Das Schweizer Jungmetzger sind Spitze

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Das Silberteam: Julien Meier (links) und Stefan Zellweger präsentieren einen Teil der abgelieferten Arbeiten.



Grosser Erfolg für zwei Schweizer Jungmetzger: Stefan Zellweger und Julien Meier holten sich am diesjährigen Internationaler Leistungswettbewerb der Metzgerjugend (ILW) in Belgien die Silbermedaille.
Am ILW in Brügge haben heuer fünf Länder teilgenommen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Für unser Land gingen die beiden Erstplatzierten der letzten Schweizer Meisterschaften an den Start. Stefan Zellweger aus Gossau (ZH) ist 22-jährig und absol-vierte seine Berufslehre bei der Micarna in Bazenheid. Derzeit arbeitet er in der Metzgerei Sandmeier in Kölliken. Julien Meier aus Undervelier (JU) ist ein Jahr älter und lehrte in der Metzgerei Kottelat in Bassecourt. Gegenwärtig ist er in der Metzgerei Mathis in Röschenz tätig.
Das Duo hat in Brügge von Beginn an mit den Konkurrenten sehr gut mithalten können. Dies natürlich auch dank der guten Vorbereitung unter der Leitung von Felix Kesselring. Als Ausbildner und Jurymitglied engagiert sich Kesselring seit Jahren für die Nachwuchswettkämpfe. Dank seinen besten fachlichen Kenntnissen und seiner kompetenten Art, geniesst er auch bei seinen Jurykolleginnen und Kollegen grosses Ansehen. Immer wieder setzt er sich innerhalb der Fachjury für faire und gute Wettkampfbedingungen ein. Sein Wort und seine Meinung haben Gewicht.

Schwierige Aufgaben
Die Organisatoren stellten die Kandidaten vor zusätzliche Schwierigkei-ten. So stammten die Rindshinterviertel, welche als Wettkampfstücke herhalten mussten, von grossen und vor allem älteren Tieren stammten. Die Auswirkungen der ungewöhnlichen Fleischstücke zeigten sich be-reits bei der ersten Disziplin, „Ausbeinen und Grobzerlegung“, als die Kandidaten zeitlich nicht klar kamen. Bei der Feinzerlegung gingen die Zeitprobleme weiter. Nach den ersten zwei Disziplinen zeigte sich Felix Kesselring. In der dritten Disziplin galt es, innert 60 Minuten Barbecue-spezialitäten herzurichten. Auch hier schnitten die Eidgenossen gut ab. Bei der vierten Disziplin „Küchen-/pfannenfertige Erzeugnisse“ muss-ten die jungen Berufsleute in nur einer Stunde drei Fleischvarietäten herstellen, welche direkt für die Zubereitung in der Pfanne geeignet sind. Zellweger und Meier hatten erneut keine Probleme. Danach be-gannen die Kandidaten mit dem Endspurt, bei welchem ein Lammgigot als „Hauptgericht“ zubereitet werden musste. Die Mengenangaben und die Kochzeiten wurden jeweils durch die Jury ebenso bewertet wie die Präsentation der Arbeit. Manche Kandidaten, vor allem die Franzosen, geben sogar eine Weinempfehlung ab.

Besser als 2005
Anlässlich der Rangverkündigung äusserte der belgische Jury-Chef Jules Van Poel, seine Anerkennung über die Leistungen aller angetrete-nen Teilnehmer. Das österreichische Team belegte mit 2001 Punkten den ersten Rang in der Nationenwertung, gefolgt von der Schweiz mit 1978 und Frankreich mit 1895 Punkten. Auch im Einzelgesamtklassement lagen die beiden österreichischen Kandidaten vorne. Dominator der Wettkämpfe war Gerald Moser. Stefan Zellweger reichte eswegen eines winzigen Rückstands von fünf Punkten nur zum vierten Rang; dicht dahinter landete Jules Meier auf Platz sechs. Im Teamwettbewerb holten die Schweizer hingegen die Silber-medaille. Sie schnitten damit besser ab als 2005; damals gab es „nur“ die Bronzemedaille. Zusätzliche Freude bereitete der Sieg von Stefan Zell-weger in der Disziplin „Herrichten von drei Tagesplatten mit küchen- und/oder pfannenfertigen Erzeugnissen“.

Neues Konzept in Sicht
Die internationale Jury hat sich in Brügge Gedanken über die Zukunft des ILW gemacht. Es dürfte neue Richtlinien und Änderungen bei Wettkampfablauf und Juryvorgaben geben. Ziel ist, dass der friedliche, berufliche Wettkampf der europäischen Metzgerjugend weiterhin er-halten bleibt, verbunden mit der Hoffnung, in den nächsten Jahren wieder mehr Mitglieder des internationalen Verbandes IMV dazu zu mo-tivieren, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Denn nach jedem erfolg-reich absolvierten Wettkampf waren sich in den letzten Jahren alle Teil-nehmer immer wieder einig: Es hat sich gelohnt, vor allem für die jungen Leute, die an einem solchen Anlass nicht nur viel lernen können, sondern auch einmalige Erlebnis mit nach hause nehmen.

WorldSkills stellt Weichen für die Zukunft


An der diesjährigen Generalversammlung von WorldSkills in Melbourne wurden wichtige Entscheide in Sachen Berufs-WM getroffen. Die Schweiz war vertreten durch den neuen technischen Delegierten Rico Cioccarelli und die offizielle Delegierte Christine Davatz.



Ein erster wichtiger Entscheid betraf den Namen der Weltorganisation. Neu nennt sie sich „WorldSkills International“(WSI) und ermöglicht damit den Mitgliedsländern mit dem gleichen Logo, aber mit dem eigenen Ländernamen aufzutreten. Ein weiterer Punkt waren die wertvollen Inputs des erstmals durchgeführten „WorldSkills Youth Forums“, bei dem rund 50 ehemalige Teilnehmende aus 20 Nationen während einiger Tage aus ihrer Sicht über die Zukunft von WSI diskutierten. Mit einer eigenen Site auf der WorldSkills-Homepage wollen sich die jungen Berufsleute besser vernetzen und mehr von einander profitieren. Das langjährige Mitglied Singapore hat zudem ein spezielles Internetportal für WSI entwickelt, mit dem Informationen über Berufe und ihre Anforderungen, über einzelne Teilnehmende oder über die Wettbewerbe besser zugänglich gemacht werden können. Mit Webblogs sollen die Jungen ermuntert werden, über sich zu berichten und weltweite Kontakte zu pflegen.

Vier neue Mitglieder
Im Rahmen der statutarischen Geschäfte wurden vier neue Mitglieder aufgenommen: die Berufsbildungsorganisationen aus Kroatien, Mexiko, Ungarn und Vietnam; dazu kam Ecuador als assoziiertes Mitglied. Damit umfasst WSI neu 45 Mitgliedorganisationen. Zudem wurden einige Anpassungen in der Geschäftsordnung und den Statuten durchgeführt, sowie die Rechnung und das Budget verabschiedet. Gestützt auf ein vorangehendes Treffen brachten die deutschsprachigen Länder einmal mehr zusätzliche wichtige Verbesserungen ein. Weiter wurde unter anderem die Schweiz für ihre über 50-jährige Zugehörigkeit zur WSl geehrt. Auch der langjährige SwissCompetence-Präsident Hans Ulrich Stöckling sowie der ehemalige Technische Delegierte der Schweiz, Edwin Naef wurden ausgezeichnet. Nach 28 Jahren erhielt Josef Nigsch, Technischer Delegierter des Fürstentums Liechtenstein, zum Abschluss seiner WSI-Karriere ebenfalls eine Ehrenurkunde. Marco Frick wird sein Amt übernehmen; die Schweizer Delegation freut sich laut Christine Davatz heute schon auf eine weiterhin aktive und enge Zusammenarbeit.

In den Sitzungen des Technischen Komitees besprach man die Vorbereitungsarbeiten für Japan 2007. So wurde einstimmig beschlossen, die in Helsinki erstmals zusammengelegten Berufe CNC-Fräsen und CNC-Drehen wieder zu Einzeldisziplinen zu trennen. Auch Bäcker und Gipser/Stuckateure werden wieder teilnehmen können. Die Informationen vom japanischen Organisationskomitee waren immer noch etwas spärlich, doch versprach man, optimale Bedingungen zu schaffen.

WM 2011 in London
Den Höhepunkt stellten die drei Präsentationen von Grossbritannien, Schweden und Australien zur Übernahme der Berufsweltmeisterschaften im Jahr 2011 dar. Bereits im ersten Wahlgang schwang das britische Königreich oben aus und so können wir uns mit den künftigen Schweizer Meisterinnen und Meistern für 2007 auf Shizuoka (Japan), für 2009 auf Calgary (Kanada), und für 2011 auf London freuen.

Schweizer Meisterschaften der Schreinerinnen und Schreiner


schreiner SM
Die Teilnehmenden der Schreinermeisterschaften 2006/07 holten sich Erfolgsrezepte bei Olympiasiegerin Tanja Frieden (vorne Mitte) und den Helsinki-Champions Jonas Buff und Reto Welz (vorne im schwarzen Anzug, Welz rechts).


Die Schreinerbranche hat in Sachen Schweizer Meisterschaften klar die Nase vorn: Sie kann ihre Besten unter 790 jungen Berufsleuten aus allen Landesteilen aussuchen. Und sie werden sorgfältig für die WM aufgebaut.

Die Schreinergilde gehört seit Jahren zu den zuverlässigsten Medaillensammlern an den Berufs-WM. So auch bei der letzten Auflage 2006 in Helsinki: Jonas Buff gewann den Wettbewerb der Möbelschreiner, und Reto Welz holte bei den Bauschreinern Bronze. Die beiden Branchenverbände (Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten/VSSM für Deutschschweiz und Tessin sowie die Fédération romande des entreprises de menuiserie, ébénisterie et charpenterie/FRM) wollen nun dafür sorgen, dass die Erfolge auch künftig nicht ausbleiben.

Vier Selektionen
Sicherstellen soll dies ein neues Konzept, das kürzlich in Bern an einer Kick-off-Tagung vorgestellt wurde. Es umfasst die folgenden Etappen:
© An 25 Sektionsmeisterschaften massen sich von Januar bis Mai rund 790 Teilnehmende.
© An drei regionalen Ausscheidungen in Chur (25. August bis 3. September), Lenzburg (5. bis 10. September) und Genf (13. bis 19. November) werden 90 Teilnehmende um die neun Plätze in der Schreiner-Nationalmannschaft kämpfen.
© Die Nationalmannschaft trifft sich zu sechs jeweils eintägigen Wettkampfanlässen, deren Resultate zu 25 Prozent ins Finale «mitgenommen» werden.
© Während der Ausstellung Luga in Luzern (27. April bis 6. Mai 2007) kämpfen die neun Nati-Mitglieder um den Meistertitel. Die zwei Bestplatzierten qualifizieren sich für die Berufs-WM, die im November 2007 im japanischen Shizuoka stattfinden.

Vorteile der breiten Basis
«Wir wollen nichts dem Zufall überlassen, zumal die internationale Konkurrenz immer stärker wird. Und wir wollen mit dem neuen System sicherstellen, dass die Romandie und das Tessin sowie die Frauen verstärkt einbezogen werden», betont Hans-Peter Pfyl, Leiter der Arbeitsgruppe Berufswettbewerbe. Die Anstrengungen tragen Früchte: Schon heute steht fest, dass bei den regionalen Ausscheidungen mehrere Frauen sowie eine stattliche Anzahl von Kandidaten aus der romanischen Schweiz mit von der Partie sein werden. Ein Vorteil dürfte auch die erstmals gebildete Nationalmannschaft sein: «Die Vorbereitung kann so gezielter gestaltet werden, und die zusätzlichen Wettbewerbe sorgen für eine willkommene Abhärtung», meint Pfyl. Er kann die exakten Kosten nicht beziffern, doch zusammen mit den Sektionen kämen VSSM und FRM «ganz sicher auf einen sechsstelligen Betrag». Dank den Sponsoren (SIA, Blum, Eternit, Feintool und Oeschger) wird der Finanzierungsdruck allerdings etwas gemildert. Die Anstrengungen der Schreinerbranche werden übrigens von den Verantwortlichen für die Berufs-WM sehr geschätzt. Christine Davatz, welche die Delegation nach Shizuoka leiten wird, ist des Lobes voll: «Ich würde mir wünschen, dass auch andere Verbände das Super-Modell von VSSM und FRM übernehmen.»

Hummel als Vorbild
Der ganz grosse Star des Berner Auftakt-Anlasses war sicherlich die Olympiasiegerin in Boardercross Tania Frieden. Die Power-Frau zog das Publikum mit ihrem spannenden Auftritt zum Thema «Von der Vorbereitung zum Erfolg» sofort in ihren Bann. Sie forderte die jungen Berufsleute auf, sich schwierige Ziele zu setzen und schwierige Wege zu wählen. «Aus den Steinen, die mir in den Weg gelegt wurden, baue ich die Treppe zum Erfolg», lautet das Motto der Thunerin. Frieden verriet den Zuhörern neben dem Geheimnis des Visualisierens schliesslich auch ihr Lieblingstier. Es ist die Hummel, die sie dafür schätzt, dass sie fliegt, obwohl sie rein physikalisch wegen der zu kleinen Flügelfläche dazu nicht fähig sein dürfte…
Neben der Spitzensportlerin stellten sich auch Jonas Buff und Reto Welz den Fragen der potenziellen Champions. Dabei deckten sie auch ihre beruflichen Pläne auf. Buff holt derzeit die Berufsmatur nach und wird danach ein Studium als Bauingenieur aufnehmen. Welz, der die Berufsmatur schon im Sack hat, sammelt nun praktische Erfahrungen «on the job» und will sich in absehbarer Zukunft an der Fachhochschule zum Innenarchitekten ausbilden lassen.