Schweizer Berufsmeisterschaft der Dachdecker

Anlässlich der Lehrabschlussprüfungsfeier des Schweizerischen Verbandes Dach und Wand (SVDW) im Swisspor-Werk in Dulliken fand auch die dritte öffentliche Schweizermeisterschaft der Dachdecker statt. Der Sieg ging an den Thurgauer Robert Rüsch.

Dass es durchaus Sinn macht, die offizielle Lehrabschlussprüfungsfeier des SVDW und die Berufsmeisterschaft der Dachdecker zusammenzulegen, beweist der Umstand, dass sich für den diesjährigen Wettkampf nur gerade vier Kandidaten gemeldet hatten, wovon schliesslich deren drei antraten. „Wir hatten Rekrutierungsprobleme“, gab Beat Hanselmann, Leiter praktische Bildung am Polybau-Bildungszentrum Uzwil, denn auch unumwunden zu.

Lehrlinge integriert
Denn obwohl die besten Schweizer Dachdecker seit fast zwanzig Jahren an den Weltmeister-Wettbewerben der Internationalen Föderation des Dachdeckerhandwerks IFD mitmachen – und dabei stets vorderste Ränge belegen –, sei die offizielle Schweizermeisterschaft, die heuer erst zum dritten Mal stattfand, noch zu wenig bekannt. „Unser Wettbewerb ist noch nicht zur Tradition geworden, deshalb haben wir jetzt bewusst die Lehrlinge in den Anlass integriert“, so Hanselmann. Auch Sébastien Cettou, Chefexperte und Wettkampf-Mentor, gab seiner Hoffnung Ausdruck, durch diese Veranstaltung mehr Lehrlinge orientieren und motivieren zu können. Künftig soll Meisterschaft im SVDW-Bildungszentrum Uzwil stattfinden, dessen Infrastruktur entsprechend ausgebaut wurde.

WM-Nationensieg 05
Doch obwohl sie nur zu dritt waren, legten sich die Kandidaten in den Werkhallen der Swisspor AG vor zahlreich erschienenem Publikum mächtig ins Zeug. Nebst Chefexperte Cettou schauten ihnen dabei zwei ganz spezielle Juroren auf die Finger: der Emmentaler Hannes Jakob, Schweizermeister 05, und der Jurassier Philippe Nikles, Bronzegewinner 05. Zusammen mit Marcel Züst vertraten sie die Schweiz letzten November an der Dachdecker-Weltmeisterschaft im südafrikanischen Kapstadt. Sie erkämpften sich dabei sowohl in der Sparte Steildach (hinter Deutschland) als auch in der Sparte Flachdach (hinter Ungarn) die Silbermedaille, was zum
Nationen-Weltmeisterschaftstitel unter den 14 angetretenen Ländern reichte.

Im Herbst die WM in Polen
Hannes Jakob fand es sehr schade, dass in Dulliken nicht mehr Wettkämpfer angetreten waren. Sowohl als auch Philippe Nikles werteten ihre WM-Teilnahme als Supererfahrung. „Wir würden es allen empfehlen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.“ Und diese Möglichkeit erhal-ten – was sie vorgängig nicht wussten – auch alle drei Teilnehmer der Schweizermeisterschaft; dazu wird noch ein vierter Kandidat rekrutiert. Aufgeteilt in Zweierteams wird das Quartett an der diesjährigen WM Mitte November im polnischen Krakau teilnehmen.

Ungewohntes Publikum
Nach geschlagener Schlacht zeigten sich die drei jungen Dachdecker ob ihrer eigenen Leistung nur mässig begeistert. Alle beklagten die ungewohnte Anwesenheit von Publikum – eine Wettkampfbedingung, an die sie sich jedoch auch für die WM gewöhnen müssen. „Die Leute haben genervt, ich konnte den Kopf nicht bei der Sache haben“, meinte etwa Josef Flamer. An der WM in Krakau möchte er „möglichst gut abschneiden und mein Bestes geben“. Doch er habe hier in Dulliken auch gemerkt, dass er noch viel üben müsse. Noch motivierter zeigte sich der neue Schweizermeister Robert Rüsch, der wie seine beiden Kollegen die Wettbewerbsaufgabe aus Zeitnot nicht ganz zu Ende brachte. „Die WM ist eine einmalige Sache; man kann dabei nur dazulernen.“ Sein Ziel ist klar: "Der erste Platz.“ Schon fast verzagt wirkte hingegen Franz Grossen, der mit seiner Arbeit lange nicht zufrieden war. Umso mehr freute er sich dann über die Silbermedaille. „Ich vertrage Stress schlecht, aber wenn ich noch trainieren kann, dann würde mich die WM schon reizen." Üben werden die vier WM-Teilnehmer jedenfalls noch reichlich, und zwar unter der kundigen Führung von Sébastien Cettou.

Vier attraktive Berufe
Anlässlich der Lehrabschlussprüfungsfeier in Dulliken wurde ersichtlich, dass das neue Polybau-Bildungskonzept ein Erfolg ist. In den vier Berufsfachrichtungen Flachdachbauer, Dachdecker, Fassadenbauer und Gerüstemonteur verzeichne man heute 60 Prozent mehr Lehrlinge als früher, erklärte Beat Hanselmann nicht ohne Stolz. Dass der SVDW bei der Bildung immer an vorderster Front dabei sein will, zeigte sich schliesslich bei den zahlreich vergebenen Diplomen für eine gute Lehrabschlussprüfung (ab Note 5,2) in den vier Fachrichtungen. Beson-ders erfreulich war, dass dabei auch zwei Frauen – eine Fassadenbauerin und eine Flachdachbauerin – ausgezeichnet werden konnten.

Rangliste
1. Robert Rüsch, Roggwil TG (Lehrbetrieb: Dawag, Wittenbach SG)
2. Franz Grossen, Souboz BE (Roland Marcionetti, Moutier)
3. Josef Flamer, Rindal SG (Ramseier, Flawil)



Sie werden sich nun auf die WM in Polen vorbereiten (v.l.). Chefexperte Sébastien Cettou, Josef Flamer, Robert Rüsch und Franz Grossen.


Robert Rüsch


Franz Grossen


Josef Flamer


Die ganz besondere Fachjury (v.l.): Hannes Jakob, Philippe Nikles und Sébastien Cettou.


SVDW-Vorstandsmitglied Beno Wicki überbachte die Grüsse des Verbandes.

Schweizer Meisterschaft der Goldschmiede


Sie haben am besten gearbeitet (v.l.): Patrick Feer (3.), Julien Czernecki (1.) und Andreas Hörschelmann (2.)


Der Verband Schweizer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte (VSGU) hat kürzlich im Luzerner Berufsbildungszentrum Weggismatt seine zweite Schweizermeisterschaft durchgeführt. Unter den sieben Teilnehmenden setzte sich schliesslich der französische Grenzgänger Julien Czernecki durch.

"Es war eine spannende Angelegenheit. Alle waren sehr motiviert und haben sich mit Elan an die Arbeit gemacht.“ Daniel Gut, Mitglied des Organisationskomitees der Schweizermeisterschaften der Goldschmiede, ist überzeugt, dass der Wettbewerb den angehenden Berufsleuten eine geeignete Plattform bietet, sich zu profilieren und die eigenen Grenzen auszuloten.

Volle Konzentration
Die Werkzeuge der Goldschmiedinnen und Goldschmiede scheinen für den Laien als Geräte „en miniature“ zu sein: Bohrer, Feilen, Sägen. Mit Unterstützung von Lupen und Klemmen wurde an den Ohrschmuckteilen, die teilweise kleiner als eine Fingerkuppe waren, gearbeitet. Präzision, Geduld und ruhige Hände waren angesagt. Die Stimmung unter den Teilnehmenden war freundschaftlich – ab und zu die Frage, ob ein Werkzeug ausgeliehen werden könnte, ein Lachen – und dann wieder volle Konzentration. Der Ohrschmuck, den die Teilnehmenden dieser Schweizermeisterschaft kreieren mussten, bestand aus drei Teilen. Die Arbeitsmaterialien bestanden aus Goldblech, Runddraht, Vierkant und Scharnieren. Für die Erfüllung der Aufgabe standen, den Anforderungen an Berufsweltmeisterschaften entsprechend, 22 Stunden zur Verfügung. Sechs Fachexperten bewerteten die fertigen Schmuckstücke nach folgenden Aspekten: genereller Eindruck, Feilarbeiten, Sägearbeit, Lötarbeiten, Oberflächengüte, Massgenauigkeit und Zeitaufwand.

Schwierige Aufgabe
“Es war eine nahrhafte Aufgabe“, kommentierte Cheforganisator Daniel Gut, der auch als Experte an der Berufs-WM amtiert. Er zeigte sich ein wenig überrascht, dass sechs der sieben Teilnehmenden das Werkstück fertig stellen konnten. „Für mich ist das die Bestätigung, dass unsere vierjährige Lehre wirklich gut ist und den jungen Berufsleuten das nötige Rüstzeug vermittelt.“ Der Ausgang des Wettbewerbs sei recht klar gewesen, die schwere Aufgabe habe klassiert. Eng sei es um Platz drei gewesen: „Eine der drei Frauen hat die bronzene Auszeichnung nur knapp verpasst.“ Zur Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft werden alle Lernenden zugelassen, die sich im letzten Ausbildungsjahr ihrer Ausbildung befinden. Teilnehmen können auch Ausländer, was dem Sieger zu Gute kam: Julien Czernecki ist Franzose und absolvierte in Genf die Kunstgewerbeschule.

Überraschter Sieger
„Für mich sind sie alle Gewinner. Die sieben Meisterschaftsteilnehmerinnen und –teilnehmer haben sich alle mit viel Herzblut engagiert. So ist es schön, Schweizermeisterschaften durchzuführen.“ Mit diesen Worten eröffnete VSGU- Sekretär Marc Alain Christen die Siegerehrung, die in Bern im Beisein zahlreicher Gäste und Fans im festlichen Rahmen durchgeführt wurde. Julien Czernecki gab dabei zu, dass mit einem Sieg nie gerechnet hatte: „Normalerweise arbeite ich nicht so schnell, und vielleicht deshalb hatte ich das Gefühl, dass ich einige Fehler gemacht haben muss.“ Silbermedaillen-Gewinner Andreas Hörschelmann freute sich: „Ich bin echt überrascht und natürlich absolut happy. Gemessen am Zeitaufwand und dem Engagement hätten eigentlich alle eine Medaille verdient.“

16 Teilnehmende als Ziel
Daniel Gut hofft, dass es gelingt, die Goldschmiede-Meisterschaft zu einem fixen Anlass im Jahresrhythmus zu machen. Sein Ziel wäre es, jeweils 16 Nachwuchsleute als Teilnehmende zu begrüssen. „Wir haben im Zentrum Weggismatt schliesslich 16 eingerichtete Arbeitsplätze.“ Das ist sehr hohes Ziel, denn alljährlich schliessen höchstens 70 Frauen und Männer ihre vierjährige Ausbildung ab. Anreize gibt es allerdings: Alle Wettkämpferinnen und Wettkämpfer erhalten schöne Anerkennungspreise, und für den ersten Platz gibt es sogar stolze 5 000 Franken.
Der VSGU hat unterdessen entschieden, erneut einen Vertreter oder eine Vertreterin an die Berufsweltmeisterschaften zu entsenden, die 2007 in Japan stattfinden. Ein Problem stellt dabei die Alterslimite von 22 Jahre dar, weil viele Goldschmiede ihre Lehre erst mit 18 oder 19 Jahren beginnen. Walter Gut ist denn zuversichtlich, dass er einen geeigneten Kandidaten finden wird. Es könnte aber auch durchaus eine Kandidatin sein, da Frauen die Mehrheit der Lehrlinge stellen. Zur Erinnerung: An der letzten Berufs-WM 2005 in Helsinki hätte der Luzerner Roman Wisler wohl eine Medaille geholt, wenn der Wettkampf einige wenige Stunden länger gedauert hätte…

Rangliste

1. Czernecki Julien, F-74930 Reignier (Lehrbetrieb: Ecole d’arts appliqués, Genève)
2. Hörschelmann Andreas, Zürich (Bijouterie Philippe Pfeiffer, Zürich)
3. Feer Patrick, Ebikon (Goldschmied Marco Antonio Frasson, Fra Luzern)
Rang 4 (in alphabetischer Reihenfolge): Fedjuschina Lisa, Wädenswil (Goldschmied Raphael Meyer, Affoltern a.A.); Lüthi Bernhard, Waldstatt (Wipf Goldschmied, Wil); Renggli Debora, Waltenschwil (Bijouterie Franz Deubelbeiss, 5000 Aarau); Tschanz Flavia, Zürich (Péclard Suisse S.A., Zürich)


Die heikle Wettbewerbsaufgabe erforderte Filigranarbeit.


Sieger Julien Czernecki


Andreas Hörschelmann


Patrick Feer


Lisa Fedjuschina


Debora Renggli


Flavia Tschanz


Die "glorreichen Sieben"