Ein Jurassier rettet die Ehre der Schweiz Dank konzentrierter Arbeit konnte Julien Boillat den totalen österreichischen Triumph verhindern.


Isolierspenglerlehrlinge aus fünf Ländern massen sich letzte Woche an der Berufsschau in Pratteln in einem Wettbewerb. Das Resultat erinnert an den alpinen Skirennsport: die Österreicher hatten klar die Nase vorn.

Im Rahmen der fünften Baselbieter Berufsschau traten in Pratteln neun junge Isolierspengler aus fünf europäischen Staaten zu der Swiss Open Berufsmeisterschaft an. Sieger des klassisch gehaltenen Wettbewerbs wurden die drei Kandidaten aus Österreich, wobei der gebürtige Jurassier Julien Boillat punktgleich mit dem Drittplatzierten zog, und damit die Ehre der Schweizer rettete.

„Inoffizielle“ Meisterschaft
Alle zwei Jahre führt der Europäische Verband der Isolierunternehmer (FESI) für seine Lehrlinge und frischen Lehrabgänger eine Europameisterschaft durch; die nächste wird kommenden Mai 2006 in Dubrovnik stattfinden. In den Zwischenjahren veranstalten Deutschland, Österreich und die Schweiz abwechslungsweise einen Wettbewerb, der allen interessierten europäischen Nationen offen steht. Heuer war die Reihe am Verband Schweizerischer Isolierfirmen (VSI), der mit der gut besuchten Baselbieter Berufsschau in Pratteln einen sehr passenden Rahmen für die Durchführung der „inoffiziellen“ Meisterschaft fand.

Klassische Aufgabe
Österreich schickte wie die Schweiz drei Kandidaten ins Rennen, für Deutschland trat der amtierende Meister Franjo Bagaric an, für Ungarn Norbert Horváth und für Dänemark Micael Glanz. Die Wettbe-werbsaufgabe war sehr „klassisch“ gehalten (Reduzierung von Rohrdurchmesser, zwei Bogen, ein Stutzen, ein Schrägstutzen, eine Kappe aus Aluminium-Blech sowie ein Werkstück aus Elastomer). Sie kam offensichtlich den Fähigkeiten und dem Arbeitsalltag der österreichi-schen Teilnehmer am besten entgegen. So stufte etwa Christian Hard-wiger die Arbeit als „nicht schwierig“ ein, während der aus Kroatien stammende deutsche Meister Franjo Bagaric zwar sehr viel Spass am Wettbewerb hatte, aber einräumen musste, dass er im Alltag so gut wie nie mit Alu-Blech arbeite. Allen Kandidaten fielen die zum Teil sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen von Land zu Land auf, was sie aber zugleich auch als bereichernd empfanden. „Das Niveau ist trotzdem in etwa dasselbe“, kommentierte Gianluca Ariu, der es „cool“ fand, dass auch andere Länder mit von der Partie waren. Für Julien Boillat waren die Arbeitsbedingungen inmitten des Messelärms und vor Publikum „etwas schwierig“. Doch der gelernte Sanitär- und Heizungsmonteur sowie Isolierspengler im 2. Jahr der Grundbildung ging ruhig und konzentriert an die Arbeit, was ihm schliesslich seinen wohlverdienten dritten Rang einbrachte.

Beruf mit Zukunft
Koni Maurer, Obmann Berufsbildung und Vizepräsident des VSI, und Kurt Hirschi, langjähriger Experte, wissen, dass die dreijährige Grundbildung zum Isolierspengler oder zur Isolierspenglerin bei Schulabgängern zum Teil wenig bekannt ist. Doch langsam steigen die Jahrgangszahlen der Isolierspenglerklassen im interkantonalen Ausbildungszentrum in Lenzburg an, und ab und zu ist sogar eine Frau unter den Lehrlingen zu finden. „Es ist ein für Mädchen durchaus geeigneter Beruf“, so Kurt Hirschi, „und beispielsweise dann noch in Kombination mit einer Bürogrundbildung für eine Frau direkt ideal“. Zudem weist Obmann Maurer darauf hin, dass es sich um einen Beruf mit Zukunft handle. „In Zeiten der Energieknappheit sind Isolierspengler immer gefragter, denn wir helfen sparen“, bringt er es auf den Punkt.
Obwohl einmal sogar zur Diskussion stand, den Isolierspenglerberuf in den normalen Spengler zu integrieren, sind die beiden Fachleute sehr optimistisch für den Werdegang ihres Metiers. „Unsere Arbeit unter-scheidet sich recht klar von der eines normalen Spenglers“, erläutert Maurer. Inzwischen dürfe man auch behaupten, dass rund ein Drittel aller Lernenden „sensationell gut“ sei, zudem könne man sie alle weiterbeschäftigen.

Bald neues Berufsbild
Zurzeit arbeitet man beim VSI daran, ein neues Berufsbild aufzustellen, in das nebst Wärme und Kälte auch vermehrt der Brandschutz integriert wird. Dazu wird auch eine Umfrage bei allen Isolierunternehmen durch-geführt, in welche Richtung die künftige Ausbildung gehen soll. „Wir denken an Modifikationen, den Einbezug von EDV sowie verschiedene Ausbildungselemente“, erklärt Koni Maurer. Dass man auf dem richtigen Weg sei, zeige das stets gute bis sehr gute Abschneiden der Eidgenossen bei Wettbewerben und Meisterschaften.

Rangliste
Swiss Open Meisterschaft der Isolierspengler
1. Klaus Schuh, Österreich
2. Christian Wohland, Österreich
3. Christian Hardwiger, Österreich und Julien Boillat, Vuisternens-Romont (Lehrbetrieb ISSA SA, Bulle)

Übrige Teilnehmer (in alphabetischer Reihenfolge):
Gianluca Ariu, Interlaken, (Lehrbetrieb Penta-Isolation, Thun); Franjo Bagaric, Deutschland; Micael Glanz, Dänemark; Norbert Horváth, Ungarn; Andreas Weibel, Münchenbuchsee (Lehrbetrieb Wanzen-ried & Baur AG, Münchenbuchsee)


sieger
Das Siegerquartett (v.l.): Christian Wohland, Christian Hardwiger, Klaus Schuh und Julien Boillat.

schweizer
Das Schweizer Trio schlus sich wacker, doch die Österreicher hatten die Nase vor (v.l.): Andreas Weibel, Julien Boillat und Gianluca Ariu.