Der Countdown läuft auf volle Touren

Jetzt wirds ernst: Am Sonntag um 16 Uhr bezog das Team das WM-Hotel in Helsinki, wo auch andere Delegationen untergebracht sind. Nicht allen fiel der Abschied leicht: "Wir hatten uns in unserem 'Magglingen' so gut eingelebt", meinte Teamleiter Thomas Hilger. In Helsinki wird das Programm übrigens immer mehr auf "Wettkampfrhythmus" umgeschaltet, indem beispielsweise das Abendessen später, nämlich um 20 Uhr eingenommen wird.
Am Sonntagvormittag wurde nochmals viel Sport getrieben. Dank schönem (aber erneut sehr windigem) Wetter riskierten einige Wagemutige erneut den Sprung ins eisige Wasser. Etwas Pech hatte Stahlbauer Daniel Blum, der sich beim Tennisspiel einen Zahn ausschlug und danach in Helsinki Bekanntschaft mit einem finnischen Dentisten schliessen durfte. Er trug sein Schicksal cool und mit Würde: "Das ist doch eine Bagatelle." Das übrige Team ist gesundheitlich in bester Ordnung.

Ein erholsamer Samstag im finnischen Magglingen


Der schöne Empfang bin der Schweizer Botschaft am Freitagabend ist bereits Erinnerung. Am Samstag widmete sich das Team wieder der Vorbereitung auf den Wettkampf. Am Vormittag rief Teamleiterin Jacqueline Mader zum Mentaltraining, dann wurde mit einem zweistündigen Fussmarsch ein nahes Naturschutzgebiet "entdeckt". Dank dem Einsehen von Petrus (Kaiserwetter, trotz kaltem Wind ansehnliche 17 Grad) konnte das Mittagessen zu einer Grillparty umfunktioniert werden. Danach war Sport angesagt, vorab Fussball. Die beiden Landschaftsgärtner Lorenz Arbogast und Martin Müler und einige "Hölzige" liessen es nicht nehmen, ein Bad im kalten See zu nehmen. Das sei "gut für das Immunnsystem" :..
Teamleader Thomas Hilger vergleicht die polysportive Anlage mit jener der Eidg. Sportschule in Magglingen bei Biel: "Einen besseren Ort für die WM-Vorbereitung hätten wir kaum finden können." Die ganze Equipe sei "total aufgestellt und super eingestellt." Von Lampenfieber habe man jedenfalls noch nichts bemerkt.

20. Mai: Schweizer Team vom Botschafter empfangen

Die 36-köpfige Schweizer Equipe geniesst mit den beiden Teamleadern einige wenige ruhige Tage in einer schönen Hotelanlage ausserhalb der Hauptstadt Helsinki. Mitten in der idyllischen See- und Waldlandschaft wird in diesem „Precamp“ an der körperlichen und psychischen Fitness herumgefeilt. Das Wetter spielte am Freitag weitgehend mit: Sonne pur, allerdings gab es erneut einen starken kühlen Wind. Die einzige „Störung“ war am Freitag der Empfang, zu dem sie der Schweizer Botschafter in Finnland, Pierre Chrzanovski, gebeten hat. Am Sonntag folgt der Umzug ins Mannschaftshotel, in dem das Team bis zum WM-Ende von der Aussenwelt praktisch isoliert sein wird (auch Handys und Labtops sind strengstens verboten!).

Sie genossen das "diplomatische Leben" (v.l.): Daniel Blum (Stahlbauer), Benjamin Müller (Sanitärinstallateuer) und Flavia Scussel (Floristin)

Die Schweizer Delegation in Helsinki

Flyer Delegation

Die Schweizer Delegation ist gut angekommen

Pünktlich nach Flugplan ist die Schweizer Delegation am Donnerstagnachmittag in Helsinki angetroffen. Der Flug verlief vorerst ruhig, doch ausgerechnet während des Mittagessens sorgten Windstösse für einige Turbulenzen. Nicht ganz ohne Turbulenzen verlief auch das Einchecken in Kloten. Ein Informatikexperte stellte erst am Schalter fest, dass sein Pass abgelaufen war. Und ein Kandidat aus dem Metallfach schaffte es, so viel Werkzeug in seinen Koffer zu packen, dass die Waage über 50 Kilogramm anzeigte. Doch beide Missgeschicke konnten rasch behoben werden …
Das Wetter in Helsinki war abgesehen von einigen Schleierwolken sonnig und sehr windig. Die Finnen erwiesen sich als perfekte Gastgeber; das Akkreditieren von Experten und Teilnehmenden konnte in kurzer Zeit abgewickelt werden. „Nur die finnische Sprache ist eine Nuss, die wir kaum knacken werden“, rapportierte Delegationschefin Christine Davatz-Höchner.

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34 Eidgenossen an der Berufs-WM in Helsinki

Vier Frauen und 32 Männer bilden das Schweizer Team, das vom 26. bis 29. Mai in Helsinki in 34 Berufen um WM-Medaillen kämpfen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht, und es gibt einige „Geheimtipps“.

Gegenüber der Berufs-WM in St. Gallen 2003 ist die Equipe um sechs Kandidaten kleiner ausgefallen. Der Grund dafür liegt vor allem in der Bereinigung der WM-Reglemente. So wurde die Mindestanzahl von teilnehmenden Ländern erhöht, was etwa das Verschwinden der Modelbauer, der Stuckateure und der Bäcker zur Folge hat. Andere Berufe wurden zusammengelegt; so gibt es etwa neu CNC-Bearbeitung statt CNC-Dreher und CNC-Fräser sowie einfach Coiffure statt Damen- und Herrenfriseur. Etwas reduziert wurde zudem die Anzahl der Demonstrationsberufe. In einigen Disziplinen verzichtet der verantwortliche Branchchenverband freiwillig (oder auch mangels Finanzen und Kandidaten) auf eine Teilnahme. So schicken die Kältetechniker auch diesmal keinen Vertreter an die WM. Übrigens: Wer sich wundert, dass 36 Kandidaten in 34 Berufen antreten, der vergisst das bei den Landschaftsgärtnern und bei den Mechatronikern Zweierteams am Werk sind.

Der Schatten von St. Gallen
Für Delegationschefin Christine Davatz-Höchner ist klar, dass das Team unter Erfolgsdruck steht. Kein Wunder, denn beim Heimspiel 2003 in St. Gallen sahnte die Schweiz gehörig ab. Der Medaillensegen war einmalig: achtmal Gold, neunmal Silber und dreimal Bronze, dazu gab es neun Diplome. Die Eidgenossen schlugen damit nicht nur die Erzrivalen aus Österreich, sondern auch die „Unbesiegbaren“ aus Südkorea und gewannen die Nationenwertung. Aber es kam noch besser, denn die Servicefachfrau Monika Zbinden holte auf famose Art den Sieg in der Einzelwertung, und für Malerin Simone Fischbacher gab es die begehrte Auszeichnung als beste Frau in einem männerdominierten Beruf. „Wir werden in Helsinki die Hasen sein, die von einer grossen Hundemeute gejagt werden. Aber unsere Chancen stehen nicht schlecht, und wir werden uns sicher zu wehren wissen“, schmunzelt der Technische Delegierte Edwin Naef.

Vorsichtig optimistisch
Delegationschefin Christine Davatz-Höchner mag keine Spekulationen über das Abschneiden der Helsinki-Equipe anstellen: „Es wird sicher nicht leicht sein, ganz vorne zu sein. In fast allen Disziplinen ist die internationale Spitze heute noch breiter als vor zwei Jahren in St. Gallen. Wir streben dennoch einen Spitzenplatz in der Nationenwertung an.“ Die seit 1998 amtierende offizielle Delegierte ist nicht zuletzt deshalb so zuversichtlich, weil das Niveau der nationalen WM-Qualifikationswettkämpfe in den meisten Berufen sehr hoch war. „Die grosse Mehrheit der Branchenverbände hat die Vorbereitung ihrer Kandidatinnen und Kandidaten nochmals optimiert.“ Erste Berichte der beteiligten Experten zeigten zudem, dass das Team über mehrere heisse „Geheimtipps“, verfügt.

Leider keine Romands
Ein Blick auf die Liste der Teilnehmenden zeigt, dass die frühere zahlenmässige Dominanz der Ostschweiz und insbesondere des Bernbiets endgültig vorbei ist. Die Führung ging an die Zentralschweiz; nochmals zugelegt haben die Kantone Aargau und Zürich. Keine Freude haben die Verantwortlichen an der Tatsache, dass die lateinische Schweiz diesmal an der Berufs-WM gar nicht vertreten sein wird. In St. Gallen waren immerhin zwei Tessiner und ein Romand mit von der Partie. „Mehrere Westschweizer haben die Qualifikation nur ganz knapp verpasst“, bedauert Christine Davatz-Höchner. Bei den Automechanikern wurde ein Waadtländer sogar Schweizer Meister, doch im entscheidenden Selektionswettkampf war er seinem Zürcher Konkurrenten unterlegen. Zudem mochte ein Walliser trotz Qualifikation die Strapazen der Vorbereitung nicht auf sich nehmen. „Wir müssen aber in den nächsten Jahren ganz gezielt die Wettbewerbe in der lateinischen Schweiz forcieren, wenn wir wollen, dass alle Landesteile vertreten sind“, meint die Delegationschefin. Allerdings gebe es Grenzen, „weil die Berufslehre aus historischen Gründen in der Westschweiz wohl nie derart verankert sein wird wie in der Deutschschweiz.“

Frauen im Vormarsch
Ein Anlass zur Freude ist für Davatz-Höchner hingegen die Tatsache, dass der Frauenanteil mit vier Kandidatinnen dem langjährigen Durchschnitt werden konnte. „Wir können eindeutig feststellen, dass Frauen bei den nationalen Wettkämpfen eindeutig im Vormarsch sind, oft fehlt nur ganz wenig zum Schritt aufs oberste Treppchen.“

Grossangriff der Asiaten
Allgemein erwartet wird in Helsinki ein Grossangriff der Asiaten, die in St. Gallen den Sieg in der Nationenwertung der Schweiz überlassen mussten. „Nach dem für sie so enttäuschenden Abschneiden haben vor allem die Südkoreaner und die Japaner nun einen Zacken zugelegt. Für sie haben die Berufs-WM weiterhin einen höheren Stellenwert als für uns, das ist viel Prestigedenken und Angst vor Gesichtsverlust im Spiel“, sagt der Technische Delegierte der Schweiz, Edwin Naef. Doch auch den grenzenlos fleissigen Asiaten, die ihre Kandidaten wie Vollprofis schon seit mindestens einem Jahr minuziös vorbereiten, sind glücklicherweise Limiten gesetzt: „Man kann den Wettkampf nicht hundertprozentig im Training vorbereiten, weil in Helsinki andere Materialien, Werkzeuge und Maschinen zum Einsatz kommen. Beizufügen wäre, dass die grosse Mehrheit des Schweizer Teams zwar ausgiebig tranierte, doch daneben wurde meist ganz normal gearbeitet.


Das Schweizer Team 2005 (hinten von links nach rechts): Jacqueline Mader (Teamleiterin), Florian Bettschen, Bruno Friederich, Lorenz Arbogast, Michael Iten, Patric Moser, Martin Müller Benjamin Haus, Sabine Stanger, Gilles Kehrli, Flavia Scussel, Stefan Richard, Sandra Filter, Lorenz Hofer, Rachel Wolfisberg, Matthias Maurer, Daniel Blum, Timon Achtnich, Patrick Specker, Michael Hürbin, Reto Welz, Sascha Feuz, Thomas Hilger (Teamleiter).Vorne von links nach rechts: David Muheim, José João Gonçalves, Claude Grossenbacher, Zekerijah Sprecak, Flurin Tuor, Roman Wisler, Raphael Ruf, Christoph Meier, Benjamin Müller, David Müller, Jonas Buff, Reto Hess, Stefan Durrer,Bernhard Egger.
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