Schweizer WM-Team im Bundeshaus


Optimismus und Zuversicht vor dem WM in Calgary (von links): Tarzisius Caviezel (Bündner Nationalrat), Christine Davatz (sgv, Offizielle Delegierte), Ursula Renold (Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie) und Rico Cioccarelli (Technischer Delegierter).




Die diesjährigen WorldSkillsCompetions (Berufsweltmeisterschaften) rücken näher: Die Grossveranstaltung geht Anfang September im kanadischen Calgary über die Bühne. Das Schweizer Team ist bereits seit Monaten intensiv mit der Vorbereitung beschäftigt. Dazu gehört auch der traditionelle Besuch Bundeshaus, bei dem die Delegation der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und Gelegenheit zu Begegnungen mit eidgenössischen Parlamentariern bestand. Der sgv spielt dabei nach wie vor eine wichtige Rolle, amtet doch Vizedirektorin Christine Davatz bereits zum sechsten Mal als Delegationschefin. Die Teamverantwortliche sind zuversichtlich, dass die Schweiz in Calgary viele Medaillen erobern und eine Spitzenklassierung in der Nationenwertung erreicht.

Schweizer Meisterschaft der Elektroinstallateure

Für Höheres bestimmtes Trio


Die drei Besten (v.l.): Martin Buob, Dominik Süess und Arno Conradin

Im Elektro-Ausbildungszentrum der Zentralschweiz in Horw traten kürten 20 junge Elektroinstallateure in den Berufsgattungen Elektroinstallateur (18) und Industrie-Elektriker (19) die Teilnehmer für die Worls-Skills in Calgary sowie den Startplatz an den EM in Spanien im Sommer 2009.

«Für die anspruchsvolle Arbeit hatten die 19 Schweizer und ein Gastteilnehmer aus dem Fürstentum Liechtenstein insgesamt 24,5 Stunden Zeit», erläutert Adrian Sommer, der neue Organisator der Schweizermeisterschaft. «Die Idee, eine umfassende Elektroinstallation in einer Tiefgarage auszuführen, stiess allseits auf grosses Interesse und dürfte den Schwierigkeitsgrad der Berufsweltmeisterschaften übertreffen.»
Die Aufgabe, welche die 20 jungen Männer zu lösen hatten, verlangte ein hohes Mass an Können. Andererseits hatten sich die Kandidaten bereits an sieben regionalen Ausscheidungen an die Spitze gehisst und stellen darum in den fraglichen Jahrgängen die Elite dar.

Tiefgarage elektrifizieren
Konkret ging es darum, ein 19-plätzigen Autogarage unter einer Wohnsiedlung zu elektrifizieren und die vorhandenen Stromverbraucher in einem Schaltschrank sauber anzuschliessen und abzusichern. Damit für alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen herrschten, wurde die Tiefgarage an einer «leeren» Wand (rund 3 auf 2 Meter) dargestellt. Die meisten Strombezüger wie Lampen, Schalter, Steckdosen oder Sensoren mussten an genau definierten Stellen angebracht werden. Andere Geräte – etwa das automatische Garagentor – wurden nur symbolisch bis zu den Endschaltern angeschlossen.
Die als Experten eingesetzten Mitglieder der Berufsbildungskommission des Verbands Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI), darunter die beiden Betreuer der Berufsgattungen Elektroinstallateur (Adrian Sommer, Projektleiter) und Industrieelektriker (André Röthlin), prüften den Arbeitsfortschritt laufend. Sie benoteten die einzelnen Stufen, wobei ein Kandidat maximal 100 Punkte nach folgendem Schema erreichen konnte: Masse 15 Punkte; Funktion 25 Punkte; Inbetriebnahme 10 Punkte; Rohre, Kabel, Drähte 10 Punkte; Kanäle, Apparate, Schaltschrank 10 Punkte; Verdrahtung 10 Punkte; Anschlüsse 5 Punkte; Sicherheit 5 Punkte und Logo 10 Punkte.
Alle Geräte oder Stromzapfstellen wurden laufend nach diesen Vorgaben begutachtet, während die Burschen für insgesamt 160°000 Franken Material an den Wänden verbauten. Über Kabeltrassen und -kanäle, Aluminium-Rohre oder mit Nagelbriden wurden die Kabel vom Verbraucher zum Schaltschrank geführt.

Knacknuss Schaltschrank
In einem 600x760x210 Millimeter grossen Schrank liefen schliesslich alle Kabel zusammen. Nun ging es darum, alle Lichtquellen, die Stromleitungen, den CO2-Sensor, die Steuerung des Tores, die Induktionsschlaufe, die Sumpfpumpe, die Lichtschranke, den Schlüsselschalter, den Drucksensor sowie den Infrarotmelder über die richtige Sicherung zu verkabeln. Von da weg mussten weitere Kabel zu den Kontrollleuchten und Funktionsschaltern im Schrankdeckel verlegt werden.
Gut in den Punkten lag, wer den Kabelsalat vermied und jeden Draht in der richtigen Länge sauber gebündelt zum Anschluss führte. Schliesslich mussten verschiedene Parameter programmiert werden. Eine abschliessende Prüfung zeigte, ob alles wie gewünscht funktioniert. Wer all dies in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffte und sich nicht von den gestrengen Experten, den Besuchern oder den Kollegen ablenken liess, hatte gute Chancen auf einen der vordersten Plätze.

Reich belohnt wurden alle
An der Rangverkündigung platzte der Saal aus allen Nähten. Eltern, Arbeitgeber, Freunde und Freundinnen waren angereist. Adrian Sommer leitete den festlichen Akt mit den Worten ein: «Ich bin von der Performance der Kandidaten positiv überrascht worden. Die Komplexität der Aufgabenstellung war sehr anspruchsvoll, die vollbrachte Arbeit dementsprechend hoch zu bewerten. Ich bedaure einzig, dass in diesem Jahr der Kanton Tessin nicht vertreten und keine Dame unter den Teilnehmern war.» Ein herzliches Dankeschön spendete Sommer „den grosszügigen Sponsoren, welche diesen Berufswettbewerb überhaupt ermöglichten“. Schliesslich lobte er die Arbeitgeber der jungen Berufsleute. «Sie stellen den Burschen die notwendige Zeit für Vorbereitung und Teilnahme zur Verfügung, Sie rüsten die Kandidaten bestens aus und sie geben Ihnen viel Input und Motivation mit auf den Weg.»
Danach beglückwünschte VSEI-Zentralpräsident Alfons Meier die Kandidaten zu ihrer formidablen Leistung. Als besonderes «Zückerchen» erwähnte er, dass jeder Teilnehmer mit 1000 Franken belohnt werde.

20 Experten, gut 600 Ktiterien
Genau 608 Bewertungskriterien wurden von den 20 Experten berücksichtigt und in die Notenblätter eingetragen. Sie flossen als nackte Ziffern mit Hundertstel-Abstufung in die Datenblätter. An der Spitze entwickelte sich ein harter Zweikampf, den schliesslich der St. Galler Dominik Süess mit 0,19 Punkten Vorsprung für sich entschied. Er wird mit Betreuer André Röthlin in Kanada in der Berufskategorie 19 Industrie-Elektriker starten. Aber auch der Zentralschweizer Armin Buob darf als Zweitplatzierter nach Calgary. Er vertritt die Schweiz in der Kategorie 18 Elektroinstallateur und wird von Adrian Sommer betreut. Aus dem Bündnerland kommt Arno Conradin, der als Dritter mit 88,88 Punkten am europäischen Berufswettbewerb 2010 in Spanien teilnehmen darf.
Als Gast hat Simon Hemmerle aus Vaduz an der Schweizermeisterschaft teilgenommen – er wird das Fürstentum an den World Skills Competition vertreten. Jedem Teilnehmer wurde eine Urkunde sowie ein Präsent überreicht.

Roland Hofer


Rangliste
1. Dominik Süess, Andwil, (Lehrbetrieb: HPH Hardegger AG, Engelburg). Startet an den World Skills im Beruf 19.
2. Martin Buob, Neunkirch (Georg Imbach AG, Neunkirch). Startet an den World Skills im Beruf 18.
3. Arno Conradin, Valchava (Fliri und Conrad, St. Maria). Startet an der Berufs-Europameisterschaft 2010 in Spanien.
4. Beat Brenzikofer, Häutligen (Schäfer El.unternehmung GmbH, Niederhünigen)
5. Reto Bricke, Bürglen (Elektrizitätswerk, Altdorf)
6. Reto Holliger, Boniswil (SWL Energie AG, Lenzburg)
Übrige Ränge (alphabetisch): Ousmane Ba, Basel (K. Schweizer AG, Basel); Nicolas Baier, Vevey (zur Zeit Berufsmatur); Daniel Brunner, Flawil (Bossart Elektro + Telefon, Flawil); Florian Cotting, Ependes (CKW Conex AG, Luzern); Fabian Häusler, Niederhasli (Glattal Installationen AG, Glattbrugg); Michael Heeb, Zwillikon (Elektro Ackermann GmbH, Ottenbach); Simon Hemmerle, Vaduz (startet an den World Skills für das Fürstentum Liechtenstein); Heinrich Hesse, Magglingen (Stebatec Messtechnik, Brügg); Simon Keller, Steinhausen (Elektro Küng AG, Steinhausen); Raphael Märki, Rüfenacht (JB Jost Brugg AG, Brugg); Micha Perreten, Turbach (Elektrohuus v. Allmen AG, Gstaad); André Tavares, Petit-Lancy (Montainier et Schwitzguebel SA, Genève) ; Manuel Venetz, Stalden (Studer Söhne Elektro AG, Visp); Nicolas Wenger, Cessy France (Kaech S.A., Genève).



Das Siegertrio (v.l.) Martin Buob, Dominik Süess und Arno Conradin mit VSEI-Zentralpräsident Alfons Meier sowie die Betreuer Adrian Sommer und André Röthlin (ganz rechts).




Die 20 Teilnehmer der Elektriker-Schweizermeisterschaft nach getaner Arbeit bei der Fotosession.

Schweizer Meisterschaft der Restaurateure und Köche

Gourmetfreuden an reich gedeckter Tafel


Das Siegestrio im Kochberuf (v.l.): Rebecca Clopath, Daniela Manser und Thierry Boillat.

Das Ausbildungszentrum der Hotel- und Gastro-Formation in Weggis am Vierwaldstättersee war Schauplatz der diesjährigen Schweizermeisterschaften in den Berufen Koch und Restauration. In beiden Disziplinen setzten sich Frauen durch.

Bereits am Vorabend trafen die bereits in regionalen Ausscheidungen unter 50 Kandidaten ausgewählten fünf Köchinnen und Köche in Weggis ein, denn ihnen stand ein langer Arbeitstag bevor. Bloss eine Pause von 90 Minuten unterbrach das Kochprogramm, das um 8.30 Uhr begann und um rund 21.30 Uhr mit der Rangverkündigung endete.

Ein langer Arbeitstag
Unter den aufmerksamen Blicken der Juroren Kurt Hanselmann (Chefexperte, St. Gallen), Rolf Bücheli (Horn), Rolf Mürner (Zimmerwald), Marco Mehr (Alpnach Dorf) und Florian Bettschen (Jona) mussten zuerst, zwei verschiedene Pastagerichte hergestellt werden. Diese mussten für vier Personen berechnet sein, und Jakobsmuscheln, frischen Hummer, Ricotta und Parmesan beinhalten. Nach zweieinhalb Stunden war es am Jurorenteam, die Speisen zu kosten und zu bewerten. Nach kurzem Unterbruch wurde Modul zwei in Angriff genommen. Da galt es, unter Anwendung von zwei verschiedene Garverfahren ein Geflügelgericht für vier Personen zu kreieren. Dazu kamen Gemüse- sowie Sättigungsbeilagen und Sauce. Drei Stunden später beurteilten die Experten nicht nur die fertigen Gerichte, sondern auch hygienische und wirtschaftliche Aspekte.
Gar dreieinhalb Stunden Zeit hatten die Kandidatinnen für das dritte Modul, das ganz den Süssspeisen gewidmet war. Je eine kalte und warme Süssspeise mussten komponiert werden aus Schokolade (75 Prozent Maracaibo), Mango und Brandteig. Auch nach neun Stunden durfte die Konzentration der Kandidatinnen nicht nachlassen, es galt das fachliche Können mit organisatorischem Geschick ideal zu kombinieren und Höchstleistungen abzurufen.
Da fand auch Chefexperte Kurt Hanselmann Zeit für eine Zwischnebilanz: „Es erstaunt mich immer wieder, wie sich junge Berufsleute mit grossem Engagement freiwillig den Strapazen des Wettbewerbes stellen. So viel Aufwand – und am Schluss entscheiden Kleinigkeiten über das Gesamtresultat.»

Tischlein deck dich
Erst am frühen Nachmittag gesellten sich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Restaurationsfach zu den in der Küche Schwitzenden. Vier bestens vorbereitete junge Damen und ein „Ober“ machten sich an den Tischen zu schaffen. Vor den Augen des Chefexperten Roman Monn und seinem hochkarätigen Team bestehend aus Martin Erlacher, Georg Akes, Margrit Röllin sowie Julia Scussel begann das Quintett damit, ein weihnachtliches Gesteck für einen runden Vierertisch zu fertigen. Noch vor dem Eintreffen der geladenen Gäste wurde ein Aperotisch gedeckt und zwei Portionen Rauchlachs geschnitten. Vier verschiedene Falt-Formen erhielten danach die Servietten. Nach einer kurzen Pause wurde der Beistelltisch (Gueridon) fertig eingerichtet.
Inzwischen haben je vier hungrige Gäste an den Tischen Platz genommen und werden von den Kandidatinnen nach den Aperitif-Wünschen befragt. Nun die Serviceleute beweisen, was in ihnen steckt. Flink und mit Charme wurden die Getränke serviert, dann folgten Rauchlachs und Salate. Nachdem die Experten die Abläufe auf ihren Notizblättern festhielten, galt ihr nächstes Augenmerk dem Filetieren einer Seezunge, dem Tranchieren eines Poulets und dem Flambieren von Pfirsichen. Bewertet wurde auch das Dekantieren des Rotweins. Mit „Kaffee avec“ schloss die Aufgabe am Tisch. Danach folgte eine Knacknuss: Aus zehn verschiedenen Gläsern mussten sie – lediglich mit Augen und der Nase – herausfinden, welches Getränk sich darin befand.

Zwei Frauen für Calgary
Eine knappe Stunde später – in der Zwischenzeit hatte das „Rechnungsbüro“ alle Hände voll zu tun – wurde zur Rangverkündigung geschritten. Hotelgastro-Direktor Max Züst leitete diesen mit Spannung erwarteten Akt ein: „Diese zehn jungen Leute stellen die Speerspitze unserer Branche dar. Ihr Können ist eine grosse Chance für die Zukunft, denn sie haben alles gegeben.“ Dann übernahm Cheforganisator Michael Berger das Szepter und verkündete: „Das Tagesziel der Schweizermeisterschaft wurde voll erreicht – alle die hier stehen sind Sieger!“ Erst nachdem die je zwei vierten Plätze bekanntgegeben waren, wurde das Podest bestückt. In beiden Berufsgattungen obsiegte eine junge Dame – beide konnten es kaum fassen. Als Eliane Mahrer als Einzige noch nicht aufgerufen war und damit als Siegerin bei den Restaurationsfachleuten feststand, konnte sie sich nicht mehr zurückhalten: „Die haben sich doch verrechnet“, meinte die Aargauerin ungläubig. Der Ausgang des Wettkampfes war tatsächlich sehr knapp. Eliane Mahrer hatte einen Vorsprung von 3,25 Punkten, während Daniela Manser nur 1,7 Punkte von der Zweitplatzierten trennten. Nun wartet auf das Gold-Duo eine weitere anspruchsvolle Aufgabe: Sie werden die Schweiz an der Berufs-WM 2009 im kanadischen Calgary vertreten.

Roland Hofer



Ranglisten

Schweizermeisterschaft im Kochberuf
1. Daniela Manser, Appenzell (Lehrbetrieb: Hotel Hof, Weissbad)
2. Thierry Boillat, Interlaken (Grand Hotel Victoria Jungfrau, Interlaken)
3. Rebeca Clopath, Liebefeld/BE (Restaurant Moospinte, Münchenbuchsee)
4. Manuel Friedrich, Spiez (Hotel Aeschi-Park, Aeschi) und Camil Siebenmann, Bern (Kornhauskeller, Bern)


Schweizermeisterschaft im Restaurantionsfach
1. Eliane Mahrer,
Zeiningen/AG (Lehrbetrieb: Hotel Hilton, Basel)
2. Farah Spalinger, Winterthur (Hotel Eden au Lac, Zürich)
3. Andreas Lüthi, Interlaken (Grand Hotel Victoria Jungfrau, Interlaken)
4. Michèle Grob, Brunnadern/SG (Hotel Sternen, Unterwasser) und Jessica Steinkeller, Landquart (Gasthof Löwen, Bad Ragaz)



Die drei Besten im Restaurationsfach: Farah Spalinger, Eliane Mahrer und Andreas Lüthi.

Schweizermeisterschaft der Plattenleger in Dagmersellen

Massgenauigkeit als Basis für den Sieg


Alle Landesteile waren auf dem Podest vertreten (v.l.): Der Romand William Protti, der Deutschschweizer Lukas Gutknecht und der Tessiner Alessandro Martino (schwangen obenaus.

Aus allen Landesteilen waren die besten 14 Plattenleger-Lehrabgänger ins Berufszentrum in Dagmersellen angereist, um ihren Meister zu küren. Während 16,5 Stunden in zweieinhalb Tagen gaben die jungen Berufsleute ihr Bestes. Am Schluss setzte sich der Solothurner Lukas Gutknecht knapp durch.

Die von namhaften Sponsoren unterstützte Schweizermeisterschaft hatte sogar einen internationalen Touch, denn ausser Konkurrenz startete der Liechtensteiner Marco Wohlwend (Schaanwald), der sich bereits für die Berufs-WM 2009 im kanadischen Calgary qualifiziert hat. Der Wettkampf war für ihn eine willkommene Gelegenheit, um seine Technik unter Druck weiter zu verfeinern.

Knifflige Aufgabe
Das Jury-Quartett Ivan Möri, Hans Zimmerli, Kurt Kühn und Thomas Vogel bewertete das Vorgehen der Kandidaten unter der Leitung des internationalen Experten Roger Dähler. Die Aufgabe war von der kniffligen Sorte: Es galt, aus einem Plan im Massstab 1:10 ein Design unter dem symbolhaften Motto „Die Schweiz in Bewegung“ zu gestalten. Dabei gab es vier Hauptelemente: den Calgary-Tower in der Ecke, ein Wolkengebilde am Himmel, ein dreidimensionales Schweizerkreuz links unten und am Boden den Atlantik mit der Jahrzahl 09. Natürlich spielten bereits die Arbeitsplatzeinrichtung und die gewählte Strategie eine wichtige Rolle. Im Kampf gegen die Zeit und angesichts der zahlreichen Besucher, welche die Arbeiten mitverfolgten, zeigten sich bald klare Unterschiede. Mit gutem Auge und richtigem Vorgehen entstanden da und dort zuerst die Plättchen mit Abschrägungen oder Rundungen. Gelernt ist gelernt, sagten sich die Kandidaten, und begannen das Keramikmaterial gekonnt zu bearbeiten.

Kandidaten in Zeitnot
Mit Schneidmaschine sowie Nass- und Trockenfräsen wurden die rechteckigen Platten zerkleinert. Dann wurden die Wände hochgezogen, das Schweizerkreuz modelliert und der Sockel des Turmes ausgeführt, bevor schliesslich der Boden „geplättelt“ wurde. Zu spät erkannten einige der Teilnehmer, dass ihnen die Zeit davonlief und sie deshalb Kompromisse eingehen mussten. „Wer den Zeitplan einhielt, den Arbeitsplatz sauber hielt und logisch vorging, hatte gute Chancen, viele Punkte zu sammeln“ meinte Roger Dähler. Er muss es ja wissen, hatte er doch an der WM 1999 in Montreal eine Bronzemedaille geholt.

Bei der würdig gestalteten Rangverkündigung lobten Roger Dähler auf Deutsch, Kurt Kühn auf Französisch und Ivan Möri auf Italienisch sämtliche Kandidaten für ihre Riesenleistung, die grossartige Disziplin sowie das handwerkliche Können. „Es braucht ein gutes Umfeld, um Höchstleistungen unter Druck vollbringen zu können. Familie, Geschäft und Freundinnen kommt dabei eine unglaublich wichtige Aufgabe zu“, schloss der Expertenbericht. Dann war die Reihe am amtierenden Weltmeister, dem Bündner Mirko Tschenett, der eine Bildreportage von den letzten Berufs-WM 2007 im japanischen Shizuoka präsentierte und über seine Erfahrungen berichtete.

Knappe Entscheidung
Nachdem sich alle Teilnehmer vor den versammelten Eltern, Freundinnen und Lehrmeistern gruppiert hatten, durften Alessandro Martino (3.), William Protti (2.) und schliesslich Lukas Gutknecht als Sieger ihre Position auf dem Podest einnehmen. Die Entscheidung fiel übrigens sehr knapp aus, die ersten Fünf waren nur durch wenige Punkte voneinander getrennt. Gutknecht holte sich den entscheidenden Vorsprung (4,35 Punkte vor Protti) vorab dank seiner Massgenauigkeit bei Senkeln, Winkeln und Schlitzen.
Neben der obligaten Medaille erhielt jeder eine Urkunde, eine Zinnkanne sowie einen Gutschein für Weiterbildungskurse im Wert von 200. 300 und 400 Franken. Alle übrigen Teilnehmer klassierten sich geschlossen im vierten Rang – sie wurden mit einem 100-Franken-Weiterbildungsgutschein belohnt.

Bereits Anfang Jahr beginnt für Lukas Gutknecht die intensive Vorbereitung auf die WM in Calgary. Sein Coach Roger Dähler ist zuversichtlich: „Lukas hat viel Potenzial. Mit hartem Training und ein bisschen Glück kann er in Kanada um einen Podestplatz mitkämpfen.“
Roland Hofer


Rangliste
1. Lukas Gutknecht, Balsthal (Lehrbetrieb: Paul Baumgartner AG, Derendingen)
2. William Protti, Sierre (Protti Christian, Sierre)
3. Alessandro Martino, Riazzino (Cerama AG, Losone)

4. (in alphabetischer Reihenfoilge): Haxhi Jupa, Vacallo (Gaffuri & Co., Chiasso); Jasmin Mavmudoski, Olten (Max Cotting, Trimbach); Jérôme Cardinaux, Chempéry (Bernard Avanthay SA, Monthey); Marc Camenisch, Sagogn (caveltiplatten GmbH, Laax); Marc Senti, Seewi-Schmitten (Ewald Good, Mels); Natmir Azizi, Frauenfeld (Peter Schönbächler, Affeltrangen); Robbin Bernardin, Fribourg (Aebischer Pascal SA, Fribourg); Robin Haas, Cornol (Biedermann Carrelages SA, Porrentruy); Sébastien Lathion, Baar-Nendaz (Ferd. Leitti SA, Sion); Simone Gervasoni, Aquilla (Jacobelli Piastrelle SAGL, Aquilla).



Höchste Massgenauigkeit: Schweizermeister Lukas Gutknecht vor seiner Arbeit mit dem Calgary-Tower.

Schweizermeisterschaft der Technischen Modellbauer

„Super-Knacknuss“ für die Nachwuchselite



Kann Martin Ackermann die Nuss knacken? Experte Rainer Honegger schaut jedenfalls kritisch zu.

Technische Modellbauer waren an den Berufs-WM für das Schweizer Team in der Vergangenheit sichere Medaillenlieferanten. Die diesjährige Schweizermeisterschaft bestätigte die hohe Qualität der jungen Berufsleute in dieser Sparte.

Räumliches Denken und die Umsetzung in die Gegenständlichkeit sind Voraussetzungen, die der Technische Modellbauer unbedingt mit sich bringen muss. Um sich aus einer Zeichnung mit Aufriss, Grundriss und Seitenriss und Schnitten ein realistisches 3-D-Modell vorzustellen und so zu bearbeiten, dass damit effizient produziert werden kann, braucht es sehr viel Erfahrung. Erfahrung, über welche die drei jungen, aus der Vorausscheidung von sieben Kandidaten für den Nationalen Final qualifizierten Teilnehmer, noch nicht verfügen. Ihr Können ist jedoch bereits recht hoch – muss es auch sein, sonst hätten sie an nationalen und internationalen Meisterschaften kaum eine echte Chance.

An den diesjährigen, im Schreiner Ausbildungszentrum Opfikon vom Branchenverband swiss-form durchgeführten Meisterschaften, hatten die drei Teilnehmer nach den Richtlinien der Lehrabschlussprüfungen durch Dreh- und Fräsarbeiten sowie Schnellharzgiessabguss ein Werkstück aus Schichtholz und Kunststoff (Polyuretan) anzufertigen. Laut Cheforganisator Rainer Honegger war die Wettbewerbsaufgabe eine „Super-Knacknuss“, zumal den Kandidaten nur 12 Arbeitsstunden zur Verfügung standen. „Da musste man sich das richtige Vorgehen genau überlegen, sonst war man schnell weg vom Fenster.“ Für die Bewertung, welche rund 60 Kriterien umfasste, war vor allem die Massgenauigkeit mit einer Toleranz von plus/minus 0,2 Millimetern, aber auch das visuelle Bild, welches das Modell abgibt, entscheidend. Die beste Arbeit gelang Daniel Lochbihler. „Er arbeitete sehr ruhig und exakt“, lobte Experte Honegger.

Noch nicht ganz geklärt ist die Frage, ob der Beruf Technischer Modellbauer an nächsten Berufs-WM 2009 im kanadischen Calgary zum Wettbewerbsprogramm gehören wird. Die Verantwortlichen pochen vorläufig auf die Bestimmung, dass mindestens zwölf Länder teilnehmen müssen – und angemeldet sind bloss sieben. „Ich hoffe, das man nicht nur Masse, sondern auch Klasse berücksichtigt“, sagt Honegger, „und unser Beruf gehört eindeutig zu der Elite.“


Rangliste
1. Daniel Lochbihler, Holderbank (Lehrbetrieb: Ingold AG, Olten; Arbeitgeber: Stadler Stahlguss AG, J. Renferstr, Biel)
2. Martin Ackermann, Aarau (Lehrbetrieb und Arbeitgeber: Ferrum AG GB Giesserei, Schafisheim)
3. Ivan Cokolic, Luzern (Lehrbetrieb: von Roll, Emmenbrücke; Arbeitgeber: Giesserei Hegi AG, Oberburg)

Schweizermeisterschaften der Dekorationsmaler und Gipser

Ein hohes Niveau und zwei „Männersiege“

 

Der Berner Rockstar (selbst gelernter Maler) brachte das Siegestrio auf Touren (v.l.): Selina Derungs, Andreas Marbacher, Gölä und Michèle Meyenberger 

 

Neun der 13 Teilnehmenden der diesjährigen Schweizermeisterschaft im Dekorationsmalerberuf waren Frauen – und doch setzte sich nach einem hochklassigen Wettkampf ein Mann an die Spitze. Bei den Gipsern sorgte die einzige junge Dame im Wettbewerb für Aufsehen.


Die Zürcher Berufsmesse in den Messehallen in Oerlikon lockte auch in diesem Jahr tausende von jungen Leuten, die vor der Berufswahl stehen, an. In dieses attraktive Umfeld passte natürlich auch die 7. Schweizermeisterschaft des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbandes (SMGV), denn sie bot besten Anschauungsunterricht.

Zu einer ersten Ausmarchung konnte antreten, wer die Abschlussprüfung mit der Mindestnote 5,0 abgeschlossen hatte. So trafen sich die in regionalen Ausscheidungen erkorenen Spitzenleute am Stand der „Kreativen am Bau“. Neun Frauen und vier Männer der Berufssparte Dekorationsmaler (so heissen heute die Maler, die nach der Lehre zusätzliche Spezialkurse absolvieren) stellten sich der Herausforderung, innerhalb von drei Tagen ein „Zimmer“ nach genauen Vorgaben zu streichen, zu tapezieren, zu beschriften und zu dekorieren. Unter den Augen der strengen Experten sowie der vielen Schaulustigen schritten die Arbeiten voran. Die Teilnehmenden liessen sich indessen nicht stressen, sondern bewiesen, dass sie ihren Beruf beherrschen. Saubere Applikationen und korrekte Masse, waren den Experten die so wichtigen Punkte wert. Nachdem alle Arbeiten abgeschlossen waren, nahmen die Juroren eine Schlussbewertung vor.

 

Gipser im weissen Element

Neben den Dekorationsmalern waren eine Gipserin sowie vier Gipser daran, einem schlichten Gestell mit dem weissen Material vielfältige Formen zu verleihen. Gipselemente mussten eingepasst, Stuckaturen verlegt, Lücken gefüllt und alle Elemente genau nach Plan eingepasst werden. Verblüfft konnten Besucher sehen, mit welchen Fertigkeiten die Kandidaten ihre Arbeit gezielt vorwärtstrieben. Am Ende des kräfteraubenden Wettbewerbs sende waren alle praktisch wieder auf dem gleichen Stand, so dass die Arbeiten abschliessend begutachtet werden konnten.

 

Rangverkündigung mit Gölä

Ein paar Stunden später trafen sich alle Beteiligten erneut – die Rangverkündigung im Messeforum war angesagt. In seiner Grussbotschaft überbrachte SMGV-Zentralpräsident Alfons. P. Kaufmann als erster seine Glückwünsche: „Ihr seid die Zukunft unserer Gewerbe und wir sind stolz auf euch.“ Er erwähnte die vielen beruflichen Möglichkeiten, die auf gut ausgebildete Handwerker warten und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Schweizermeister von den Berufs-WM 2009 in Kanada(CA) einmal mehr Medaillen heimbringen werden. Zur grossen Überraschung der Anwesenden präsentierte Kaufmann anschliessend den Berner Rocker Gölä, dem an der Rangverkündigung eine besondere Aufgabe zuteil wurde. Dann übernahm Experte und internationaler Betreuer Ruedi Mösching das Mikrophon und bat „seine“ Gipser nach vorn. Der im ersten Rang mit 74 Punkten zum Schweizermeister ausgerufene Leo Stillhard konnte seine Freude kaum in Grenzen halten, erhielt er doch neben der obligaten Urkunde von Gölä den Schlüssel zu einem nigelnagelneuen Fiat 500, den er für die kommenden zwei Jahre gratis fahren darf. Kommentar des jungen Zürchers: „Ich hatte immer das Gefühl, schlecht in der Zeit zu liegen, aber ich wollte eine Toppleistung abliefern. Besonders gefallen haben mir die Stuckaturarbeiten, weil die in der täglichen Arbeit leider nur selten vorkommen.“ Die einzige Dame im Feld, Fabienne Epp schloss mit 71 Punkten auf dem hervorragenden zweiten Platz, noch vor Cedric Heritier, der 69 Punkte auf sein Konto buchte.

Danach ehrte der Cheforganisator der Meisterschaft, der internationale Experte Ueli Künzi, die besten Dekorationsmaler. Eingerahmt von Selina Derungs (2., 78 Punkte) und Michèle Meyenberger (3., 76 Punkte) stand Andreas Marbacher zuoberst auf dem Podest. Er holte sich den Schweizermeistertitel mit herausragenden 80 Punkten. Auch der Zentralschweizer freute sich riesig über den Autoschlüssel, den er von Gölä übernehmen durfte und machte sich sofort an „seinem“ Fahrzeug zu schaffen. Laut Ueli Künzi legte Marbacher den Grundstein zu sienm knappen Sie dank seinen überragenden Leistunge in Streichen, Tapezieren und Dekorieren. Selina Derungs zeigte sich trotz verpasster Goldmedaille begeistert: „Die meisten Designs waren für mich sehr schwierig, darum war ich mir nicht sicher, ob es für einen Spitzenplatz reichen würde.“

Bereits in den nächsten Monaten beginnen für Leo Stillhard und Andreas Marbacher die Vorbereitungsarbeiten für die WorldSkills, dem internationalen Berufswettbewerb, der im November 2009 im kanadischen Calgary zur Austragung gelangt. Ueli Künzi und Ruedi Mösching, die als Coaches der beiden Schweizermeister amtieren werden, sind zuversichtlich: „Die Burschen sind vom Können her zu Spitzenleistungen fähig, haben einen gesunden Ehrgeiz und verfügen über die nötige Nervenstärke.“

Roland Hofer

 

 

Ranglisten

 

Schweizermeisterschaft im Gipserberuf

1. Leo Stillhard, Zürich, (Lehrbetrieb: Erguel Color Sàrl, St-Imier)

2. Fabienne Epp, Obfelden (R. Bischofberger, Obfelden)

3. Cedric Heritier, Sion (Stephan Dubuis, Sion)

4. (in alphabetischer Reihenfolge): Emmanuel de Frias, Sion (J.P. Crisinel, Sion); Kosove Ramadani, Wasen i.E. (Wenger Hess & Partner, Bern); Roger Schmutz, Bäriswil BE (Daniel Wegmüller AG, Jegenstorf)

 

Schweizermeisterschaft im Dekorationsmalerberuf

1. Andreas Marbacher, Kriens (Lehrbetrieb: Malerei T.+K. Unternährer, Emmenbrücke)

2. Selina Derungs, Chur (Alois Furger, Vals)

3. Michèle Meyenberger, Lanterswil TG (Markus Leutwyler, Lanterswil)

4. (in alphabetischer Reihenfolge): Alain Baer, Moudon VD (Victor Protti, Bussy/Moudon); Stephanie Berger, Oberarth SZ (H-P. Ketterer, Arth); Sabina Berisha, Zürich (H.R. Steiner, Schlieren); Matteo Errede, Bercher VD (Pierre-Yves Ferrini, Echallens); Roswitha Gabler, Muolen SG (Ruedi Suppiger, Muolen); Manuela Gutknecht, Adlikon b. Andelfingen (Stegemann Maler AG, Andelfingen); Michael Lehmann, Kirchberg BE (Tschannen + Leuenberger AG, Burgdorf); Jasmine Pauli, Kleindietwil BE (Malergeschäft Würgler, Rohrbach); Doris Schuler, Bürglen OW (Maler Rixen AG, Erstfeld); Manuela Wey, Zürich (Maler Niko GmbH, Andermatt)

 

Sie haben ihre schwierige Aufgabe bei den Gipsern am besten gelöst (v.l.): Fabienne Epp, Leo Stillhard und Cederic Heritier. 

 

Die „Chefs“ zeigten sich zufrieden (v.r.): SMGV-Präsident Alfons F. Kaufmann, Ruedi Mösching (Experte Gipser) und Ueli Künzi (Experte Dekorationsmaler).

Schweizermeisterschaften der Polymechaniker In Basel

Schlafwandlerisch Drehen und Fräsen

 

Im Rahmen der Fachmesse Swisstech in Basel fanden die Schweizermeisterschaften für die drei Berufsgattungen der Polymechaniker statt. Erstmals beendete eine Frau diesen Berufswettbewerb auf dem zweiten Platz.

 

In ihrer Grundausbildung lernen die Polymechaniker viel über Metallbearbeitung. Das beginnt bei den Basiskenntnissen über die Tätigkeiten wie Drehen oder Fräsen, Feilen, Bohren, Messtechnik, Säge- und Umformtechnik. Dazu gesellen sich verschiedene Verbindungsmethoden wie Schweissen, Löten oder Kleben. Um die Werkstücke genau nach Kundenwunsch ausführen zu können, stehen den jungen Menschen heute computergesteuerte Werkzeugmaschinen – sogenannte CNC-Maschinen – zur Verfügung. Genau um diese ging es bei zwei der drei Wettbewerbsaufgaben, dem CNC Fräsen und dem CNC Drehen. Eine dritte Gruppe von Spezialisten musste sich als Polymechaniker/in in der Disziplin Automation (maschinelle Fertigungstechnik Drehen/Fräsen) messen. Für alle drei Sparten, die zusammen das Berufsbild Polymechaniker/in ausmachen, wurden Aufgabenstellungen ausgearbeitet, die das hohe Niveau der Berufsweltmeisterschaften aufwiesen, so dass die noch nicht 22 Jahre alten Kandidaten in hohem Mass gefordert wurden. Vorgängig zum Finale wurden in internen Wettkämpfen die besten vier Berufsleute jeder Ausrichtung erkoren.

Swissmechanic, der Schweizerische  Verband mechanisch-technischer Betriebe, hat sich auf die Fahne geschrieben, der Berufs- und Weiterbildung grosses Gewicht beizumessen. Direktor Robert Welna und der Leiter der Berufsbildung, Gerhard Vogelbacher, bereiteten, zusammen mit Experten die Schweizermeisterschaft mit grossem Aufwand vor. Im Rahmen der Swisstech – dem internationalen Schaufenster der Branche – arbeiteten die Kandidaten vor einem fachkundigen Publikum und hatten so in dieser Hinsicht ebenfalls echte Wettbewerbsbedingungen wie an internationalen Meisterschaften.

 

Schwierige Aufgaben

Beim  Automatiker-Quartett galt es, Werkstücke konventionell mit der Fräse und an der Drehbank zu bearbeiten sowie Fähigkeiten in Montagetechnik zu zeigen. Die CNC-Fräser und CNC-Dreher mussten hingegen für die Bearbeitung mehrerer Werkstücke die Rechner von „mastercam“ programmieren. Dann wurden die Werkstücke in die Maschine eingesetzt, und diese begann auf Knopfdruck geheimnisvoll zu arbeiten. Hier wurden Löcher gebohrt, dort Vertiefungen gefräst, Gewinde eingedreht. Der Vorgang wiederholte sich mit jedem Einzelteil, bis diese schliesslich miteinander verbunden werden konnten. Dabei verfolgten die eingesetzten Jurymitglieder jeden Arbeitsschritt, machten sich Notizen und überprüften insbesondere, ob die hohen Anforderungen bezüglich Arbeitssicherheit genau eingehalten wurden.

 

Erstmals Frauenpower

Nach getaner Arbeit schritt Gerhard Vogelbacher zum letzten Schritt, stellte sein Team mit den Chefexperten vor und liess den Wettbewerb noch einmal Revue passieren: „Sämtliche Kandidaten haben sehr gut gearbeitet, auch wenn der eine oder andere sich gelegentlich die Haare raufte, weil ihm – trotz richtigem Vorgehen – die Maschine einen Streich spielte.“ Der Berufsbildungsexperte freute sich insbesondere darüber, dass erstmals eine junge Frau ganz an der Spitze dieses technischen Berufes mithalten konnte, auch wenn sie den Sieg wegen Probleme beim Fräsen nur ganz knapp verpasste. „Die drei Tage voller Konzentration und Anstrengung haben aus jedem Teilnehmenden einen Gewinner gemacht, denn am Schluss gaben nur Nuancen den Ausschlag für die Rangierung“ betonte Vogelbacher. Swissmechanic-Direktor Robert Welna, der sich über die erfolgreiche Durchführung der Schweizermeisterschaft freute und die ausgezeichneten Arbeiten lobte. „Das Niveau war sicherlich höher als bei den letzten Wettkämpfen vor zwei Jahren“, zog Welna eine positive Bilanz.

Automation-Chefexperte François Fiechter hatte allen Grund seiner Gruppe besonders herzlich zu gratulieren. Immerhin erreichte mit der Urnerin Fabienne Tresch erstmals eine Frau den Endkampf. Hoch zufrieden zeigte sich auch Dreher-Chefexperte Walter Fricker, der Fabian Vogelbacher, dem Sohn des Leiters der Swissmechanic-Berufsbildung, zum Sieg gratulieren konnte. Bei den Fräsern zeichnete Chefexperte Hansrudolf Zürcher mit Andreas Uhlmann den „Best of all“ aus; der Bündner schloss den Wettbewerb mit der besten Gesamtnote aller drei Disziplinen ab. Diese Superleistung brachte ihm für ein Jahr den Gratis-Gebrauch eines Fraisa VW Polo ein. Übrigens: In der Qualifikation schaffte Andreas Uhlman den Einzug ins Finale nur ganz knapp, sein Vorsprung auf den Fünftplatzierten betrug winzige drei Punkte.

 

Auf nach Calgary

Auf die drei Bestklassierten wartet ein anspruchsvolles Jahr. Denn bereits im Frühjahr beginnen die Vorarbeiten und die Traningskurse für „World Skills Competition“; diese Berufsmeisterschaften finden im November im kanadischen Calgary  stattfindet. Vor Jahresfrist in Japan erreichten die Schweizer Polymechaniker einen dritten und einen vierten Rang – und das verpflichtet.

 

 

Ranglisten

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker Automation

1. Jerome Blum, Basel (Hatebur Umformmachinen AG, Reinach)

2. Fabienne Tresch, Göschenen UR (Dätwyler Cables, Altdorf)

3. Daniel Rohrer, Sachseln OW (RUAG Aerospace Center, Alpnach)

4. Christian Rossi, Claro TI (RUAG Aero-space, Lodrino)

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker CNC Drehen

1. Fabian Vogelbacher, Hörhausen TG(Mowag GmbH, Kreuzlingen)

2. Martin Furer, Bülach ZH (Stutz Mechanik, Bülach)

3. Daniel Steinert, Wetzikon ZH (Ferag AG, Hinwil)

4. Florian Blickensdorfer, Schweizersholz TG (Tubenfabrik, Bischofszell)

 

Schweizer Meisterschaft der Polymechaniker CNC Fräsen
1. Andreas Uhlmann
, Sarn GR (Hamilton Bonaduz AG, Bonaduz)
2. Urs Höhener, Trogen AR (Thyssen Krupp Presta, Oberegg)
3. Reto Wächter, Kleindöttingen AG (Heinz Baumgartner AG, Tegerfelden)
4. Tobias Haas
, Obfelden ZH (Advaltech AWM, Muri AG)

 

 

Siegerbild mit Dame bei den Automatikern (v.l.): Fabienne Tresch, Jerome Blum und Daniel Rohrer. 

 

Das Siegestrio bei den CNC-Drehern (v.l.): Martin Furer, Fabian Vogelbacher und Daniel Steinert. 

 

Sie waren die besten CNC-Fräser (v.l.): Urs Höhener, Andreas Uhlmann und Reto Wächter. 

Schweizermeisterschaft der Bäcker-Konditor-Branche

Sogar die Makronen liessen sich sehen…

 

Die 24 Teilnehmenden haben für einen Wettkampf auf höchstem Niveau gesorgt. Vorne das Medaillentrio (v.l.): Marianne Grossmann, Fabienne Amgarten und Fabienne Schaub.

 

 

Eine derart hohes Niveau habe man bei den Schweizermeisterschaften der Bäcker-Konditor-Branche noch nie gesehen, waren sich die Experten nach Abschluss der diesjährigen Titelkämpfe in Luzern einig. Dank der Obwaldnerin Fabienne Amgarten blieb das Gold in der Zentralschweiz.

 

„Mein Bäckerherz schlägt höher, wenn ich die grossartigen Leistung der jungen Leute sehe“, betonte Kaspar Sutter, Präsident des Schweizersicher Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes (SBKV) anlässlich der Siegerehrung. Sutter zeigte seinen beruflichen Stolz nicht zuletzt dadurch, dass er in der gleichen weissen Bäckerbluse erschien, die auch alle Kandidaten trugen. Der Verband legt auf die Nachwuchsförderung grossen Wert und lässt sie ich rund zwei Millionen Franken im Jahr kosten. Die alljährlich in den Räumen der Luzerner „Bäckeruniversität“, der Fachschule Richemont, stattfindenden Wettkämpfe sind ebenfall sehr aufwändig: Für die Betreuung der 24 Teilnehmenden stehen 26 Mitarbeitende im Einsatz. Dass sie dabei für ideale Wettbewerbsbedingungen sorgen, versteht sich von selbst.

 

Schwierige Aufgaben

Die aus allen Teilen der Schweiz stammen Wettkämpfer gehören zur Elite, haben sie doch ihre Lehrabschlussprüfung mit Höchstnoten abgeschlossen. Die meisten von ihnen habe extra für die Meisterschaft trainiert – und dennoch empfanden sie den fünfstündigen Wettkampf als eine grosse Herausforderung. „Ich hätte nie gedacht, dass der Zeitdruck so gross sein wird. Es war nicht leicht, die Nerven zu behalten“, befand beispielsweise die Bronzegewinnerin Marianne Grossmann. Tatsächlich waren die Aufgaben recht happig:

  • zwei verschieden geflochtene Zöpfe
  • zwei Hefeteig-Gebäcke
  • ein Schaubrot
  • ein Kleinbrot (Teig selbst angefertigt)
  • Makronen
  • Butterblätteig-Stückchen
  • drei Marzipanfiguren.
  • Tortendekoration nach eigener Zeichnung

 

Thema „Valentinstag“

Die Fachjury entschied sich dieses Jahr für das generelle Thema „Valentinstag“, so dass es auf den Präsentationstischen schliesslich von Herzen in aller Form, lachenden Bären und Hunden sowie küssenden Elefanten und Mäusen wimmelte. „Ich staune immer wieder, wie kreativ die Teilnehmenden sind“, betonte SBKV-Ausbildungschef Peter Galli, „und es wird von Jahr zu Jahr besser.“ Doch nicht nur das Aussehen der Produkte gefiel, auch die handwerkliche Qualität war meist überdurchschnittlich. Zu den Glanzlichtern zählten laut den Cheforganisatoren Markus Zimmerli und Fredi Eggerschwiler das Hefegebäck, die Kleinbrote und die Blätterteigstückli. Etwas Mühe bekundeten die Kandidaten mit dem Zopfflechten, einige mussten gar mehrere Anläufe nehmen. Bei den Marzipanfigürchen war häufig die Balance das Hauptproblem, mehrfach war gar Kippen angesagt. Ein Riesenaufschnaufen gab es bei den Makronen, die in den letzten Jahren zum echten Problemkind wurden. „Noch verbesserungsfähig, aber sicher nicht die Katastrophe wie 2007“, lautete das Urteil von SBKV-Präsident Kaspar Sutter. Einen Schatten gab es dennoch: mehrere Kandidaten schafften das grosse Pensum nicht ganz und wurden nicht mit allen Produkten fertig, was ihnen natürlich alle Chancen auf eine gute Platzierung raubte.

 

Überraschte Siegerin

Gewonnen wurde der Wettkampf schliesslich klar von Fabienne Amgarten. Die zierliche Obwaldnerin zeigte sich über ihren Erfolg überrascht: „Von einer Medaille habe ich nicht einmal geträumt. Ich wollte einfach nur das Beste geben. Aber es lief mir sehr gut, ich hatte kaum grössere Probleme und kam nie in Zeitnot.“ Für Hans Vogler, Armgartens Lehrmeister in der Lungerner Bäcker-Konditorei Sunnis, war das Gold kein Zufall. „Fabienne beherrscht das Handwerk, kann sich die Arbeit gut einteilen und ist enorm kreativ.“ Die 19-Jährige wird Gelegenheit erhalten, ihre Wettkampfstärke nochmals unter Beweis zu stellen: zusammen mit der zweitplatzierten Fabienne Schaub wird sie nächstes Jahr an internationalen Meisterschaften teilnehmen.

 

 

Rangliste

 

1. Fabienne Amgarten, Lungern OW (Lehrbetrieb: Bäckerei-Konditorei Sunnis, Lungern)

2. Fabienne Schaub, Zumikon ZH (Bäckerei-Konditorei Hausammann, Zürich)

3. Marianne Grossmann, Schangnau BE (Bäckerei-Konditorei Eichenberger, Langnau i. E.)

4. (in alphabetischer Reihenfolge): Ivan Beeler, Steinen SZ (Bäckerei-Konditorei Schnüriger GmbH, Rothenthurm); Barbara Blum, Triengen LU (Bäckerei-Konditorei Squindo, Moosleerau); Christine Engeli, Siegershausen TG (Bäckerei-Konditorei Mohn AG, Berg); Andrea Fuchs, Brülisau AI (Bäckerei-Konditorei Schäfli, Appenzell-Steinegg); Claudia Gadola, Zizers GR (Bäckerei-Konditorei-Café Signer, Zizers); Manuela Gut, Kaltbach LU (Bäckerei-Konditorei Blum, Schenkon); Sébastien Hug, Les Avants VD (Boulangerie-Pâtisserie Compondu Yves, Blonay); Irene Jung, Bazenheid SG (Bäckerei-Konditorei Werner Kuhn, Brunnadern); Andreas Lehner, Kriessern SG (Bäckerei-Konditorei Rhybeck,  Kriessern); Silvano Leucci, Herisau (Bäckerei-Konditorei Näf, Herisau); Erich Lüthi, Hausen AG (Bäckerei-Konditorei Eberhard, Mägenwil); Carmen Maeder, Courgevaux FR (Bäckerei-Konditorei Aebersold GmbH, Murten); Ursina Meier, Bäretswil ZH (Ehriker-Beck, Wildberg); Margrit Odermatt, Büren NW (Bäckerei-Konditorei Christen, Stans);  Augustin Salamin, Grimentz VS (Boulangerie-Pâtisserie Zenhäusern SA, Sion); Andrea Schweizer, Däniken SO (Pino der andere Beck, Olten); Jasmin Stadelmann, Emmenbrücke (Heini Conditorei AG, Luzern); Sabrina Surer, Arisdorf BL, (Bäckerei-Konditorei Berger AG, Augst); Nadja Tenger, Davos (Müller Beck, Schaffhausen); Ruth Wüthrich, Bärau BE Heimstätte Bärau); Anja Zentner, Ennenda GL (Cornetto AG, Ennenda).

 

Die Siegerin hat von ihrem Lehrmeister viel gelernt: Fabienne Amgarten und Hans Vogler. 

 

Wer sagt schon, dass Makronen besonders schwierig sind?

Schweizer Meisterschaft der Detailhändlerinnen Bäckerei-Konditorei-Confiserie

Aufwertung dank neuer dreijähriger Ausbildung

 

Das Niveau des Wettkampfes der Detailhändlerinnen ist dank der neuen Ausbildung eindeutig gestiegen, was die Besten klar bestätigten (v.l.): Jasmine Bürki, Lucrezia Naef und Daniele Röllin.

 

 

Im „süssen“ Detailhandel wurde bislang zwischen den Sparten Bäckerei-Konditorei und Konditorei-Confiserie unterschieden. Nun traten die schweizweit besten Absolventinnen des ersten dreijährigen Lehrgangs zum Wettkampf an. Den Sieg holte sich die St. Gallerin Lucrezia Naef.

 

Nach einer einjährigen Pause – weil man sozusagen auf das Heranreifen des ersten Jahrgangs nach neuem Grundbildungskonzept warten musste – massen nun nicht weniger als zwölf Kandidatinnen aus der ganzen Schweiz ihr Können im Kampf um den Meistertitel in der Branche Detailhandel Bäckerei-Konditorei-Confiserie. Zum Wettbewerb eingeladen wurde alle Kantonsbesten, vorausgesetzt ihre Lehrabschlussprüfung-Note betrug mindestens 5,0.

 

Angepasste Aufgaben

Die Aufgabenstellung wurde mit neuen Reglementen an die jetzige Ausbildung angepasst, wie Cheforganisatorin Esther Honegger erläuterte. So mussten die jungen Frauen je eine schriftliche Arbeit zu den Themen Verkaufspsychologie und Warenkunde abliefern, vor Experten einen kurzen Vortrag halten und schliesslich im praktischen Teil ein Schaufenster zum Motto Valentinstag gestalten. Dabei wurde vor allem das Element „Geschenkpackungen“ für einige Kandidatinnen zur Nervenprobe. „Ich hätte das Rund-Einpacken wohl doch mehr üben sollen“, seufzte eine Teilnehmerin laut. Das kritische Fachpublikum zeigte sich von den Resultaten aber schliesslich recht angetan.

 

Gestiegenes Niveau

Zufrieden mit den Leistungen ihrer Schützlinge war auch Esther Honegger. „Das Niveau ist dank der neuen Ausbildung eindeutig gestiegen“, freute sie sich. „Der Beruf hat klar an Wert und an Gewicht gewonnen.“ Der Wechsel, so die Fachfrau, habe sich für alle positiv ausgewirkt.

 

 

Rangliste

 

1. Lucrezia Naef, Niederuzwil SG(Lehrbetrieb: Café-Confiserie Dober, Flawil)

2. Jasmine Bürki, Hägendorf SO (Merkur Confiserie AG, Dietikon)

3. Daniela Röllin, Menzingen AG (Café-Konditorei Schlüssel AG, Menzingen)

4. (in alphabetischer Reihenfolge) Eveline Berner, Ibach SZ (Bäckerei-Konditorei Schelbert, Muotathal); Ramize Iseni, Balterswil TG (Panetarium AG, Münchwilen); Fabienne Neuenschwander, Wilderswil BE (Confiserie Steinmann AG, Thun); Sabrina Pina, Nunningen BL (Bäckerei Streuli, Bottmingen); Sarah Rietmann, Unterentfelden AG (Bäckerei-Konditorei Squindo, Moosleerau); Natascha Schaffner, Allschwil BL (Bäckerei-Konditorei Sutter AG, Münchenstein); Karin Steiner, Rain LU (Bäckerei-Konditorei Fischer, Beromünster); Mirjam Troxler, Beromünster LU (Bäckerei-Konditorei Stocker AG, Sursee); Yvonne Wiederkehr, Nassen SG (Bäckerei-Konditorei-Café W. Kuhn, Brunnadern).

Schweizermeisterschaft der Konditor-Confiseur-Branche

Das hohe Niveau wurde nochmals getopt

 

 

Ihre Leistungen brachten auch erfahrene Experten ins Schwärmen (v.l.): Claudia Mächler, Jolanda Stgier und Belinda Grütter.

 

Dass die Grundbildung im Konditor-Confiseur-Beruf von hoher Qualität ist, ist nichts Neues. Am Wettkampf um den Schweizermeistertitel übertrafen die 13 Teilnehmenden aber alles bisher Dargebotene. Der verdiente Sieg ging an die hoch motivierte Bündnerin Jolanda Stgier.

 

„Wahnsinn – bei der letzten Meisterschaft habe ich geglaubt, dass wir eine Art Zenit erreicht hätten, doch dieses Resultat ist nochmals übertroffen worden.“ So fasste der sichtlich erfreute Verantwortliche für die Schweizermeisterschaft der Konditoren-Confiseure, Christian Dössegger, die Leistung der dreizehn Wettkämpferinnen und Wettkämpfer zusammen. Beeindruckt von den Arbeiten der jungen Berufsleute zeigten sich auch Stefan Romang, Präsident des Schweizerischen Konditor-Confiseurmeister-Verbandes, das fünfköpfige Juroren-Team und nicht zuletzt das sehr zahlreich in der Fachschule Richemont in Luzern aufmarschierte Publikum.

 

Rekord bei Lehreintritten

Wie üblich hatte man junge Berufslöeute mit den besten Lehrabschlussprüfungs-Noten aus allen Landesteilen zum Wettbewerb eingeladen; dreizehn von vierzehn folgten diesem Ruf, darunter neun Frauen und vier Männer. „Dieses Verhältnis entspricht in etwa dem Berufsalltag“, erklärte Dössegger die heutige Situation in der Branche. Dass diese Situation verglichen mit anderen Berufen sehr komfortabel ist, beweisen die Zahlen. „Mit 398 neuen Lehreintritten haben wir dieses Jahr einen neuen Rekord“, konnte SKCV-Präsident Romang stolz verkünden. Nach den geburtenstarken Jahrgängen habe man eher mit einem Rückgang gerechnet, doch offensichtlich sei das Ansehen der Branche sehr gut. Gleiches gilt übrigens auch für den Verkaufsberuf, der ebenfalls steigende Lehrlingszahlen verzeichnet.

 

International noch besser werden

Nur bedingt zufrieden sind die Verantwortlichen jedoch mit dem Abschneiden ihrer jungen Berufscracks bei internationalen Wettbewerben. An der Team-Weltmeisterschaft, die im August in Nashville USA stattfand, erkämpften sich die Schweizer den 3. Rang. „Ein Riesenerfolg“, so Stefan Romang. „Eigentlich sollten wir auch international Spitze sein, und das waren wir bislang nicht immer.“ So war es denn für alle eine Enttäuschung, als es an den World Skills 07 in Japan nicht für die vorderen Ränge reicht. Dem will man nun gezielt Abhilfe schaffen. Im Vorfeld der Meisterschaft konnten die Kandidaten auf Einladung der Max Felchlin AG im Condirama in Schwyz einen Weiterbildungstag verbringen und dabei unter anderem auch ihr Schaustück für den Wettbewerb vorbereiten. Dabei entstanden teilweise wahre, fast meterhohe Kunstwerke, die es dann mit der gebotenen Vorsicht nach Luzern zu transportieren galt. „Der Übungstag ist extrem gut rübergekommen“, kommentierte Christian Dössegger. Für den Wettkampf seien zwar Sachen entstanden, die man im Alltag eher nicht sehe, „aber es ist doch toll, einmal zu zeigen, was man machen könnte“.

 

Amor mit Praline

Konkret „zu machen“ hatten die Jungconfiseure zum Wettbewerbsthema Valentinstag so einiges: Dessertbecher, Tortendekor, Modellieren von Marzipanfiguren, Pralinen, gefüllter Konfekt und Blätterteigkonfekt. Bewertet wurden nebst diesen Arbeiten auch die Produktepräsentation sowie die Hygiene und die Arbeitsabläufe. Den sechsstündigen Wettbewerbsmarathon meisterte schliesslich Jolanda Stgier aus dem bündnerischen Parsonz am besten. Ihr Valentins-Schaustück zeigte einen perfekten Amor mit dargebotener Praline. Die junge, hoch motivierte Frau hatte sich eigens für das Üben auf die Meisterschaft hin drei Wochen Ferien genommen und mit einem Sieg zwar nicht unbedingt gerechnet, „aber trotzdem darauf gehofft“. Nach ein paar Freudentränen trat sie denn auch ans Mikrofon und bedankte sich vor allem für die vorbehaltlose Unterstützung ihres Meisterpaares Andri und Sandra Marguth und des Chefkonditors Ivan Zuccolo (alle Café und Confiserie Gyger, Thusis).

Der Sonderpreis für Gestaltung ging an David Conti aus Erlinsbach, der für seine Valentinstag-Arbeiten ein Schmetterling/Blumen-Motiv wählte.

 

Längeres Training

Über das Ticket für die Teilnahme an den World Skills vom September kommenden Jahres im kanadischen Calgary freute sich die Siegerin extrem, obwohl sie noch nicht darüber nachgedacht habe, was genau auf sie zukomme. Allein wird sie dabei auf jeden Fall nicht gelassen. "Nach Japan haben wir das Siegertraining extra neu aufgegleist und hoffen, so doch etwas mehr zu erreichen", erläuterte Christian Dössegger. Während frühere Weltmeisterschaftsteilnehmer rund eine Woche übten, wird Jolanda Stgier nun bei der Felchlin AG einen zweiwöchigen Intensivkurs absolvieren und danach unter dem Coaching von Präsident Stefan Romang gezielt das Wettbewerbsprogramm trainieren.

 

 

Rangliste

 

1. Jolanda Stgier, Parsonz GR (Lehrbetrieb: Café und Confiserie Gyger, Thusis)

2. Claudia Mächler, Gibswil ZH (Confiserie Honegger, Wald)

3. Belinda Grütter, Zollikofen BE (Confiserie Steinmann AG, Thun)

4. (in alphabetischer Reihenfolge) Aline Chopard, Castione TI (Confiserie Al Porto SA, Tenero); David Conti, Erlinsbach AG (La Confiserie R. Schwarz GmbH, Rupperswil); Samuel Dober, Flawil (Confiserie Speck, Zug); Léonard Fleury, Villars-sur-Ollon VD (Confiserie Moutarlier, Chexbres); Madlen Meier, Ermenswil SG (Bäckerei-Konditorei-Confiserie Wick AG, Rapperswil); Melanie Näf, Herisau (Confiserie Roggwiller, St.Gallen); Larissa Schweizer, Kirchberg BE (Beck Glaz Confiseur AG, Bern); Andrea Sonder, Bözen (Confiserie Graf GmbH, Rheinfelden); Carlo Tommasini, Niederglatt ZH (Confiserie Honold AG, Zürich); Laura Weber, Malleray (Confiserie Progin GmbH, Biel).

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