14. Januar 2009
Für Höheres bestimmtes Trio
Die drei Besten (v.l.): Martin Buob, Dominik Süess und Arno Conradin
Im Elektro-Ausbildungszentrum der Zentralschweiz in Horw traten kürten 20 junge Elektroinstallateure in den Berufsgattungen Elektroinstallateur (18) und Industrie-Elektriker (19) die Teilnehmer für die Worls-Skills in Calgary sowie den Startplatz an den EM in Spanien im Sommer 2009.
«Für die anspruchsvolle Arbeit hatten die 19 Schweizer und ein Gastteilnehmer aus dem Fürstentum Liechtenstein insgesamt 24,5 Stunden Zeit», erläutert Adrian Sommer, der neue Organisator der Schweizermeisterschaft. «Die Idee, eine umfassende Elektroinstallation in einer Tiefgarage auszuführen, stiess allseits auf grosses Interesse und dürfte den Schwierigkeitsgrad der Berufsweltmeisterschaften übertreffen.»
Die Aufgabe, welche die 20 jungen Männer zu lösen hatten, verlangte ein hohes Mass an Können. Andererseits hatten sich die Kandidaten bereits an sieben regionalen Ausscheidungen an die Spitze gehisst und stellen darum in den fraglichen Jahrgängen die Elite dar.
Tiefgarage elektrifizieren
Konkret ging es darum, ein 19-plätzigen Autogarage unter einer Wohnsiedlung zu elektrifizieren und die vorhandenen Stromverbraucher in einem Schaltschrank sauber anzuschliessen und abzusichern. Damit für alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen herrschten, wurde die Tiefgarage an einer «leeren» Wand (rund 3 auf 2 Meter) dargestellt. Die meisten Strombezüger wie Lampen, Schalter, Steckdosen oder Sensoren mussten an genau definierten Stellen angebracht werden. Andere Geräte – etwa das automatische Garagentor – wurden nur symbolisch bis zu den Endschaltern angeschlossen.
Die als Experten eingesetzten Mitglieder der Berufsbildungskommission des Verbands Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI), darunter die beiden Betreuer der Berufsgattungen Elektroinstallateur (Adrian Sommer, Projektleiter) und Industrieelektriker (André Röthlin), prüften den Arbeitsfortschritt laufend. Sie benoteten die einzelnen Stufen, wobei ein Kandidat maximal 100 Punkte nach folgendem Schema erreichen konnte: Masse 15 Punkte; Funktion 25 Punkte; Inbetriebnahme 10 Punkte; Rohre, Kabel, Drähte 10 Punkte; Kanäle, Apparate, Schaltschrank 10 Punkte; Verdrahtung 10 Punkte; Anschlüsse 5 Punkte; Sicherheit 5 Punkte und Logo 10 Punkte.
Alle Geräte oder Stromzapfstellen wurden laufend nach diesen Vorgaben begutachtet, während die Burschen für insgesamt 160°000 Franken Material an den Wänden verbauten. Über Kabeltrassen und -kanäle, Aluminium-Rohre oder mit Nagelbriden wurden die Kabel vom Verbraucher zum Schaltschrank geführt.
Knacknuss Schaltschrank
In einem 600x760x210 Millimeter grossen Schrank liefen schliesslich alle Kabel zusammen. Nun ging es darum, alle Lichtquellen, die Stromleitungen, den CO2-Sensor, die Steuerung des Tores, die Induktionsschlaufe, die Sumpfpumpe, die Lichtschranke, den Schlüsselschalter, den Drucksensor sowie den Infrarotmelder über die richtige Sicherung zu verkabeln. Von da weg mussten weitere Kabel zu den Kontrollleuchten und Funktionsschaltern im Schrankdeckel verlegt werden.
Gut in den Punkten lag, wer den Kabelsalat vermied und jeden Draht in der richtigen Länge sauber gebündelt zum Anschluss führte. Schliesslich mussten verschiedene Parameter programmiert werden. Eine abschliessende Prüfung zeigte, ob alles wie gewünscht funktioniert. Wer all dies in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffte und sich nicht von den gestrengen Experten, den Besuchern oder den Kollegen ablenken liess, hatte gute Chancen auf einen der vordersten Plätze.
Reich belohnt wurden alle
An der Rangverkündigung platzte der Saal aus allen Nähten. Eltern, Arbeitgeber, Freunde und Freundinnen waren angereist. Adrian Sommer leitete den festlichen Akt mit den Worten ein: «Ich bin von der Performance der Kandidaten positiv überrascht worden. Die Komplexität der Aufgabenstellung war sehr anspruchsvoll, die vollbrachte Arbeit dementsprechend hoch zu bewerten. Ich bedaure einzig, dass in diesem Jahr der Kanton Tessin nicht vertreten und keine Dame unter den Teilnehmern war.» Ein herzliches Dankeschön spendete Sommer „den grosszügigen Sponsoren, welche diesen Berufswettbewerb überhaupt ermöglichten“. Schliesslich lobte er die Arbeitgeber der jungen Berufsleute. «Sie stellen den Burschen die notwendige Zeit für Vorbereitung und Teilnahme zur Verfügung, Sie rüsten die Kandidaten bestens aus und sie geben Ihnen viel Input und Motivation mit auf den Weg.»
Danach beglückwünschte VSEI-Zentralpräsident Alfons Meier die Kandidaten zu ihrer formidablen Leistung. Als besonderes «Zückerchen» erwähnte er, dass jeder Teilnehmer mit 1000 Franken belohnt werde.
20 Experten, gut 600 Ktiterien
Genau 608 Bewertungskriterien wurden von den 20 Experten berücksichtigt und in die Notenblätter eingetragen. Sie flossen als nackte Ziffern mit Hundertstel-Abstufung in die Datenblätter. An der Spitze entwickelte sich ein harter Zweikampf, den schliesslich der St. Galler Dominik Süess mit 0,19 Punkten Vorsprung für sich entschied. Er wird mit Betreuer André Röthlin in Kanada in der Berufskategorie 19 Industrie-Elektriker starten. Aber auch der Zentralschweizer Armin Buob darf als Zweitplatzierter nach Calgary. Er vertritt die Schweiz in der Kategorie 18 Elektroinstallateur und wird von Adrian Sommer betreut. Aus dem Bündnerland kommt Arno Conradin, der als Dritter mit 88,88 Punkten am europäischen Berufswettbewerb 2010 in Spanien teilnehmen darf.
Als Gast hat Simon Hemmerle aus Vaduz an der Schweizermeisterschaft teilgenommen – er wird das Fürstentum an den World Skills Competition vertreten. Jedem Teilnehmer wurde eine Urkunde sowie ein Präsent überreicht.
Roland Hofer
Rangliste
1. Dominik Süess, Andwil, (Lehrbetrieb: HPH Hardegger AG, Engelburg). Startet an den World Skills im Beruf 19.
2. Martin Buob, Neunkirch (Georg Imbach AG, Neunkirch). Startet an den World Skills im Beruf 18.
3. Arno Conradin, Valchava (Fliri und Conrad, St. Maria). Startet an der Berufs-Europameisterschaft 2010 in Spanien.
4. Beat Brenzikofer, Häutligen (Schäfer El.unternehmung GmbH, Niederhünigen)
5. Reto Bricke, Bürglen (Elektrizitätswerk, Altdorf)
6. Reto Holliger, Boniswil (SWL Energie AG, Lenzburg)
Übrige Ränge (alphabetisch):
Ousmane Ba, Basel (K. Schweizer AG, Basel);
Nicolas Baier, Vevey (zur Zeit Berufsmatur);
Daniel Brunner, Flawil (Bossart Elektro + Telefon, Flawil);
Florian Cotting, Ependes (CKW Conex AG, Luzern);
Fabian Häusler, Niederhasli (Glattal Installationen AG, Glattbrugg);
Michael Heeb, Zwillikon (Elektro Ackermann GmbH, Ottenbach);
Simon Hemmerle, Vaduz (startet an den World Skills für das Fürstentum Liechtenstein);
Heinrich Hesse, Magglingen (Stebatec Messtechnik, Brügg);
Simon Keller, Steinhausen (Elektro Küng AG, Steinhausen);
Raphael Märki, Rüfenacht (JB Jost Brugg AG, Brugg);
Micha Perreten, Turbach (Elektrohuus v. Allmen AG, Gstaad);
André Tavares, Petit-Lancy (Montainier et Schwitzguebel SA, Genève) ;
Manuel Venetz, Stalden (Studer Söhne Elektro AG, Visp);
Nicolas Wenger, Cessy France (Kaech S.A., Genève).
Das Siegertrio (v.l.) Martin Buob, Dominik Süess und Arno Conradin mit VSEI-Zentralpräsident Alfons Meier sowie die Betreuer Adrian Sommer und André Röthlin (ganz rechts).
Die 20 Teilnehmer der Elektriker-Schweizermeisterschaft nach getaner Arbeit bei der Fotosession.