge Berufsleute am Werk waren.“

Prominenter Gast
Die Bedeutung des Anlasses wurde dadurch unterstrichen, dass Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie, an der Schlussfeier teilgenommen und die Medaillen übergeben hat. Sie gratulierte den Teilnehmer und dem Verband zur gelungenen Veranstaltung: „Solche Anlässe sind die beste Werbung für die Berufsbildung, nur so kann die Öffentlichkeit erfahren, welche grossartigen Leistungen unsere Nachwuchsleute erbringen können.“ Seine helle Freude an den Meisterschaften hatte auch suissetec-Zentralpräsident Peter Schilliger: „Hier wurde ein Schaufenster unserer Berufe gezeigt.“


BBT-Direktorin Ursula Renold hielt an der Schlussfeier eine vielbeachtete Ansprache, in der sie die Bedeutung der Berufsbildung und der Berufswettbewerbe unterstrich.


Peter Schilliger, Zentralpräsident von suissetec, bezeichnete den Wettbewerb als "das Schufenster unserer Berufe".


Die drei Obmänner waren nach der gelungenen Meisterschaft gut gelaunt (v.l.): Ulrich Mummenthaler, Markus Niederer und Josef Wey.

Schweizermeisterschaft der Sanitär- und Heizungsmonteure

In einem qualitativ hoch stehenden Wettkampf setzten sich an der Schweizermeisterschaft in Lenzburg Patrick Huser bei den Sanitärmonteuren und Adrian Daku bei den Heizungsmonteuren durch.

Die Meisterschaft der Sanitärmonteure wurde für die meisten Teilnehmer zu einem Kampf gegen die Zeit. Denn das komplizierte Werkstück, bei dem alle wichtigen Materialien zum Einsatz kamen, erforderte neben genauem Schaffen auch eine straffe Zeiteinteilung. So war denn auch der stellvertretende Obmann Markus Niederer nicht überrascht als nicht alle Kandidaten mit der Arbeit fertig wurden. „Wir haben die Latte sehr hoch gesteckt, die Aufgabe war sicher wesentlich schwieriger als bei der Lehrabschlussabprüfung, und sie hat sogar das WM-Niveau übertroffen.“ Niederer war mit seinen zehn Schützlingen dennoch zufrieden. „Sie habe trotz Zeitnot souverän und unkompliziert gearbeitet.“ Die meisten Probleme ortete der Experte bei der Dichtheit und der Massgenauigkeit. „Das ist aber normal und an allen Wettbewerben die Crux.“

Der Kampf mit dem Kupferrohr
Ganz knapp in der Zeit lag der Sieger Patrick Huser, der auf die Minute geanu fertig wurde. Die Masse waren für den Ostschweizer, der mit einem beträchtlichen Vorsprung gewann, nie ein Problem, dafür kämpfte er mit dem Kupferrohr. „Ich habe seit Jahren nie mehr mit Kupfer gearbeitet, und das ist ein sehr eigenes Metall.“ Alles in allem sei es für ihn aber ein „Superwettkampf“ gewesen. Der 21-Jährige ist übrigens eine Art Veteran, denn er hatte schon vor zwei Jahren an der Meisterschaft der Heizungsmonteure teilgenommen und den hervorragenden zweiten Platz belegt.

Kompliziertes Werkstück
Im Wettbewerb der „Heiziger“ spielte die Zeit kaum eine Rolle, wenn auch die Aufgabe hier keineswegs leicht war, wie Obmann Ulrich Mumenthaler betonte. Beim komplizierten Werkstück kamen alle gängigen Schweisstechniken zum Einsatz, was einige Kandidaten teilweise überforderte. Dennoch war der Experte bei seinem ersten Meisterschaftseinsatz mit dem Niveau zufrieden, wenn er auch durchaus Steigerungsmöglichkeiten bei Massgenauigkeit und Dichtheit sah.

Überraschter Sieger
Am Ende lag ein Trio dem übrigen Teilnehmerfeld klar voraus. Adrian Daku siegte mit einem recht kleinen Vorsprung auf seine beiden Konkurrenten Raphael Meister und Simon Romer. „Ich hatte glücklicherweise die Zeit ziemlich gut aufgeteilt, sodass ich die meisten Fehler korrigieren konnte. In einem Fall hatte ich jedoch Pech, ein sehr einfaches Stück war undicht“, gab Daku nach der Schlussfeier zu Protokoll. Entsprechend skeptisch sah der Aargauer, der nach der Lehre bei der Rickling AG in Spreitenbach nach Zürich zum Ingenieurbureau Herbert Hediger gewechselt hat, der Siegerehrung entgegen. „Eigentlich hatte ich nicht mehr mit einem Podestplatz gerechnet“, meinte der 20-Jährige, der den Wettkampf und das Beisammensein mit Kollegen echt genossen hat. „Für mich war der Sieg die bisherige Krönung in meinem Beruf, den ich wahnsinnig gerne habe.“ Nachzutragen wäre, dass der Adrian Daku ein wahrer „Bildungsmensch“ ist und bereits in der Weiterbildung als Heizungsplaner steckt.

Komplizierter Weg nach Japan
Den Schweizermeistertitel haben Patrick Huser und Adrian Daku zwar auf sicher, doch sie sind damit nicht automatisch für die Berufsweltmeisterschaft 2007 in Japan qualifiziert. Zum einen werden sie sich im kommenden Dezember im suissetec-Bildungszentrum in Lostorf mit den Siegern der Schweizermeisterschaft 2005 messen müssen. Zu diesem Anlass möchte der Verband noch Kandidaten aus anderen Ländern einladen, damit es zu einem richtigen Wettkampf kommt. Zum anderen ist die getrennte Berufsbildung für Sanitär- und Heizungsmonteure, wie sie die Schweiz kennt, ein wahres Unikum: in fast allen Ländern handelt es sich um ein und denselben Beruf, weshalb man an der Weltmeisterschaft auch nur die Sparte „Plumbing“ kennt. In einem zusätzlichen Wettkampf Sieger Sanitärmonteure gegen Gewinner Heizungsmonteure muss also entschieden werden, wer die Schweiz in Japan vertreten soll.

Ranglisten


Meisterschaft der Sanitärmonteure

1. Patrick Huser, Alt St. Johann SG (Lehrbetrieb: Arthur Tobler, Alt St. Johann)
2. Raphael Meister, Schaffhausen SH (Neukom AG, Rafz)
3. Simon Romer, Weesen SG (Wehrle Haustechnik, Amden)

Zertifikate (in alphabetischer Reihenfolge): Simon Nyffenegger, Obfelden ZH (Ritschard, Ottenbach); Thierry Stöckli, Stettlen BE (Kräuchi Haustechnik AG, Stettlen); Aurelien Stoppa, Lignières NE (Chiffelle Installations Sanitaires, Neuchâtel); Sascha Weidmann, Andelfingen ZH (Karl Erb AG, Thalheim); Benjamin Widmer, Gränichen AG (Paul Ryser AG, Aarau); Claudio Zanet, Neuhausen am Rheinfall SH (Hans G. Sulzer AG, Schaffhausen); Philippe Zwahlen, Hasle-Rüegsau BE (Max Schüpbach AG, Lützelflüh-Goldbach).


Meisterschaft der Heizungsmonteure

1. Adrian Daku, Spreitenbach AG (Lehrbetrieb: Ricklin AG, Wettingen)
2. Simon Mock, Flawil SG (SBS-Energietechnik AG, Oberuzwil)
3. Ueli Röschli, Buchberg SH (Axima AG, Winterthur)
Zertifikate (in alphabetische Reihenfolge): Daniel Bohl, Stein SG (Arthur Tobler, Alt St. Johann); Shkumbin Reci, Arni SG (Eichholzer Haustechnik AG, Oberlunkhofen); Patrick Ryter, Saanen BE (Jaggi / Rieder AG, Saanen); Marco Spanó, Wohlen AG (Hans Meyer AG, Wohlen); Patrick Zbinden, Frauenfeld TG (W. Schütz Heizungsbau, Gachnang).


Ehrung durch Prominenz: BBT-Chefin Ursula applaudiert den besten Sanitätsmonteuren (v.l.) Simon Romer, Patrick Huser und Raphael Meister.


Sie holten sich die Medaillen bei den Heizungsmonteuren (v.l.): Ueli Röschli, Adrian Daku und Simon Mock.


Volle Konzentration ist angesagt: Adrian Daku


Dakus Arbeit wurde von der Jury am besten bewertet.



Schaffen, bis sich die Rohre biegen: Patrick Huser



Dieses Werkstück brachte Patrick Huser die Goldmedaille ein.

Sanitärmonteure:


Raphael Meister


Simon Romer


Simon Nyffenegger


Thierry Stöckli


Aurelien Stoppa


Sascha Weidmann


Benjamin Widmer


Claudio Zanet


Philippe Zwahlen

Heizungsmonteure:


Simon Mock


Ueli Röschli



Daniel Bohl


Reci Skhumbin


Patrick Ryter


Marco Spanó


Patrick Zbinden


Einblick in die helle Werkstatt, in der die Sanitärmoneure am Werk waren.


Und so sah es bei den Heizungsmonteuren aus.

Schweizermeisterschaft der Spengler

Bei den Spenglern setzte sich an der diesjährigen Meisterschaft in Lenzburg in einer sehr ausgeglichen Konkurrenz Daniel Keller durch. Die Teilnahme an der WM 2007 in Japan hat der junge Aargauer aber noch nicht auf sicher.

Drei Tage lang, geschlagene 20 Stunden massen, schnitten, formten und hämmerten zehn junge Spengler in Lenzburg um die Wette. Die neun Deutschschweizer und der Romand mussten ein Metalldach im System Doppelfalz bedecken. Die Gaube – so der Fachbegriff für eine Lukarne – sollte mit farbbeschichtetem Aluminium schuppenartig belegt werden. „Wir verlangen eine saubere Arbeitsweise und ein dichtes Dach“, fasste Spengler-Fachlehrer Kurt Studer die Anforderungen an die Kandidaten zusammen. Das Niveau entspricht damit etwa der Spengler-Polierprüfung; die Teilnehmer mussten denn auch im praktischen Teil ihrer Lehrabschlussprüfung eine Note von 5,0 oder mehr vorweisen.

Hohes Niveau
Nach Wettkampfschluss zog Josef Wey als zuständiger Obmann eine positive Bilanz. „Alle zehn Kandidaten wurde mit der anspruchsvollen Aufgabe fertig. Sie arbeiteten voll konzentriert. Man sah auch, dass die meisten sich mit intensiven Trainings auf die Meisterschaft vorbereitet hatten. Das Niveau war erfreulich hoch.“ Sieger Daniel Keller war sogar eine Viertelstunde vor Kontrollschluss mit der Arbeit fertig. Und sein Dach gefiel ihm: „Als ich das fertige Stück sah, wusste ich, dass ich eine Chance auf eine gute Platzierung hatte.“ Das Schwierigste sei neben der Massgenauigkeit das Vermeiden von Kratzern gewesen, meinte der 20-Jährige.

Fernziel heisst Japan
„Wir arbeiten auf einem hohen Niveau, weil wir einen unserer Jungspengler 2007 an die Berufsweltmeisterschaften in Japan schicken wollen“, begründet der internationale Experte Kurt Studer die hohen Anforderungen. „Das Bewertungssystem entsprach denn auch jenem, das an der WM angewendet wird“, betonte der seit 13 Jahren an Schweizer- und Weltmeisterschaften tätige Experte. Die ersten drei der Ausmarchung von Lenzburg werden sich im Dezember noch einmal miteinander messen, bevor entschieden wird, wer schliesslich nach Japan fliegen darf. Damit hat auch Philippe Kehrli durchaus eine Chance, eine „Familientradition“ zu schaffen: Sein Cousin Giles Kehrli holte nämlich an der letzten WM in Helsinki die Goldmedaille. Diese Medaille war um so wertvoller, als der Berner wegen einer schweren Grippenerkrankung benachteiligt war und den Wettkampf zeitweise unterbrechen musste. Philippe Kehrli will denn auch alles unternehmen, um sich doch noch zu qualifizieren: „Ich weiss, dass ich noch besser sein kann als hier in Lenzburg.“ Daniel Keller ist aber zuversichtlich: „Mit guter Vorbereitung soll ich das Japan-Ticket holen können.“

Stressresistenz ist gefragt
Im Land der aufgehenden Sonne werden die Spengler übrigens ebenfalls ein Metalldach im Doppelfalzsystem erstellen müssen; ein entsprechendes Projekt ist laut Studer bereits ausgewählt worden und muss nun noch zu 30 Prozent überarbeitet werden. Lenzburg war so gesehen quasi eine erste Vorbereitung auf Japan. „An der WM wird der Stress noch um einiges grösser sein“, stellt der Kurt Studer in Aussicht. „Eine seriöse Vorbereitung ist umso wichtiger, als es an der Spitze ziemlich eng werden dürfte.“ Es sei äusserst wichtig, dass sich die Kandidaten klare Zielvorgaben stellten und diese auch einhielten. „Sie müssen sich vor allem punkto Arbeitstempo richtig einschätzen, denn gravierende Fehler können kaum noch ausgebügelt werden.“

Rangliste

1. Daniel Keller, Full-Reuenthal AG (Lehrbetrieb: Palla + Partner AG, Kleindöttingen)
2. Philippe Kehrli, Utzigen BE (Peter Künzi AG, Ittigen)
3. Andy Kämpf, Sigriswil BE (Brügger Spenglertechnik AG Thun)

Zertifikate (in alphabetischer Reihenfolge): Andri Fanoni, Samedan GR (F. Duttweiler AG, Samedan); David Möckli, Villnachern AG (P. Schuppisser AG, Niederrohrdorf); Diego Moor, Zofingen AG (Kunz GmbH, Zofingen); Christian Ostermeier, Surava GR (Rinald Casutt Spenglerei, Surava); Jörg Pircher, Abtwil / St. Josefen SG (Fässler Wasser AG, Engelberg); Fabien Prétôt, Orsières VS (J.M. Sarrasin SA, Orsières); Marco Wandfluh, Kandergrund BE (Schärer AG, Münsingen).


Sie sind die besten Jungspengler des Jahres 2006 (v.r.): Daniel Keller, Philippe Kehrli und Andy Kämpf.


Seine Masse stimmten am besten: Schweizermeister Daniel Keller hat exakt gearbeitet.


Kellers Werkstück gefiel am besten.



Philippe Kehrli


Andy Kämpf


Andri Fanioni


David Möckli


Diego Moor


Christian Ostermeier


Jörg Pircher


Fabien Prétôt


Marco Wandfluh


Experte Kurt Studer war mit den gezeigten Leistungen recht zufrieden.

Schweizermeisterschaft der Automechaniker

Daniel Justiniano, Philippe Allenbach oder Raphael Huber werden die Schweiz an der Berufs-WM 2007 in Japan vertreten. Sie distanzierten die restlichen zehn Kandidaten an der Schweizermeisterschaft der Automechaniker in Lenzburg.

Schweizermeister aus der Romandie sind wegen der unterschiedlichen Strukturen der Berufsbildung sehr selten. Nicht so bei den Automechanikern, wo dank der gezielten Anstrengungen der Westschweizer Sektionen des Autogewerbeverbandes der Schweiz (AGVS) immer wieder Spitzenkandidaten antreten. Dieses Jahr reichte es sogar zum Meistertitel: Daniel Justiniano aus Monthey setzte sich in Lenzburg gegen 12 Konkurrenten durch. Vizemeister wurde der Berner Oberländer Philippe Allenbach, und Bronze ging an den Aargauer Raphael Huber. Die diesjährigen Titelkämpfe der Automechaniker fanden parallel zum Wettbewerb der Spengler im Rahmen der Aargauischen Berufsschau in Lenzburg statt. Dabei wurde alles noch nicht entschieden, wer die Schweiz an der Berufs-WM in Japan vertreten wird. Die drei Erstplatzierten messen sich im Frühling 2007 an einem 5-Länder-Wettkampf in Österreich mit jungen Automechanikern aus Österreich, Deutschland, Luxemburg und dem Südtirol. Der dort Bestplatzierte Eidgenosse wird dann im Herbst 2007 nach Japan geschickt.

Kampf um „Japan“
„Ich freue mich riesig über den Schweizermeistertitel. Jetzt hoffe ich, dass ich mich auch für die WM in Japan qualifizieren kann“, meinte Daniel Justiniano nach der Siegerehrung. Der 20-jährige Unterwalliserabsolviert momentan die Berufsmatur, fährt einen Toyota Starlet und hat „Autos schon immer geliebt“. Auch der zweitplatzierte Philippe Allenbach gab sich optimistisch: „Ich hoffe, dass ich am 5-Länder-Wettkampf Daniel noch überflügeln kann.“ In einer Beziehung ist das Überflügeln aber unmöglich: Daniel Justiniano kann auf die Unterstützung von 13 Geschwisterten (!) zählen.

Wille und Ehrgeiz
„Das Niveau der diesjährigen Kandidaten war topp“, zog Arnold Schöpfer, Sachbearbeiter Aus- und Weiterbildung beim AGVS und Bereichsleiter technische Berufe und Diagnostik bereits während des Wettbewerbs Bilanz. Neben der “ausgezeichneten Selektion durch die Sektionen“ machte der Experte auch den „Willen und Ehrgeiz der Kandidaten“ für den hohen Leistungsstandard verantwortlich. Dies sei umso erstaunlicher, als einzelne Kandidaten momentan die Rekrutenschule absolvieren und deshalb kaum Zeit für eine seriöse Vorbereitung fanden. „Jeder von ihnen hat eine Riesenleistung erbracht, damit er überhaupt hier sein kann.“

Schwierige Aufgaben
Die 13 Kandidaten hatten Arbeiten sowohl im Bereich Elektrik/Elektronik als auch rein mechanische Arbeiten zu erledigen. So mussten sie die Funktion eines Starters überprüfen, Fehler in einem automatischen Getriebe diagnostizieren und beheben, eine Kurbelwelle und einen Zylinder ausmessen, eine Schaltung auf Fehler überprüfen und diesen korrigieren, ein Radlager ersetzen oder – von verschiedenen Kandidaten als „besonders schwierig bezeichnet – selber eine Bremsleitung anfertigen.

Viel Training nötig
„Im Hinblick auf eine Teilnahme an der WM in Japan legen wir besonderes Gewicht auf das Verständnis von technischem Englisch“, sagte Ausbildner Schöpfer, denn „dort wird unser Kandidat kaum Manuals in Deutsch oder Französisch vorfinden“. Bevor die drei Erstplatzierten von Lenzburg an die nächste Ausmarchung nach Österreich reisen, werden sie direkt bei den Importeuren fachlich trainiert, wie Jürg Fluri, Leiter Berufsbildung beim AGVS, sagte. „Dazu werden wir ihnen ein mentales Training mit einem Spezialisten ermöglichen.“

Erhöhte Ansprüche, neue Berufsbilder
Bis im Jahr 2010 werden laut Schöpfer noch Lahrabschlussprüfungen (LAP) von Automechanikern stattfinden. Denn das Autogewerbe gehört zu den Branchen mit einer überdurchschnittlich rasanten Entwicklung. Moderne Automobile enthalten immer mehr elektronische Komponenten, die Technologie wird immer komplexer. Damit verbunden haben sich auch die Berufsbilder verändert. Deshalb entwickelte der AGVS im Auftrag des Bundes per 1. Januar 2007 die drei neuen Berufsbilder Automobil-Mechatroniker/-in (4 Jahre, LAP ab 2011, vormals Automechaniker oder Autoelektriker/-elektroniker), Automobil-Fachmann/-frau (3 Jahre, LAP ab 2010, vorher Automonteur) und Automobil-Assistent/-in (2 Jahre, LAP ab 2009, ganz neu) ein, über die sich interessierte Berufsanwärter am Stand des AGVS an der Aargauischen Berufsschau informieren konnten.
Die drei neuen Berufe sind Teil eines gezielten Nachwuchsförderungsprogramms, das der AGVS Mitte dieses Jahres lanciert hat.Insgesamt stehen in der Autobranche gegen 12°000 Jugendliche in der Ausbildung.

Rangliste

1. Daniel Justiano, Monthey (Lehrbetrieb: Garage R. Udressy SA, Troistorrents)
2. Philippe Allenbach, Adelboden (Garage Margeli, Adelboden)
3. Raphael Huber, Schinznach-Dorf (AMAG Service, Schinznach-Bad).

Diplome (in alphabetischer Reihenfolge): Manuel Bächler, Düdingen (RG Automobiles SA, Fribouerg); Christoph Bächli, Brugg (Garage Huber, Mellingen); Jason Deane, Andermatt (Garage Loretz, Andermatt); Manfred Demmel, Oberrindal (Neff Automobile, Flawil); Sébastien Feller, Attalens (Garage Etoile, Renens); Roger Lehmann, Gals (Garage Mäder, Täuffelen); Fabio Merlo, Banco (Garage Falduto Sagl, Magliaso); Thomas Raemy, Zumholz (Garage Josef Raemy, Brünisried); Adrian Schnoz, Segnas (Garage Coray AG, Disentis); Claudio Walser, Wald AR (Sammelplatz Garage AG, Appenzell).




Sie strahlten um die Wette (v.l.): Raphael Huber, Daniel Justiniano und Philippe Allenbach.


Er will an die Berufs-WM: Daniel Justiniano bei Vermessen von Getriebe.


Philippe Allenbach




Raphael Huber


Manuel Bächler


Christoph Bächli


Jason Deane


Manfred Demmel


Sébastine Feller


Roger Lehmann


Fabio Merlo


Thomas Raemy


Adrian Schnoz


Claudio Walser