22. August 2005
Abschieds-Event für das Schweizer WM-Team 2005 in Thusis

Das Posieren für die Medien haben die Teammitglieder noch nicht verlernt…

Auch die Experten und die Offiziellen können strahlend lachen...
Dank grosszügigen Bündner Gastgebern konnte das Schweizer Berufs-WM-Team 2005 am 20. und 21. August in Thusis ein schönes Abschiedsfest feiern.
Im Bündnerland hat sich das Schweizer Team überhaupt erstmals getroffen: Im Januar 2005 kamen die Kandidatinnen und Kandidaten nach Klosters, wo sie an der Winterkonferenz des Schweizerischen Gewerbeverbandes der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Am nächsten Tag folgte der denkwürdige Auftritt vor 5000 Zuschauern im Davoser Eisstadion. Graubünden war am vorletzten Augustwochenende auch der Schauplatz der letzten "richtigen"Teamzusammenkunft. Zu verdanken haben das die Weltmeister erneut dem neuen Technischen Delegierten: Rico Cioccarelli hat die Kontakte in seiner Heimatregion erneut erfolgreich spielen lassen. Die ganze Helsinki-Equipe samt Delegationsleitung wurde nach Thusis eingeladen, wo Rito Cioccarelli mit einem attraktiven Programm aufwartete. Leider konnten nicht alle 36 Mitglieder der Helsinki-Equipe und auch nicht alle 34 Experten den Weg an den Hinterrhein antreten. Einige hatte schon längst Ferien gebucht, andere waren beruflich verhindert. Beispiel Konditor David Müller: Der Luzerner hat am 1. August als Pâtissier in einem Berliner Luxushotel angefangen und konnte nicht so kurzfristig Heimaturlaub bekommen.
Kraftwerk-Tour statt Wanderung
Doch die grosse Mehrheit fand sich am Samstag im modernen Ausbildungszentrum Pantun in Thusis ein, das über schöne Unterkünfte verfügt. Da Petrus in der Nacht zuvor die Vorboten der grossen Regenfälle vom Montag geschickt hatte, fiel die vorgesehene Wandertour zu den 4000 Jahre alten Felszeichnungen von Carschenna und der Burganlage von Hohen Rätien buchstäblich ins Wasser. Stattdessen konnte die Kavernenenzentrale Ferrera besucht. Dieses Herzstück der Wasserkraftwerke Hinterrhein faszinierte nicht nur die Techniker. Insbesondere die Raffinesse der Mehrfachnutzung des Rheinwassers, das insgesamt dreimal über die riesigen Turbinen läuft, sorgte für Furore.
Begegnung mit Einheimischen
Im Rahmen eines zwangslosen Treffens konnte sich am frühen Abend die Bevölkerung von Thusis aus erster Hand ein Bild von der Berufsweltmeisterschaft machen. Viel Aufmerksamkeit fand vorab der Videofilm, der die glorreichen Tage von Helsinki wieder aufleben liess. Da bekamen nicht wenige Kandidatinnen und Kandidaten feuchte Augen. Sogar Landschaftsgärtner Lorenz Arbogast, sonst um Worte gar nicht verlegen, musste mehrmals hüsteln. Teammitglieder und Experten beantworteten Fragen aus dem Publikum, die sich vorab um die Intensität der Vorbereitung und um mögliche Erfolgrezepte drehten. Viel Applaus gab es für Servicefachfrau Sandra Filter, die in Helsinki um ein winziges Pünktchen das Ehrendiplom verpasst hatte. „Ich habe meine Medaille im Herzen“, sagte die sympathische Zürcherin, „und das geniale Erlebnis in einem fantastischen Team kann mir niemand wegnehmen.“ Rita Wiesendanger, Leiterin des Bünder Amtes für Berufsbildung, war echt beeindruckt: „Diese jungen Leute sind wirklich etwas ganz Besonderes.“ Rico Cioccarelli präzisierte: „So müssen eben würdige Botschafter unserer Berufsbildung sein. Sie gehören einer Elite an.“
Ein sehr langes Fest
Die „Elite“ zeigte am Abend beim Fest im Waldschwimmbad, dass sie trotz WM-Titel die Bodenhaftung nicht verloren hat und die Freuden des Lebens geniessen kann. Da wurden Erlebnisse mit diversen offiziellen Ehrungen und geglückten oder verpatzten Medienauftritten ausgetauscht. Es zeigte sich auch, dass viele Teammitglieder noch repräsentative Pflichten haben und an Berufsausbildungsmessen auftreten müssen. Weiterhin sehr begehrt bei TV und Radio ist Autolackierer José João Gonçalves. Der „Beste der Nation“ in Helsinki wird auch von portugiesischen TV-Sendern gefeierte, nach dem Motto „Portugal hat einen Weltmeister“. Was der 21-Jährige umgehend korrigiert: „Ich gewann mein Gold für die Schweiz.“
Internationale Verwicklungen
Mit Interesse wurde ebenfalls die neuste Meldung aus dem Sektor der Personenfreizügikeit registriert: Adrian Hertig, Schweizer Chefexperte im Floristenberuf, engagierte für sein Freiburger Geschäft die Silbermedaillengewinnerin von Helsinki, die Schwedin Hanna Jöhnsson. Die junge Skandinavierin soll sogar im Verkauf eingesetzt werden; allerdings muss sie erst die französische Sprache einigermassen meistern. Hertig sorgte schon im Vorfeld der WM für Aufsehen: Er liess die luxemburgische Kandidatin zusammen mit der Schweizerin Flavia Scussel trainieren. Worauf beide mit der gleichen Punktzahl ein Diplom ergatterten! Der Ausklang des samstäglichen Festes dauerte übrigens für die meisten Teammitglieder recht lange: Sie hingen nämlich noch einen besuch des Churer Stadtfestes an und erlebten bei ihrer Rückkehr die Morgendämmerung …
Unvergessliche Viamala
Entsprechend nicht ganz mühelos verlief für viele der der Start zum grossen Sonntagsausflug. Doch die teils beängstigende Schönheit der Viamala-Schlucht liess das Schlafmanko bald vergessen. Und man gewöhnte sich auch an den andauernden Nieselregen. Unvergesslich bleibt zweifellos die Besichtigung der Punt da surasunt, einer einmaligen Brück aus Naturstein. Für die meisten Teilnehmenden war dies der erste Besuch in der Region; entsprechend gross war die Begeisterung, und es wurden bereits erste Pläne für Wanderungen oder Biketouren geschmiedet.
Beim abschliessenden Mittagessen bedankte sich das Team bei Leiterin Jacqueline Mader und Leiterin Thomas Hilger für die grossartige Arbeit, welche die beiden seit Januar dieses Jahres geleistet haben. Ein grosses Merci erhielt auch Gastgeber Ricco Cioccarelli für die beiden Bündner Anlässe. „Alle drei haben geholfen, aus 36 Einzelmasken ein Team zu bilden. Und das war vielleicht die Basis für unseren Erfolg“, bedankte sich ein Weltmeister bei dem Trio.
Das nächste (und letzte) Mal wird sich das Team im November anlässlich des "Tages der Berufsbildung" an der Ausstellung Cebit in Luzern treffen - natürlich in Galauniformen...
Hier einige Bildimpressionen vom Weekend in Thusis:

Besuch im Wasserkraftwerk Ferrera: Autotechniker Benjamin Haus (l.) und Landschaftsgärtner Martin Müller scheunen sich ein Turbinenrad näher an.

Fachsimpeln unter Experten bei Festessen am Samstag (v.l.): Schneiderin Annette Stähli, Technischer Leiter und Gastgeber Rico Cioccarelli und Kosmetikerin Susan Meier.

Wenn Teammitglieder zu Freundinnen werden: Servicefachfrau Sandra Filter (r.) und Kosmetikerin Rahel Wolfisberg.

Die Einhemischen konnten den Weltmeistern Fragen stellen.

Sandra Filter gewann das Publikum mit den Worten "Ich habe meine Medaille im Herzen".

Autolackierer .José João Gonçalves musste dem Publikum in Thusis seine Medaillen zeigen

Darfs e bytzeli meh sy? Von links: Schreiner Jonas Buff, Drucker Stefan Durrer und Kosmetikerin Rahel Wolfisberg.

Vor dem Aufbruch zur Viamala am Sonntagmorgen waren längstens
nicht alle so frisch wie Goldschmied Roman Wisler.

Ihnen verging jedenfalss das Lachen nicht (v.l.): Maschinenbauer Stefan Richard, Spengler Gilles Kehrli, Elektroniker Sascha Feuz und Zimmermann Michael Hürbin. Schwinger Hürbin hat übrigens zwei Tage nach der Rückkehr aus Helsinki am Aargauischen teilgenommen. Zum Kranz reichte die Kraft leider nicht: Nach zwei Siegen gab es vier Pleiten en suite...


